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Der Fall Palmer: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht

  • Nach jahrelangen Provokationen des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer haben die Grünen jetzt die Reißleine gezogen.
  • Sie tun es spät.
  • Das hat jedoch den Vorteil, dass der Schritt nicht mehr angreifbar ist, kommentiert Markus Decker.
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Für Fälle wie den von Boris Palmer gibt es ja ein gutes altes Sprichwort. Es lautet: “Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.” Dabei war das Wasser in dem Brunnen in diesem Fall zu größeren Teilen das Wasser der Grünen. Die entziehen dem Oberbürgermeister von Tübingen jetzt die Unterstützung – in der Stadt, im Land, im Bund. Der Schritt war ebenso überfällig wie unvermeidlich.

Seit Jahren dreht der 47-Jährige an der Schraube rhetorischer Eskalation. Er ging immer weiter als andere – um jenseits der 89.000 Einwohner zählenden Stadt, in der der Stadtrat noch Gemeinderat heißt, irgendwie gehört zu werden. Dabei folgte Palmer, wie Grünen-Chefin Annalena Baerbock mit Recht sagte, einem formalen Muster, ja einem “Geschäftsmodell”: zunächst gezielt provozieren, dann scheinbar reumütig zurückrudern, schließlich unbelehrbar nachlegen.

Ganz wie der Vater

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Freilich folgte Palmer auch noch einem inhaltlichen Muster. Er agierte stets auf dem Rücken von Schwächeren. Zunächst war es der Rücken von Flüchtlingen und Migranten. Jetzt ist es der Rücken von Alten und chronisch Kranken. Für komplexe Probleme hatte der Einser-Abiturient dabei immer verblüffend einfache Lösungen parat.

Die Langmut der Grünen, die ihren Rücken nun nicht mehr krumm machen möchten, war erstaunlich. Doch es zeigt sich, dass sie letztlich klug war. Die aktuelle und unmissverständliche Distanzierung von Palmer ist nämlich auch jenseits des grünen Kernmilieus nachvollziehbar. Den Schaden trägt der Streithansel allein.

Keine Heimat mehr

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Ob Boris Palmer am Ende kühl kalkuliert oder sich – brutal gesagt – wie sein Vater Helmut, der “Remstal-Rebell”, aufgrund einer persönlichen Deformation ins Abseits manövriert hat, wird man bald sehen.

Eine politische Heimat hat er jedenfalls seit Montag nicht mehr. Er wird so leicht auch keine neue finden.

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