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DDR-Spitzensportler: Über den Mauerfall, Wechsel in den Westen und niedrige Gehälter

Dieter Frenzel und Andreas Thom haben beide als Leistungssportler für die DDR gespielt – der eine Eishockey, der andere Fußball. Wie sie und ihre Mitspieler den Tag der Wende erlebten und was im Westen auf die Topsportler aus dem Osten wartete? Ein Doppel-Interview.

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Dieter Frenzel und Andreas Thom sind etablierte Stars des DDR-Sports, als die Mauer fällt. Sie gehören zum System der Sportvereinigung Dynamo, dem verlängerten Arm des politischen Systems der DDR in den Sport. Doch plötzlich eröffnen sich für den langjährigen Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft (Frenzel) und den Fußball-Nationalstürmer (Thom) ganz neue Möglichkeiten. Sie werden zu den ersten Sportlern, die den bröckelnden Sozialismus ganz legal in Richtung kapitalistischer Bundesrepublik verlassen dürfen. Die D-Mark lockt – und die ehemaligen Sportkameraden verlieren sich für Jahrzehnte aus den Augen. 30 Jahre später hat das RedaktionsNetzwerk Deutschland die beiden Sportlegenden in Berlin wieder zusammengebracht. Das Doppelinterview.

Herr Frenzel, Herr Thom, der 9. November 1989 – wie haben Sie den Tag erlebt?

Dieter Frenzel: Ich hatte ein halbes Jahr vorher aufgehört, Eishockey zu spielen, war an diesem Tag in der Eishalle, wo ein Meisterschaftsspiel zwischen Weißwasser und Berlin stattfand. Da kam die Info, dass die Mauer offen ist. Ich hatte noch guten Kontakt zu meinen ehemaligen Mitspielern, denen ich während des Spiels die Nachricht mitgeteilt habe. Das war für uns (überlegt) unbegreiflich. Da haben selbst die auf dem Spielfeld konsterniert geguckt. „Was ist jetzt los, was ist jetzt los?“ Einige von den Spielern aus Weißwasser haben den Abend genutzt und sind nach West-Berlin auf einen Abstecher nach dem Spiel.

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Und Sie?

Frenzel: Ich war Polizist. Wir hatten Befehl, dass wir erst mal zu Hause bleiben sollten.

Andreas Thom: Ich war in Leipzig. Wir haben uns mit der DDR-Nationalmannschaft auf das nicht unwichtige WM-Qualifikationsspiel in Wien gegen Österreich vorbereitet.

Dieter Frenzel (links), ehemaliger Eishockey-Nationalspieler für die DDR, und Andreas Thom, Fußball-Nationalspieler der DDR. © Quelle: Jacquelin Schulz
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Und plötzlich war die Konzentration weg?

Thom: Man könnte scherzhaft sagen: Die Mauer ist zwei Wochen zu früh geöffnet worden. Vielleicht hätten wir es sonst zur WM geschafft. Wir hatten eine durchwachsene Quali gespielt, dann kam ein Trainerwechsel und plötzlich hätte uns im letzten Spiel in Österreich ein Unentschieden gereicht. Jeder hat gesagt, das ist machbar. Wir auch …

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Frenzel: Da regt sich Ede Geyer (Eduard Geyer war der letzte Trainer der DDR-Nationalmannschaft, das Spiel endete 3:0 für Österreich; d. Red.) heute noch drüber auf …

Thom: Der regt sich aber vor allem deswegen auf, dass Wolfgang Karnath von Bayer Leverkusen da auf der Bank gesessen hat.

Wolfgang Karnath war der Abgesandte von Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen, den Manager Reiner Calmund losgeschickt hatte, um die noch wenige Wochen vorher unerreichbaren DDR-Stars zu kontaktieren.

Die Legende sagt, dass er auf der Ersatzbank Adressen eingesammelt hat …

Thom: Wie sollte das denn gehen? Wir waren doch auf dem Feld. Nachts nach dem Spiel in der Sportschule Lindabrunn sind die Nummern ausgetauscht worden. Obwohl: die Adressen! Wir hatten ja keine Handys. (lacht)

Gab es unter den DDR-Sportlern einen Wettbewerb, wer den besten Vertrag im Westen bekommt?

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Thom: Wir hatten doch nicht einmal Berater …

Frenzel: Das war ja das Schlimme! Wir hatten von Vertragsverhandlungen keine Ahnung. Wenn du ein, zwei Jahre in der Bundesliga warst, hast du erst gesehen, was die anderen verdienen. Und du bist da hingekommen und hast gedacht: 10 im Monat, 15 im Monat, pah, was soll uns noch passieren? Aber das die anderen das Doppelte, Dreifache hatten …

Vorher waren Sie beim Armeeklub Dynamo Berlin. Wie viel Politik war da im Sport?

Frenzel: Wir waren weltweit unterwegs. Mit der Nationalmannschaft und den Klubmannschaften. Der Hintergrund war: Wir hatten in der DDR nur zwei Mannschaften im Ligabetrieb, Berlin und Weißwasser. Da nutzten uns die Spiele im Ausland schon. Und wenn du im Ausland angetreten bist, hat der Staat oder der Verein Startgeld gekriegt. Wir haben Devisen beschafft – von denen wir nichts hatten. Dafür haben wir mit dem Sport die Welt gesehen. Das kann mir auch keiner mehr nehmen.

War Ihnen dieses Privileg bewusst?

Thom: Wir sind mit den Jugendauswahlmannschaften viel rumgekommen. Klar, da haben wir mehr den Ostblock bereist. Später, mit 18 im Herrenbereich, kamen wir dann mehr rum. Ich kann mich erinnern, wie wir bei Örgryte Göteborg gespielt haben. Schweden. Zu Hause hab ich mich gewundert, warum man uns vom sterbenden Kapitalismus erzählt hat. Ich hatte da nur gesehen, dass die Supermärkte alle voll waren und dass alle anständig gekleidet durch die Gegend gelaufen sind. Da musste man schon schmunzeln.

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Andreas Thom, Fußball-Nationalspieler der DDR. © Quelle: Jacquelin Schulz

Frenzel: Es gab Situationen, gerade vor Spielen bei Weltmeisterschaften, im Europapokal oder bei BRD-Mannschaften, wo so ein Agitator von der Partei Vorträge darüber gehalten hat, wie schlecht es dort ist. Wir sind aber in der ganzen Welt unterwegs gewesen, und der, der uns sagen sollte, wie es in den kapitalistischen Ländern zugeht, war nie dort. Wir haben die immer ausgelacht.

Wie sehr wurden Sie abgeschirmt?

Frenzel: Bei Weltmeisterschaften habe ich im Nachhinein erfahren, dass zwei, drei Leute uns observiert haben. Aber es gab keine Einschränkungen, wie wir uns in unserer Freizeit in den Städten zu bewegen hatten.

Gab es unter dem Dynamo-Banner eine spezielle Solidarität? Es soll gelegentlich gemeinsame Kneipenabende gegeben haben …

Frenzel: Gelegentlich ist untertrieben. (lacht)

Thom: Wir hatten zeitgleich Saisonschluss und haben uns dann getroffen. Da haben wir erst Fußball gespielt, dann haben die Eishockey-Heinis uns in die Montur geschmissen. Wir sahen immer aus ... Es konnte ja keiner von uns Eishockey spielen. Da bist du zum Stoppen halt gegen die Bande gefahren. Hat ja nicht wehgetan. Warst ja gut gepolstert.

Frenzel: Dieses Verhältnis untereinander war schön. Wenn man sich das Sportforum anschaut: Zu der damaligen Zeit waren 20 Sportarten in diesem Areal unterwegs. Du bist mit Olympiasiegern, Weltmeistern in Kontakt gewesen, hast auch gesehen, wie die trainieren, wie sich der Körper verändert hat bei den Frauen …

Thom: Die Stimme vor allem …

... dass Bruce Springsteen noch zu DDR-Zeiten in Ost-Berlin auftrat? Die SED hielt den „Boss“ für antikapitalistisch genug, um ihn in der Radrennbahn Weißensee mit seiner E-Street-Band spielen zu lassen. 200 000 Zuschauer kamen 16 Monate vor dem Mauerfall zu diesem für viele unvergesslichen Konzert. Ab und an wird behauptet, dieser Auftritt habe geholfen, die Mauer einzureißen. Doch mit dem Ende der deutsch-deutschen Teilung wird musikalisch weniger Springsteen in Verbindung gebracht als Westernhagens „Freiheit“ und David Hasselhoffs „Looking for Freedom“.  @ Quelle: J.P.Gandul/EFE/dpa

War das beim Eishockey und Fußball nie ein Thema?

Thom: Doping?

Ja.

Frenzel: Ich kann mich erinnern, dass unser Trainer mit Pillen durch die Gegend gerannt ist, also diesen berühmten Turinabol-Tabletten. Der hat sich Einzelne ausgeguckt, aber die meisten haben die weggeschmissen. Dann wurde festgestellt, dass die für die Entwicklung der Physis zwar okay waren, aber für die Koordination, die du als Mannschaftssportler brauchst, eher abträglich. Wie war das bei euch?

Thom: Ich habe nie wissentlich irgendwelche solcher Substanzen eingenommen.

Eishockey und Fußball waren in der DDR beim Publikum sehr beliebt. Gleichzeitig waren die staatlichen Fördermittel begrenzt, weil in Mannschaftssportarten Erfolge nicht derart geplant werden konnten wie beispielsweise bei Leichtathleten oder Schwimmern. Haben Sie sich als Sportler zweiter Klasse gefühlt?

Frenzel: An die Situation, dass es im Eishockey nur zwei Mannschaften gab, hatten wir uns gewöhnt. Alle anderen Mannschaften waren aufgelöst worden, um Geld zu sparen. Wir kannten es nicht mehr anders. Sportler zweiter Klasse? Das haben wir so nicht wahrgenommen. Das war ja mehr oder weniger mein Beruf.

Dieter Frenzel, ehemaliger Eishockey-Nationalspieler für die DDR. © Quelle: Jacquelin Schulz

Thom: Das war kurios. All diese Weltklasseathleten in der DDR vor allem im Einzelsport. Und trotzdem war Fußball für uns zum Glück zumindest von der Popularität her Sportart Nummer eins. Ist ja heute immer noch so, warum auch immer. Dabei konnten wir lange nur Spieler aus dem eigenen Nachwuchs als Neuzugänge einbauen.

Frenzel: Oder halt von anderen Dynamo-Teams …

Thom: Ja gut, aber was hast du da gehabt? Dynamo Fürstenwalde, Dynamo Schwerin – die spielten nicht in der höchsten Spielklasse. International haben wir deshalb nicht die Breite gehabt. Wir konnten keine Spieler aus dem Ausland verpflichten. Und trotzdem war Fußball – warum auch immer – die beliebteste Sportart. Unabhängig davon, was die anderen im Training schruppen mussten. Die Einzelsportler, was die trainiert haben, das war nicht mehr normal.

Offiziell waren Sie Sportsoldat und Polizist. Haben Sie in diesen Berufen Dienste geschoben?

Frenzel: Nee, die Uniform lag im Schrank.

Thom: Unberührt. (beide lachen)

Haben Sie mit dem Gedanken an Flucht gespielt?

Thom: Ich wäre nie abgehauen. (Frenzel nickt) Das hätte ich meiner Familie nicht antun können. Wenn man weiß, was mit denen hätte passieren können …

Frenzel: Die hätten keine Arbeit mehr gehabt und nix …

Thom: Arbeit hätten sie schon gehabt, weil es Arbeitslose in der DDR ja nicht gab (grinst), aber es wäre ihnen nicht gut gegangen.

Durch die Auslandsaufenthalte hast du gesehen, was die Topspieler ungefähr verdienen. Wir haben mit denen gesprochen, dann hast du die auch mal gefragt: „Was kriegst du denn so pro Saison?“

Dieter Frenzel

Plötzlich fällt das System zusammen – und dann steht man da. Zumindest für Fußballer gab es einen Markt. War Ihnen klar, was passieren wird?

Thom: Klar, und es ging ja nicht nur um Westdeutschland. Wir hätten überall hingehen können. Die Mauer war weg. Der – wie hieß er noch mal? – antifaschistische Schutzwall. (beide lachen schallend) Da war schon klar, dass etwas kommt.

Waren plötzlich D-Mark-Scheine in den Augen?

Frenzel: Durch die Auslandsaufenthalte hast du gesehen, was die Topspieler ungefähr verdienen. Wir haben mit denen gesprochen, dann hast du die auch mal gefragt: „Was kriegst du denn so pro Saison?“ Da hast du die Öhrchen aufgemacht und gesagt: „Mensch, wir hier mit unseren 1500 oder 1800 DDR-Mark …“ Okay, der zweiwöchige Urlaub hat 100 Mark gekostet. All inclusive. An der Ostsee gab es von Dynamo spezielle Urlauberheime. Da durften dann auch die Fußballer und Eishockeyspieler hin. Zwei Wochen für 100 DDR-Mark mit Essen und Trinken.

Thom: Preiswert, alles dabei. Da war ich einmal. Das war gut. Luxus brauchten wir nicht. Ob da nun ein Toilettendeckel aus Bischofswerda oder von Aldi war, das war egal. Das war nicht so wichtig.

Wie aufgeregt waren Sie vor dem ersten Training im Westen?

Thom: Zu Anfang habe ich gedacht, ich hätte drei Arme, drei Beine, als ob ich von einem anderen Stern komme.

Frenzel: Exoten waren wir.

Thom: Und trotzdem war das erste Training ganz normal. Klar, man kam sich vor wie ein Exot, weil es was Besonderes war. Aber ich muss sagen, damals in Leverkusen, die waren cool. Die Integrationszeit hat nicht lange gedauert.

Frenzel: Ich bin zum Tabellenletzten der 2. Liga gekommen. Unter meiner Regie ist der Klub in die Bundesliga aufgestiegen. Ich hatte die internationalen Kontakte und habe auch das Know-how mitgebracht, wie eine Mannschaft zusammengestellt werden muss. Die Stadt ist mir bis heute dankbar. Wenn ich Geburtstag habe, kommen so viele Anrufer, die der Zeit nachtrauern. Für mich war klar, dass, wenn ich in die 2. Liga gehe, egal in welchem Land, diejenigen, die dort sind, nie in der Weltspitze gespielt haben. Ich wusste, dass ich in der Lage war, solch ein Niveau zu spielen. Deswegen: Aufregung ja, aber mit dem Bewusstsein, wenn ich dahin gehe, bin ich eh der beste Mann.

1983 muss jemand von den Edmonton Oilers aus der NHL beim DDR-Sportministerium vorstellig geworden sein, um Dieter Frenzel nach Kanada zu transferieren. Die Zahlen: eine Million Dollar Ablöse, 3 Millionen Dollar Gehalt für einen Dreijahresvertrag. Zuvor hatte die DDR mit einem überragenden Frenzel Platz sechs bei der WM in der Bundesrepublik eigefahren – das beste Ergebnis ihrer Geschichte.

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Sie haben das erst 1989 erfahren, als Sie noch im Ministerium den Vertrag in Ratingen unterschrieben haben.

Frenzel: Es ist schön, dass es dieses Angebot gab. Das hat auch meine Leistung widergespiegelt, dass du von der stärksten Liga der Welt ein Angebot bekommst. Ein Nachbar von mir, sehr sportinteressiert, hat das noch mal aufgearbeitet. Der hatte geschäftlich in Edmonton zu tun, ist zu dem Verein gegangen und wollte wissen, ob da was dran ist. Und da hat sich einer gefunden, der war uralt, aber er konnte sich erinnern, dass der Vertrag in der Schublade gelegen hat. Die DDR hätte eine Million US gekriegt, ich pro Jahr 3 Millionen US.

Pro Jahr sogar?

Frenzel: Pro Jahr! Der sagte, schade, dass das damals nicht zustande gekommen ist.

Ich habe nach dem Mauerfall schon gesagt: Wenn ich irgendwann aufhöre, will ich im Ausland gespielt haben.

Andreas Thom

Andreas Thom war bei Celtic Glasgow, ein großer Name im Fußball. Ist man da ein bisschen neidisch, dass einem das System so etwas kaputt gemacht hat?

Frenzel: Tja, ich habe mich damit einfach nicht mehr beschäftigt. Ich war älter, die Chance war eh nicht mehr da.

Sind Sie beide mit Ihrem Weg zufrieden? So 30 Jahre später?

Thom: Ich war DFB-Pokal-Sieger 1993 mit Leverkusen. Ich durfte an einer Europameisterschaft teilnehmen – auch wenn ich da nur ein paar Minuten im Finale gespielt habe. Ich habe nach dem Mauerfall schon gesagt: Wenn ich irgendwann aufhöre, will ich im Ausland gespielt haben. Das war mein Ziel, obwohl ich dafür gar nicht der Typ bin. Nach dem Mauerfall haben sich im Kopf einfach Dinge verändert. Und wenn ich mal überlege: Ich habe fünfeinhalb Jahre in Leverkusen gespielt. Das ist lange. Ich habe zweieinhalb Jahre in Glasgow gespielt – bei einem fantastischen Verein. Und ich habe zum Schluss hier in Berlin bei Hertha eine Zeit erleben dürfen, für die ich heute dankbar bin. Ich wusste, dass es bald vorbei ist, altersbedingt. Da habe ich diese Zeit ganz bewusst erlebt. Wir haben die Champions League gepackt. Das war so herrlich! Vor allem mit einer Mannschaft, von der das keiner erwartet hätte.

Herr Thom, Sie sind dem Fußball treu geblieben und arbeiten als Individualtrainer bei Hertha BSC. Sie, Herr Frenzel, waren Trainer und haben irgendwann neu angefangen. Waren Sie vom Eishockeygeschäft genervt?

Frenzel: Die Situationen, in die du als Trainer rückst, sind manchmal schwierig. Du hast jedes Wochenende zwei Spiele und stehst jedes Mal vor der Frage, wenn du nicht eins von beiden gewinnst, dass die schon wieder über dich nachdenken. Dieser Belastung wollte ich aus dem Weg gehen. Ich habe dann zu meiner Frau gesagt, komm, lass uns noch mal was anderes machen. Und jetzt verkaufen wir seit 17 Jahren Schuhe.

Mittlerweile ist eine gewisse Ostalgie wieder erlaubt. Was fehlt heute aus der Zeit?

Frenzel: Andi wird mir da zustimmen: Zu der Zeit, als wir in der DDR Sportler waren, hat es uns an nichts gefehlt. Die Urlaubsreise hätte mal woanders hingehen können, aber ansonsten hatten wir ein gutes Auskommen. Was fehlt? (überlegt) Dieses Sportforum, wo wir tätig waren, diese vielen Sportarten, die dort zu sehen waren, das war interessant. In dieser Kompaktheit findest du das heute nicht mehr. Diese Topathleten, denen man zugucken konnte.

Thom: Von denen konnte man noch was lernen. Auch wenn die meisten Einzelsportler waren und wir Mannschaftssportler. Wenn eine Katarina Witt da mal vorbeigefahren ist und ihre Pirouetten gedreht hat, dann ist man schon mal rübergegangen und hat geguckt. War ja auch ein Hingucker.

Welche Rolle spielt Berlin in Ihrer Geschichte?

Frenzel: Berlin ist, obwohl ich seit 89/90 weg bin, immer noch mein Mittelpunkt. Job ist die eine Geschichte, aber Berlin ist meine Heimat, wo ich gerne hinkomme, wo ich viele Freunde habe, Familie. Schade ist, dass ich aufgrund des schnellen Wechsels damals immer noch nicht die vereinte Stadt erkunden konnte. Ich werde das als Rentner mit meiner Frau nachholen.

Thom: Dieter, da kann ich dir sagen, ich lebe jetzt schon ein paar Jahre wieder hier und kenne auch noch nicht alle Ecken. Ich bin in Rüdersdorf geboren, in Herzfelde groß geworden, bin mit neun Jahren nach Berlin. Dann Leverkusen, Glasgow, wieder Berlin. Auch für mich schließt sich der Kreis.

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30 Jahre Mauerfall: „Das ist unser Traum von Deutschland“
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In diesem Jahr jähren sich die friedliche Revolution in der DDR und der Mauerfall zum 30. Mal. Am 9. November 1989 wurde Berlin wieder eins.  © RND

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Vor 30 Jahren fiel die Mauer. Das Jahr 1989 gehört zu den bewegendsten in der deutschen Geschichte. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hat mit Zeitzeugen gesprochen, prominenten und nicht prominenten. Was sie zu erzählen haben, lesen Sie in der Serie „Mein Traum von Deutschland“. Jeden Tag erscheint eine neue Geschichte. Die Serie läuft bis zum Tag des Mauerfalls am 9. November.