Der Fall Giffey: Politiker, schreibt keine Doktorarbeiten!

  • Was wäre, wenn die Freie Universität Berlin früher entschieden hätte? Wäre Franziska Giffey SPD-Chefin geworden?
  • Diese Fragen sind unterhaltsam, aber sie führen nicht weiter.
  • Eines lässt sich jedoch lernen: Ein paar Promotionen weniger täten Deutschland gut, kommentiert Tobias Peter.
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Es wäre ein schickes Thema für eine Doktorarbeit: „Die Bedeutung des Promotionsausschusses der FU Berlin und der von ihm eingesetzten Gremien sowie des Universitätspräsidiums für die Geschichte der SPD, unter besonderer Berücksichtigung von Franziska Giffey.“

Hätte Franziska Giffey für den SPD-Vorsitz kandidiert, wenn die Entscheidung früher gefallen wäre, dass sie ihren Doktortitel behalten darf? Davon ist auszugehen. Hätte sich an ihrer Seite vielleicht der eine oder andere Parteipromi die Kandidatur getraut, der den Schritt am Ende nicht gewagt hat? Das klingt höchst plausibel. Hätte Giffey beste Chancen gehabt? Ja.

Hätte, hätte, Fahrradkette

Am Ende bleibt aber nur ein Satz: „Hätte, hätte, Fahrradkette.“ Vielleicht machen wir, wissenschaftlich korrekt, noch eine Fußnote daran, dass ihn im SPD-Kontext schon mal der gescheiterte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück benutzt hat.

Lässt sich etwas aus dem Fall Giffey lernen? Man kann den Wunsch formulieren, dass Unis in solchen Fällen schneller entscheiden. Wer schon mal eine deutsche Hochschule von innen gesehen hat, weiß, dass es ein frommer Wunsch bleiben wird. Bedenkt man, dass Giffey zwar der Doktortitel nicht entzogen wurde, sie aber eine Rüge kassiert hat, liegt eine andere Forderung nahe. Sie richtet sich an angehende Politiker: Schreibt keine nutzlosen Doktorarbeiten, die niemand auf der Welt braucht!

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Und das gilt nicht nur für Politiker, sondern für alle: Eine Doktorarbeit ist vor allem dann sinnvoll, wenn jemand tatsächlich eine Karriere in der Wissenschaft anstrebt – und die Promotion daher auch mit dem nötigen Zeitaufwand und uneingeschränkter Energie betreibt. Es gibt zu viele Promotionen, die verzichtbar wären, selbst wenn es in ihnen keinerlei Zitationsfehler gibt. Und wozu das alles? Für die deutsche Titelhuberei. Das muss nicht sein.

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Franziska Giffey darf ihren Doktortitel behalten
1:03 min
Monatelang hat die Freie Universtität Berlin die Doktorarbeit der Familienministerin geprüft. Nun ist klar, Franziska Giffey kann ihren Titel behalten.  © dpa
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