Das Virus, das die Kindheit raubt

  • Das Coronavirus verschont keine Altersgruppe.
  • Aber heute werfen wir einen besonderen Blick auf die Leiden der Kinder.
  • Um sie könnte es auch im Gespräch der Kanzlerin mit den Minister­präsidenten gehen.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

während Sie dies lesen, beginnt für viele Kinder eine neue Woche der Angst. Während viele Erwachsene ins Mobile Office wechseln können, gilt an den meisten Schulen weiterhin Präsenzpflicht. Und dort herrscht mitunter ein recht ruppiger Ton. Beispiel gefällig?

Ein Grundschüler hat seine Maske vergessen und trifft auf dem Gang die Schulleiterin. Ihr Kommentar: „Zieh sofort deine Maske auf, sonst hole ich die Polizei!“ Das Zitat stammt aus Imre Grimms Story über die „verseuchte Kindheit“. Das Beispiel ist zwar wenig subtil, es beschreibt dennoch eindringlich, wie das Coronavirus die Kindheit einer ganzen Generation prägt.

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Kinder haben feine Antennen. Und das Bewusstsein, dass da eine Gefahr lauert, die potenziell tödlich sein könnte, hat Folgen. Sie sorgt für ein Aufwachsen mit großen Erlebnislücken, die einem schon mal das Herz brechen können.

Denn auch außerhalb der Schule ist das Leben der Kleinen zuweilen das Gegenteil von Spaß: keine Geburtstags­party, kein gemeinsames Toben, kein Blödsinn mit Freunden. Und Oma darf durch die eigene Anwesenheit nicht gefährdet werden.

Eine Hauptaufgabe für die Politik bleibt die Bildung. Und unser Autor fragt: „Ließe sich die nicht schlauer organisieren als mit massenhaftem Präsenzunterricht?“

Merkel und die Landesfürsten

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Wenn heute Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Minister­präsidenten über ein erstes Lockdown-light-Fazit spricht, wird es auch um die Schulen gehen. Gut möglich, dass sich etwas ändert, um Schüler (und Lehrer!) besser, sicherer durch die Pandemie kommen zu lassen.

Was heute sicher nicht verkündet wird: eine Lockerung der Corona-Regeln. Am Wochenende haben das so gut wie alle wichtigen Akteure klargestellt. Folgend ein Best-of:

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Der vor uns liegende Winter wird uns allen noch viel abverlangen.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Bis Ende November gibt es auf keinen Fall eine Lockerung – das macht überhaupt keinen Sinn.

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern

Zur Zwischenbilanz gehört auch, dass die Infektionszahlen nach wie vor viel zu hoch sind.

Peter Altmaier, Bundes­wirtschafts­minister

Im Gegenteil: Die Bundeskanzlerin wird mit den Minister­präsidenten heute über Vorschläge zu noch härteren Corona-Regeln reden. Private Feiern sollen vorerst komplett ausfallen, wer Schnupfen hat, soll in Quarantäne. Für die Schulen fordert die Bundesregierung einheitliche Regeln, Jugendliche sollen dort fortan Masken tragen – auch im Unterricht. Was die Länder wohl dazu sagen?

Zu einem Best-of der aktuellen Regierungs­kommunikation gehört auch ein Video, das gerade die Runde macht. Ein älterer Herr aus der Zukunft erinnert sich darin an seine jüngeren Jahre zu Zeiten der Pandemie. Dabei feiert er sich als Helden, der mitgeholfen hat, das Virus zu besiegen. Und wie hat er das geschafft? Mit absolutem Nichtstun.

Kommentatoren in sozialen Netzwerken sind gespalten und fragen: Ist das genial oder einfach nur stumpf?

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Viele feiern das Video als Stimme der Vernunft, dass die Deutschen dazu auffordert, zu Hause zu bleiben. Und andere – dazu gehören vermutlich Lehrer, Supermarkt­angestellte und Pfleger – fühlen sich davon auf den Arm genommen. Gelinde gesagt.

Unser Hauptstadt­korrespondent Jan Sternberg kann dem Spot der Bundesregierung in Ansätzen zustimmen. Denn der Mensch braucht Humor. Gerade in Krisenzeiten. Doch Lachen allein hilft nicht gegen das Virus. So viel sollte auch klar sein. Darum muss sich die Bundesregierung auch folgende Frage gefallen lassen:

Was ist witzig daran, dass über den Sommer alles versäumt wurde, das diesen Winter erträglicher gemacht hätte, von der Digitalisierung der Gesundheits­ämter bis zur Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer?

Fakt ist: Der Corona-Winter 2020 wird vieles, aber ganz sicher nicht witzig.

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Leseempfehlungen

Schlecht gelogen: Erst wurde im Weißen Haus Corona geleugnet, jetzt das Wahlergebnis. Wie lange noch wollen die US-Republikaner dieser Rebellion gegen die Realität tatenlos zusehen? Amerika braucht Science statt Fiction, und zwar schnell, kommentiert RND-Chefautor Matthias Koch in seinem Leitartikel.

Sicher einkaufen: Supermarkt­mitarbeiter gehörten zu den frühen Helden der Pandemie. Aber wie gefährlich ist das Virus für sie im Alltag? Mehrere Studien geben nun Aufschluss darüber. Im Interview erzählt eine Gewerkschafterin, wie der tägliche Kleinkrieg gegen Maskenverweigerer nervt.

Schöner basteln: Ja, ist denn schon Weihnachten? Nein, aber wenn es draußen morgens später hell und abends früher dunkel wird, sorgen Lichterketten drinnen für Gemütlichkeit. Vier Tipps zum Basteln mit Lichterketten.

Die Termine des Tages

10 Uhr: Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungs­präsidenten Walter Lübcke will das Oberlandes­gericht Frankfurt am Main an diesem Montag die Frau des Getöteten befragen. Sie tritt in dem Verfahren gemeinsam mit ihren beiden Söhnen als Nebenklägerin auf.

10 Uhr: Gut fünf Jahre nach der vereitelten Terror-Attacke in einem Thalys-Zug nach Paris sollen ab heute vier Beschuldigte auf der Anklagebank sitzen. Einer von ihnen hatte im August 2015 im Zug das Feuer eröffnet – der mutmaßliche Islamist konnte jedoch von Fahrgästen überwältigt werden.

Wer heute wichtig wird

Der ungarische Premierminister Viktor Orbán. © Quelle: imago images/Le Pictorium

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hat für heute (14.30 Uhr) eine Abstimmung über wichtige Beschlüsse für den langfristigen EU-Haushalt und die milliarden­schweren Corona-Hilfen angesetzt. Trotz Vetodrohungen von Ungarn und Polen. „Es geht einfach nicht, dass einzelne Staaten aus egoistischen Gründen ganz Europa in Geiselhaft halten“, sagt Manfred Weber im RND-Interview. Der Chef der größten Fraktion im Europapa­rlament fordert Ungarn und Polen auf, die Blockade des sogenannten Rechtsstaats­mechanismus aufzugeben.

Jede Stunde neu: die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die Woche,

Christian Palm und Alexander Krenn

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