Das zweite Ostern im Lockdown – doch die Hoffnung bleibt

  • Ein zweites Ostern im Lockdown ist nur schwer zu ertragen.
  • Es gibt aber viele gute Gründe, die Hoffnung auf ein gutes Ende der Pandemie zu behalten, kommentiert Eva Quadbeck.
  • Die Chancen sind groß, dass die Genesung der Gesellschaft gelingen wird.
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Berlin. Man nennt es Déjà-vu, wenn sich die Erinnerung täuscht und einem vorgaukelt, etwas schon einmal erlebt zu haben. Ostern 2021 ist ein solches Déjà-vu-Ereignis. Saß die Nation nicht auch vor einem Jahr im Lockdown und feierte in kleinem Kreis das Fest der Hoffnung? Hoffnung auf einen erfolgreichen Kampf gegen die Pandemie, Hoffnung auf eine Rückkehr ins öffentliche Leben, Hoffnung auf den Sieg der Menschen über das Virus. Ganz einfach: Hoffnung auf Leben. Die Osterbotschaft.

Hätten wir damals gewusst, dass wir auch 2021 Ostern im Lockdown sitzen werden, wäre die Hoffnung im Keim erstickt. Sie ist aber immer noch lebendig, weil Ostern 2021 eben doch keine Wiederholung des vergangenen Jahres ist. Trotz aller Rückschläge konnte viel erreicht werden: Es gibt zahlreiche Impfstoffe, und die besonders gefährdeten hochaltrigen Menschen sind bereits geimpft. Beim Rest der Bevölkerung kommt es in Gang.

Die aktuelle Lage ist verfahren

Es gab einen Sommer der psychischen und ökonomischen Erholung, was darauf schließen lässt, dass nach der Pandemie die große Genesung gelingen wird. Bei allen Schäden, die das Coronavirus in der Bildung, in der Wirtschaft und in den Seelen der Menschen hinterlassen wird, sind doch auch die Selbstheilungskräfte der Gesellschaft stark.

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Die aktuelle Lage indes ist verfahren. Da wirkt das Hin und Her um den Impfstoff von Astrazeneca wie ein Symbol der ewigen Berg- und Talfahrt im Krisenmanagement von Bund und Ländern. Für Risiken und Nebenwirkungen des Impfstoffs trägt die Regierung keine Verantwortung. Sie kann auf neue Erkenntnisse nur reagieren.

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Dennoch ist das Durcheinander um die Zulassung von Astrazeneca symptomatisch. So wie der Impfstoff erst nur für unter 65-Jährige und nun nur noch für über 60-Jährige genutzt werden soll, schwankt das Land zwischen Lockdown und Lockerungen. Und so wie die schwankenden Einschätzungen zu Astrazencea das Vertrauen in den Impfstoff schwinden lassen, so geht auch die Akzeptanz von Corona-Maßnahmen verloren, wenn es heute Hü und morgen Hott heißt.

Die Regierungen in Bund und Ländern sind inzwischen völlig ratlos, wie die Pleite um die Osterruhe und gegenseitige öffentliche Briefe von Ministerpräsidenten an andere Ministerpräsidenten belegen. Zeit also, dass sich die Bevölkerung zur Schwarmintelligenz aufschwingt. Einer Mehrheit der Menschen im Land ist es bewusst, dass uns nur das Verringern von Kontakten über die Durststrecke bis zur Herdenimmunität durch Impfung bringen kann.

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Stiko rät unter 60-jährigen von Astrazeneca für Zweitimpfung ab
0:56 min
Die Ständige Impfkommission rät Menschen unter 60 Jahren, für eine Zweitimpfung gegen Covid-19 auf einen mRNA-Impfstoff umzusteigen.  © dpa

Kontrollen mit Augenmaß

Auch wenn die eine oder andere Staatskanzlei in den Ländern die Notbremse nicht findet, wäre schon einmal viel gewonnen, wenn die Bürgerinnen und Bürger die jeweils geltenden Regeln einhalten und die Ordnungsbehörden vor Ort diese auch kontrollieren würden.

Dabei sollte unbedingt mit Augenmaß vorgegangen werden. Große Ansammlungen, Partys und Gelage müssen aus Infektionsschutzgründen aufgelöst werden. Drei Jugendliche auf dem Skateboard sollten kein Grund für ein Bußgeld sein.

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Auch das Denunzieren von Nachbarn, die Besuch haben, ist kein guter Weg. Aber selbst auf die Bremse treten, wenn Freunde und Familie nach einem nächsten Treffen fragen, hilft schon. Gleiches gilt, wenn man auf das konsequente Tragen von FFP-2-Masken bei sich und anderen achtet – und regelmäßig einen Schnelltest wahrnimmt.

Zurück zur Hoffnung: Wir sollten sie uns nicht nehmen lassen, auch wenn das Bild vom Licht am Ende des Tunnels überstrapaziert wurde und verantwortliche Politiker immer wieder mehr Hoffnung weckten, als sie erfüllen konnten. Das Gute an der Hoffnung ist: Sie macht geduldig, und die Aussicht auf Besserung lässt einen die aktuelle Misere besser aushalten.

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