Das Virus ist der gemeinsame Feind

  • Im Jahr 1987 fragte der damalige US-Präsident Reagan in einer Rede vor den Vereinten Nationen: Was wäre, wenn Aliens die Welt bedrohten?
  • Der Grundgedanke ist aktuell: Alle Staaten der Erde müssen jetzt gemeinsam handeln, das Virus Sars-CoV-2 ist eine Gefahr für alle.
  • Die G-7-Videorunde war nur ein erster Schritt: Die Viruskrise wird nicht enden, wenn sie nicht für alle endet.
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Die Frage klingt ein bisschen abgedreht. Der amerikanische Präsident brachte sie trotzdem einfach mal zur Sprache, sogar vor den Vereinten Nationen: Was wäre, wenn Aliens die Erde bedrohen?

Es war Ronald Reagan, der bei einer Rede vor der UN-Vollversammlung im September 1987 in New York diesen ungewohnten Ton anschlug. Eine Gefahr von außen, sagte er, würde alle Nationen schnell zusammenrücken lassen.

Viele reagierten damals mit Augenrollen – wie bei Reagans im gleichen Jahr an Russland gerichteten Bitte, die Berliner Mauer niederzureißen. In beiden Fällen aber fiel einige Zeit später auf die weit hergeholt wirkenden Worte ein neues Licht.

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Reagans Grundgedanke ist heute tatsächlich in beklemmender Weise aktuell, auch wenn Sars-CoV-2 nicht aus dem Weltraum kam. Die Weltgemeinschaft muss jetzt gemeinsam handeln, um mit einer Bedrohung fertig zu werden, die alle Staaten und Völker gleichermaßen betrifft.

Das globale Problem verlangt eine globale Lösung

Die ersten Reflexe in der Viruskrise fielen nationalistisch aus. Längst entdecken aber sogar Globalisierungsskeptiker, wie sehr mittlerweile Wohlstand, Fortschritt und soziale Sicherheit von einem funktionierenden globalen Zusammensein abhängen. Ein Zurück zu dieser Normalität setzt auf Dauer ein globales Impfprogramm voraus – und damit eine Kraftanstrengung von nie da gewesenem Format.

Kriegt die Menschheit in diesem Sinne die Kurve? Immerhin hat sich US-Präsident Donald Trump daran erinnert, dass er derzeit turnusgemäß den G-7-Vorsitz innehat. Eine erste Videorunde hat am Donnerstag stattgefunden, die ärmsten Staaten wurden entlastet, es sind erste, zaghafte Schritte in eine richtige Richtung.

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Kriegt die Menschheit die Kurve? Emmanuel Macron (l.), Präsident von Frankreich, am Donnerstag bei der Videokonferenz mit den Staats- und Regierungschefs der G7-Gruppe führender Industriestaaten. © Quelle: Gonzalo Fuentes/Reuters Pool/AP/

Doch Trump, der die amerikanischen Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterbrochen hat, ist ideologisch noch immer auf dem falschen Dampfer. Auch die USA müssen jetzt an mehr, nicht an weniger Zusammenarbeit interessiert sein. Trumps Hinweise auf anfängliche Fehler der WHO in der Viruskrise sind zwar nicht unberechtigt. Die WHO hätte kritischer auf die ersten Versuche Chinas reagieren müssen, den Virusausbruch zu bemänteln.

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Doch angesichts seiner grotesken eigenen Fehleinschätzungen sollte sich der US-Präsident lieber zurückhalten. Experten seiner eigenen Regierung räumen ein, dass die USA unabhängig von der WHO eigene Erkenntnisse hatten – und viel eher und viel umfassender hätten regieren müssen. Doch nachdem die Warnungen das Weiße Haus erreicht hatten, blieben sie dort liegen. Trump glaubte allzu lange an die für Viren uneinnehmbare Festung Amerika.

Allen politischen Führern weltweit, die am liebsten das Virus per Polizeikelle stoppen würden, muss man zurufen: Die Mauer muss weg, vor allem die Mauer in den Köpfen. Wir stehen vor einem globalen Problem, das auch eine globale Lösung verlangt.

Impfungen sind teuer, Wirtschaftskrisen noch teurer

Die Viruskrise wird nicht enden, wenn sie nicht für alle endet. Der Worst Case wäre ein albtraumhaftes Abgleiten der ganzen Welt in einen Strudel von Chaos, Krisen und Gewalt. Im besten Fall aber arbeiten Staaten, Wissenschaft und Wirtschaft intelligenter zusammen denn je – und erlösen am Ende die gesamte Menschheit von der Geißel namens Covid-19. Das würde zwar viele Milliarden kosten. Doch die Summe wäre nur ein Bruchteil des Schadens, den immer neue Infektionswellen und Lockdown-Situationen anrichten würden.

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Noch immer kultivieren USA, EU und China ihre globale Konkurrenzsituation. Pharmakonzerne diskutierten in abhörsicheren Räumen über mögliche Reingewinne. Firmen, die an Impfstoffen forschen, finden sich plötzlich unter einer besonderen staatlichen Kontrolle wieder. Dabei wäre gerade jetzt ein möglichst fließender Austausch von Informationen über alle Grenzen hinweg wichtiger als je zuvor. Was, so müsste man im Sinne von Reagans Visionen von 1987 fragen, würde geschehen, wenn die besten und klügsten Köpfe jetzt rund um die Uhr in ganz neuer Weise zusammenrückten?

Ein Rahmen dafür existiert bereits. So unterstrich Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in der G-7-Konferenz erneut Deutschlands Unterstützung für die internationale Impfstoff-Allianz CEPI, in der Staaten und Wirtschaft zusammenwirken. Wenn es später an die Verteilung eines Impfstoffs geht, wird auch die WHO gefordert sein. Man darf sie nicht ausgerechnet jetzt schwächen. Beim Kampf gegen Ebola hat die WHO vor allem in Afrika gezeigt, was sie in der Virenabwehr alles bewirken kann – damals übrigens mit tatkräftiger Unterstützung durch die US-Präsidenten George W. Bush und Barack Obama.

Das neue Coronavirus ist jetzt der gemeinsame Feind der gesamten Menschheit. Egal, ob einer Amerikaner ist, Europäer, Asiate oder Afrikaner, egal übrigens auch, ob er sich mehr um die Wirtschaft sorgt oder ums Soziale: Das Virus bedroht alles und alle. Es ist Zeit für eine effektive globale Gegenwehr.

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