Der Bund macht Milliarden für Wasserstoff locker

  • Deutschland will Technologieführer bei der Anwendung von grünem Wasserstoff werden und lässt sich das einiges kosten.
  • Insgesamt acht Milliarden Euro investieren Bund und Länder in Großprojekte, um den Umbau der Wirtschaft voranzutreiben.
  • Alle Bundesländer profitieren – bis auf zwei.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Wenn in 14 Bundesländern zeitgleich die Sektkorken knallen, dann kann man fast sicher davon ausgehen, dass der Bund ein paar Milliarden locker gemacht hat. So wie am Freitagmorgen.

Um 9 Uhr tritt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor die Presse, um 62 Projekte vorzustellen, die im Rahmen der europäischen Wasserstoffallianz staatlich gefördert werden. 5,8 Milliarden Euro lässt sich der Bund das Programm kosten, die Länder steuern weitere 2,2 Milliarden Euro bei. Altmaier hofft, dass durch die staatliche Finanzspritze Investitionen von insgesamt 33 Milliarden Euro ausgelöst werden.

Video
Deutschland will Wasserstoff-Land Nummer eins werden
1:49 min
Die Bundesregierung einigte sich auf die "Nationale Wasserstoffstrategie". Mit Marokko wurde ein Vertrag für die erste Produktionsanlage in Afrika geschlossen.  © Reuters
Anzeige

„Wir machen damit einen großen Schritt auf dem Weg hin zur Klimaneutralität unserer Wirtschaft“, jubelt der Wirtschaftsminister. Deutschland werde Wasserstoffland, sekundiert sein Verkehrskollege Andreas Scheuer von der CSU.

Wasserstoff, vor allem wenn er aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, soll eine entscheidende Rolle beim Aufbau einer klimaneutralen Wirtschaft spielen. Das Gas kann zum Beispiel Kohle bei der Stahlerzeugung ersetzen, bei vielen Prozessen in der chemischen Industrie den Ausstoß von Klimagasen vermindern oder für den Antrieb von Fahrzeugen verwendet werden. Der große Vorteil von Wasserstoff ist, dass er weitgehend sauber verbrennt – es entstehen lediglich Wasser und wegen der Hitzeentwicklung geringe Menge an Stickoxiden.

Nur Hessen und Thüringen gehen leer aus

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, Deutschland zum Technologieführer bei der Anwendung von grünem Wasserstoff zu machen. Auf europäischer Ebene gibt es ähnliche Ziele. Neben Deutschland wollen 22 EU-Staaten eigene Wasserstoffprojekte auf den Weg bringen.

Anzeige
Hauptstadt Radar Der RND-Newsletter aus dem Regierungsviertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik im Superwahljahr. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Der Bund fördert jetzt Großprojekte in 14 Bundesländern. Nur Hessen und Thüringen gehen leer aus. In den Genuss der staatlichen Förderungen kommen sowohl Anlagen zur Produktion von grünem Wasserstoff als auch Anwendungsprojekte. Insgesamt 50 Projekte hat das Bundeswirtschaftsministerium ausgewählt, darunter die CO₂-freie Stahlproduktion bei Thyssenkrupp sowie eine Wasserstoffpipeline aus dem Emsland ins Ruhrgebiet.

Anzeige

Hinzu kommen zwölf Projekte aus dem Bereich Verkehr, etwa die Entwicklung und Herstellung von Brennstoffzellen für Pkw und Lkw sowie der Aufbau von Wasserstofftankstellen.

Mit der nun beschlossenen Förderung der Erzeugung können zwei Gigawatt Elektrolyseleistung für die Produktion von grünem Wasserstoff installiert werden. Die Bundesregierung kommt damit ihrem Ziel ein ganzes Stück näher, wonach bis 2030 insgesamt 5 Gigawatt Elektrolyseleistung in Deutschland zur Verfügung stehen sollen.

Die Ziele sind ehrgeizig. „Wir wollen bei Wasserstofftechnologien die Nummer eins in der Welt werden“, sagt Wirtschaftsminister Altmaier.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen