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Das Triell von Nürnberg-Nord: Zieht bald die erste Transfrau in den Bundestag ein?

  • Die CSU entscheidet seit 2002 den Wahlkreis Nürnberg-Nord für sich.
  • Doch nun kann es für die Unionspartei eng werden.
  • In einem Triell stehen sich die Grüne Tessa Ganserer, CSU-Politiker Sebastian Brehm und SPD-Kandidatin Gabriela Heinrich gegenüber.
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Berlin. Fachwerkhäuschen, Christkindlesmarkt und Markus Söder – das ist Nürnberg in aller Kürze. Mitten in der fränkischen Kulturstadt spielt sich aktuell ein politischer Kampf ab, der an das Triell der Kanzlerkandidierenden erinnert. Hier im nördlichen Wahlkreis ringen CSU, Grüne und SPD um das Direktmandat – und es ist so offen wie seit Jahren nicht mehr.

Eigentlich ist Nürnberg-Nord seit 2002 in CSU-Hand. Doch SPD-Kandidatin Gabriela Heinrich und Grünen-Kandidatin Tessa Ganserer haben reelle Chancen, das Direktmandat zu holen, während CSU-Amtsinhaber Sebastian Brehm in den volatilen Prognosen von „election.de“, die nach Wahrscheinlichkeiten berechnet werden, abgeschlagen ist.

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Brehm, ein gebürtiger Nürnberger und gelernter Steuerberater, ist seit 2017 Mitglied im Deutschen Bundestag. In der vergangenen Bundestagswahl holte der 49-jährige Politiker 31,3 Prozent der Wählerstimmen. Schon damals war das im Bayern-Vergleich kein gutes Ergebnis.

Nun steht sein Direktmandat auf der Kippe, da er offenbar von den schwächelnden Umfragewerten der Union heruntergezogen wird. Bange sei ihm allerdings nicht, wie er der Lokalzeitung „Nordbayern“ bereits im Juni sagt, er nehme die Entwicklung aber sehr ernst. „Jeder kann bis zu 5 Prozentpunkte aufholen“, ergänzt er.

Doch was ist das eigentlich für ein Wahlkreis, der seit 2002 an die CSU, vorher auch mal an die SPD, und jetzt wieder sozialdemokratisch oder auch grün werden könnte? Klassisch konservativ ist der Wahlkreis jedenfalls nicht. Zwar gibt es mit Knoblauchsland und Erlenstegen Regionen und Stadtteile, die eher konservativ sind, einige Teile Nürnbergs tendieren aber Richtung SPD und Grünen.

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Brehm kommt mit seinem blauen „Brehmmobil“, einem umlackierten Feuerwehr-Oldtimer, besonders an den Rändern der Stadt gut an. Auf Facebook zeigt er sich beispielsweise beim Bieranstich: „Das ist gelebte Tradition im Nürnberger Knoblauchsland!“

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Grünen-Kandidatin hat Bekanntheitsbonus

Die Grünen-Kandidatin Tessa Ganserer profitiert bei dieser Bundestagswahl von ihrer Bekanntheit. Die 44-Jährige sitzt seit 2013 im Bayerischen Landtag. Vor knapp drei Jahren outete sie sich als transgeschlechtlich.

„Ich habe in den letzten Wochen enorme Präsenz in den Medien gehabt, das hilft mir auch beim Kampf ums Direktmandat“, sagt die Politikerin im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die hat meinen Bekanntheitsgrad enorm gesteigert. Ich bekomme unglaublich viele positive Zuschriften, vor allem seitdem das Deadnaming-Problem bekannt wurde.“

Ganserer steht vor einer Herausforderung, die ihre politischen Kontrahenten nicht haben. Auf dem Wahlzettel ist noch ihr alter Vorname aufgelistet, den sie vor ihrem Outing getragen hat. In der transgeschlechtlichen Community wird dieser Name als „Deadname“ („toter Name“) bezeichnet.

Die bayerische Landtags­abgeordnete Tessa Ganserer outete sich vor drei Jahren als transgeschlechtlich. © Quelle: Tobias Hase/dpa

„Damit kein Wähler irritiert ist, kommunizieren wir klar auf den Plakaten: ‚Wer Tessa will, muss Ganserer wählen‘“, erzählt sie. Sollte Ganserer diese Herausforderung meistern und die Wahl tatsächlich für sich entscheiden, würde sie eines der ersten Direktmandate für die Grünen in Bayern holen – und eine der ersten trans Personen im Bundestag werden.

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Doch da gibt es noch die SPD-Politikerin Gabriela Heinrich, die nun vom Scholz-Effekt profitiert. Die Fraktionsvizevorsitzende stammt eigentlich aus Berlin, zog aber bereits 1990 nach Nürnberg. In den vergangenen zwei Bundestagswahlen schlitterte sie mit 5,7 beziehungsweise 7,7 Prozent am Direktmandat vorbei.

Nun könnte ihre Zeit gekommen sein. „Auf jeden Fall profitiere ich von den bundesweiten Umfragewerten der SPD. Die Erststimme profitiert meistens von der Zweitstimme“, sagt Heinrich dem RND. „Wir müssen alle bis zum Ende arbeiten, um den Wahlkreis zu gewinnen.“

Kandidatinnen und Kandidaten bräuchten Rückenwind von der eigenen Partei, allein könnten sie das Direktmandat nicht gewinnen. „Dieses Jahr ist es so spannend, weil es ein Dreikampf ist“, sagt die Politikerin.

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