Den Machtwechsel vor der Linse: So erlebte Fotograf Butzmann die geheimen Ampelverhandlungen

Dominik Butzmann präsentiert Fotos der Spitzenvertreter der Ampelparteien.

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Herr Butzmann, Sie haben schon viele Politiker porträtiert, ob die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier oder den französischen Staatspräsidenten Macron. Was war dieses Mal anders?

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Es war ja ganz offensichtlich, dass diese Koalition als Dreierbündnis etwas Neues ist. Es haben sich völlig andere Typen Politiker, viel jüngere, anders geschulte und anders positionierte Menschen dort unterhalten. Da war im Gegensatz zu vielen anderen Situationen, die ich vorher gesehen habe, ein neuer Geist anwesend. In dem Sinne, dass sehr vertrauens- und respektvoll und cool miteinander geredet wurde.

Sie sprechen die jüngere Generation an, schon zu Beginn der Sondierungen, damals noch im kleinen Kreis zwischen Grünen und FDP, gab es dieses viel zitierte Selfie. Sind sich die Politikerinnen und Politiker der Macht des Bildes heute bewusster als noch vor ein paar Jahren?

Der Trend ist schon ein paar Jahre alt, der findet jetzt nur Einzug in die Bundesregierung. Die Parteien, die da jetzt in eine gemeinsame Koalition gehen, haben in den zurückliegenden Jahren schon gut geübt, Bilder als eine Form der Kommunikation zu nutzen. Da wird sich dann auch genau überlegt, wo und wie welche Bilder erscheinen und dabei Offenheit und Transparenz zu zeigen.

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Eines ihrer Bilder zeigt den jetzigen Kanzler Olaf Scholz in der Runde der Verhandler, Augen geschlossen, die Arme weit ausgebreitet. Sind die Bilder, die Sie während der ganzen Zeit gemacht haben, immer aus der Situation heraus entstanden oder wurde da auch was gestellt?

Da war gar nichts gestellt. Die Situation war auch etwas banaler, als es auf dem Bild erscheinen mag. Olaf Scholz hatte vorgeschlagen, an dem Tag noch ein Gruppenfoto zu machen. Und diese Geste drückt genau das aus: Kommt mal alle her, wir machen noch ein Bild. Also langjähriger Fotograf ahnt man dann solche Situationen vielleicht voraus und dann muss man für das gute Bild nur noch schnell genug sein.

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Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie als Fotograf die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und FDP begleitet haben?

Ich bin schon seit Jahren im politischen Berlin unterwegs, habe viele Interviews fotografiert, hatte direkte Aufträge von Parteien. Sowohl von der CDU als auch von SPD oder Grünen. Das bedeutet, ich bin da einfach bekannt gewesen und die Möglichkeit, dann bei den Verhandlungen dabei zu sein, ergab sich in einem dynamischen Prozess innerhalb von ein paar Tagen. Die Beteiligten haben sich darüber unterhalten, dass sie eine Begleitung durch Bilder schön fänden, und dann war ich plötzlich in der Situation.

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Warum haben Sie sich dafür entschieden, die Bilder in Schwarz-Weiß zu zeigen?

Das war eine Idee für den Tag der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags. Es ging darum, den historischen Moment zu markieren, der auch Bezug nimmt zu den 70er-, 80er- und 90er-Jahren. Da hat sich schwarz-weiß als verbindender Stil einfach angeboten.

Sie bewegten sich während den Gesprächen zwischen den Verhandlern. Hört man da auch mal zu, was gesprochen wird, oder ist man so auf das Bild konzentriert, dass es dazu gar nicht kommt?

Ich denke schon immer politisch und bin ein politisch interessierter Mensch. Lassen Sie es mich mit einer alltäglichen Situation vergleichen: Wenn ich am Spielfeldrand stehe und von meinen Kindern Fußballspiele fotografiere, dann kommt es oft vor, dass ein Tor geschossen wird, ich voller Begeisterung zuschaue, aber nicht den Auslöser drücke. Das leistet man sich dann im privaten Bereich. Während der Koalitionsverhandlungen war ich vielleicht auch zwischendurch versucht, voller Begeisterung einfach zuzuhören, hinzugucken und politisch zu lernen. Aber es ist ja meine Aufgabe gewesen, die Momente einzufangen, und da ist es immer eher angebracht, die Ohren auszuschalten und die Sinne komplett auf das Fotografieren zu konzentrieren.

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Zu einem guten Bild gehört auch immer viel Ausdruck der Protagonisten. Hat Sie eine Politikerin oder ein Politiker mit seiner Aura besonders überrascht?

Da ich mit sehr vielen aus der Runde durch die langjährige Arbeit in Berlin wenigstens etwas bekannt bin, hat mich niemand überrascht. Ich fand allerdings beeindruckend, dass die vielen Ausstrahlungen dieser Protagonisten wie Christian Lindner und Volker Wissing, Annalena Baerbock, Robert Habeck und Michael Kellner oder Olaf Scholz und Lars Klingbeil zusammenkamen und eingerastet sind. Da bestand eine Einigkeit. Das ist etwas, wenn man sich die Streitigkeiten der vergangenen Jahre anschaut, was schon überraschend war.

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