„Weil der Faschismus noch nie mit Worten allein zu besiegen war“

Streitbarer Pen-Berlin-Sprecher Deniz Yücel für deutsche Panzerlieferungen an Ukraine

Pen-Berlin-Sprecher Deniz Yücel

Pen-Berlin-Sprecher Deniz Yücel

Berlin. Der Sprecher der Schriftstellervereinigung Pen Berlin, der „Welt“-Journalist Deniz Yücel, hat sich für die Lieferung von schweren Waffen wie Kampfpanzern durch Deutschland an die Ukraine ausgesprochen. „Selbstverständlich bin ich dafür, weil der Faschismus noch nie mit Worten allein zu besiegen war“, sagte Yücel dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vor dem ersten Kongress des Pen Berlin an diesem Freitag in Berlin. Er habe Respekt für pazifistische Positionen. „Aber ich bin der Ansicht, dass Freiheit und Frieden manchmal mit Waffen verteidigt werden müssen.“ Der 49-Jährige unterstrich, das sei seine Position, nicht die des Pen Berlin.

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Yücel war im vergangenen Mai nach langen Querelen vom Amt des Präsidenten des Pen-Zentrums Deutschland zurückgetreten. Ein Streitpunkt war seine Forderung nach einer Flugverbotszone für die Ukraine. Vor knapp einem halben Jahr riefen mehr als 360 Autoren, Übersetzer und Publizisten dann als weitere Schriftstellervereinigung den Pen Berlin ins Leben, dessen Sprecher Yücel und die Autorin Eva Menasse sind. Der erste Kongress des Pen Berlin steht unter dem Motto „Der Trick ist, zu reden“.

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Schmyhal forderte von der Bundesregierung auch mehr Luftabwehrsysteme sowie weitere finanzielle Hilfe, neue Sanktionen gegen Russland.

Deutschland eine „Hippie-Kommune“?

Mit Blick auf seine frühere Position sagte Yücel im RND-Interview: „Als Pen-Präsident stand ich in einer Ahnengalerie mit Leuten wie Günter Grass und Heinrich Böll, die zu fast jedem Thema unter dem Himmel eine Meinung hatten.“ Der 49-Jährige kritisierte die zögerliche Belieferung der Ukraine mit Waffen aus Deutschland. „Plötzlich tun wir mit Blick auf die Ukraine so, als wäre Deutschland eine Hippie-Kommune und hätte nicht eine Rüstungsindustrie, die die halbe Welt ausstattet. Wir liefern Waffen an die Militärdiktatur Ägyptens oder an Saudi-Arabien. Nur wenn es um die Ukraine geht, tut man so, als hätte Deutschland moralische Skrupel, Waffen zu liefern.“

Man kann nicht an den Schlächter wie an das Lamm gleichermaßen appellieren, friedlich zu sein.

Deniz Yücel,

Pen-Berlin-Sprecher

Yücel sagte weiter: „Worüber man, gerade auch im linken Milieu, lieber redet, ist, Flüchtlingen aus der Ukraine zu helfen. Alles sehr ehrenwert. In Deutschland hat man es lieber mit Opfern zu tun, mit Fürsorgepflichtigen, die man mit Tee und Teddybären empfangen kann. Was aber verstört, sind Leute, die nicht fliehen, sondern kämpfen. Und deswegen schreiben dann Alice Schwarzer und Harald Welzer und Jürgen Habermas: Hallo Ukraine, gebt doch bitte auf, damit wir ruhig schlafen können.“

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Vom Schlächter und vom Lamm

Forderungen nach Friedensverhandlungen auch an die Adresse der Ukraine wies Yücel zurück. Erklärtes Ziel des russischen Präsidenten Wladimir Putin sei die „Vernichtung der Ukraine“ als eigenständiges Land, sagte der 49-Jährige. „Man kann nicht an den Schlächter wie an das Lamm gleichermaßen appellieren, friedlich zu sein.“

Yücel war Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ in der Türkei, bis er im Februar 2017 in Istanbul unter anderem wegen des Vorwurfs der Terrorpropaganda festgenommen wurde. Rund ein Jahr lang saß der deutsch-türkische Journalist ohne Anklageschrift in Untersuchungshaft. Die Inhaftierung führte zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte stufte die Untersuchungshaft später als unzulässig ein.

Mit Blick auf die türkischen Angriffe auf Kurdenmilizen in Nordsyrien sagte Yücel: „Das ist natürlich auch Wahlkampf. Aber in der Türkei ist es Staatsräson, jede kurdische Autonomiebestrebung als Bedrohung zu empfinden.“ Den Umgang des Westens mit den Kurdenmilizen der YPG in Nordsyrien kritisierte Yücel als „schändlich“. Im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) seien sie noch Verbündete gewesen. „In dem Moment, in dem sie ihre Aufgabe erledigt hatten, hat man sie fallen gelassen. Nicht das einzige Beispiel dafür, wie der Westen in den letzten Jahren Glaubwürdigkeit verspielt hat.“

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