Der ewige Chefdiplomat: Russlands Außenminister Lawrow wird 70

  • Auf der ganzen Welt gibt es keinen Außenminister, der so lange im Amt ist wie er.
  • Seit 16 Jahren ist er im Auftrag des Kremls in der Außenpolitik präsent.
  • Der russische Chefdiplomat Sergej Lawrow hat für Legenden, furiose Streitgespräche und Respekt gesorgt - nun wird er 70.
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Moskau/Berlin. In den internationalen Krisen ist seit langem kaum jemand so allgegenwärtig wie Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Seit 16 Jahren ist der schillernde Chefdiplomat von Kremlchef Wladimir Putin im Einsatz, um in Kriegen und Konflikten Lösungen auf der Weltbühne zu finden. Kein Außenminister ist länger im Amt als der für seine scharfzüngige Redekunst und auch seinen Humor bekannte Lawrow. Trotz der Corona-Krise, die Außenpolitisches zuweilen in den Hintergrund drängt, tritt Putins Mann fürs Feine fast täglich öffentlich auf. Am Samstag (21.3.) feiert er seinen 70. Geburtstag.

Zwar hat die russische Hauptstadt, in der Lawrow am 21. März 1950 zur Welt kam, wegen des Virus nur noch Veranstaltungen bis maximal 49 Gästen erlaubt. Doch der für seine Geselligkeit bekannte Lawrow, der gern Gitarre spielt, dichtet und mit rauchiger Stimme singt, dürfte kaum auf Gäste verzichten wollen. Seine Kollegen am Smolensker Platz in dem Monumentalbau aus Zeiten von Sowjetdiktator Josef Stalin beschreiben ihn als unermüdlich und manchmal auch widerborstig.

Als Lawrow mit Kofi Annan zusammenstieß

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Legendär ist sein Protest, als ihm der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York das Anzünden einer Zigarette verbieten wollte. Bei den Vereinten Nationen gehörte Lawrow von 1994 an als Russlands Vertreter zum Machtzirkel jener fünf Botschafter, deren Länder über ein UN-Vetorecht verfügen. 2004 machte Putin ihn zum Außenminister. Sein Motto sei stets "Diskutieren statt Bombardieren", sagte einmal der Absolvent der Moskauer Hochschule für Internationale Beziehungen (MGIMO), einer renommierten Kaderschmiede für Diplomaten.

Bei den Verhandlungen vor dem Irak-Krieg, so berichtet ein UN- Insider, "konnte er besser pokern als sein amerikanischer Gegenspieler". Die Einschätzungen, die Lawrow nach Moskau sandte, sollen Putin trotz des Drängens durch US-Präsident George W. Bush darin bestärkt haben, beim "Njet" zu einer UN-Resolution zu bleiben, die den Irak-Krieg legitimiert hätte.

Der “Mann mit Witz”

Schon in New York erwarb sich der stets elegant gekleidete und hochgewachsene Lawrow auch bei ausländischen Kollegen den Ruf als "Mann mit Witz". Lawrow habe den grauen UN-Alltag mit flotten Sprüchen aufgehellt, hieß es. In New York wurde er auch Vater einer Tochter, die heute mit den zwei Enkelkindern in Russland lebt. Neben Englisch spricht er Französisch und - aus seiner Zeit an der Botschaft in Sri Lanka - wohl noch etwas Singhalesisch.

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Bis heute warnt Putins Mann fürs Feine immer wieder vor einer Vormachtstellung der USA. Es sei gelungen, deren Rolle zu reduzieren und einen "echten russischen Faktor in der Weltpolitik" zu etablieren. Das stellte er im vorigen Jahr nach 15 Jahren im Amt fest. Immer wieder wirbt er für eine gemeinsame Sicherheitspolitik mit Europa. "Wir wollen für die Welt dasselbe wie für uns – eine evolutionäre Entwicklung – ohne Erschütterungen", schrieb er in einem Beitrag für Russlands außenpolitisches Fachmagazin globalaffairs.ru.

Deutsche Außenminister schätzten Lawrow stets

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Zwar werde Russland oft abverlangt, auf eine eigenständige Rolle in internationalen Angelegenheiten zu verzichten. "Aber Pragmatismus heißt nicht Prinzipienlosigkeit", meinte Lawrow. Angesichts der Unterstützung der USA für Regierungsgegner etwa auch in Venezuela warnt keiner so eindringlich wie Lawrow davor, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen.

In seinen 16 Amtsjahren konnte sich Lawrow auch mit fünf deutschen Außenministern anlegen: Joschka Fischer, Frank-Walter Steinmeier, Guido Westerwelle, Sigmar Gabriel und Heiko Maas. Mit allen lieferte er sich heftige Wortgefechte auf offener Bühne. Trotzdem wird ihm von deutscher Seite bei allen Differenzen ziemlich viel Respekt entgegengebracht.

Kein Politiker ist länger in der russischen Regierung

Lawrow sei "ein Profi, wie es in der globalen Außenpolitik kaum einen zweiten gibt", sagt der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-russischen Beziehungen, Dirk Wiese. "Er steht für die hohe Kunst der russischen Diplomatie, vertritt aber auch eine russische Außenpolitik, mit der wir immer wieder Probleme haben." Zu seinem Geburtstag wünscht der SPD-Politiker Lawrow, "dass Russland zu Frieden und Freundschaft mit allen Nachbarn und darüberhinaus findet".

Leisetreten wird er nicht. Gerade erst hat er wieder einen Regierungswechsel überstanden. Manch einer auch im Außenministerium fieberte der Entscheidung Putins entgegen. Immerhin sagen doch auch einige in Moskau Lawrow seit längerem eine gewisse Amtsmüdigkeit nach. Doch dann tauchte er wieder im neuen Kabinett auf. Kein Politiker ist länger in der Regierung als Lawrow.

Mit Optimismus in die Zukunft

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Im russischen Buchhandel erschien am Freitag der Fotoband "Lawrow. Emotionen" mit vielen bisher nicht gezeigten Aufnahmen auch aus den privaten Leben des Naturfreundes Lawrows - etwa beim Wildwasserfahren und beim Fischen.

Russland, schrieb Lawrow unlängst in einem Beitrag, sei gut gerüstet für die weiteren Veränderungen in der Welt. Er jedenfalls blicke der Zukunft mit "Optimismus" entgegen.

RND/dpa

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