Das sind die wichtigsten Akteure im Syrien-Konflikt

  • Die türkische Offensive in Syrien verändert den dortigen Bürgerkrieg.
  • Wer sind heute die wichtigsten Akteure?
  • Und welche Interessen verfolgen sie? Ein Überblick.
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Berlin. Angesichts der türkischen Offensive hat die türkische Regierung Truppen in den Norden Syriens geschickt. Die Kurden sind eine entsprechende Allianz mit der Assad-Regierung eingegangen. Wer aber spielt nun genau welche Rolle in Syrien?

Die Kurden

Die Kurden leben über mehrere Länder verteilt. Unter anderem im Osten der Türkei, dem Irak, Iran und Syrien. Sie gelten als größtes Volk der Welt ohne eigenen Staat. Wie viele Kurden es überhaupt gibt, ist aber unklar. Die Schätzungen schwanken zwischen 20 und 40 Millionen. Im Nordirak und in Nordsyrien kontrollieren die Kurden weitgehend autonome Gebiete. Diese Autonomie zu erhalten und irgendwann einen international anerkannten Kurdenstaat zu errichten, ist das höchste Ziel kurdischer Nationalisten. Im syrischen Bürgerkrieg haben die dortigen kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“ YPG bisher vor allem gegen den „Islamischen Staat“ gekämpft. Nach dem weitgehenden Rückzug der US-Truppen aus Nordsyrien und der Offensive der Türkei suchen die Kurden nun den Schulterschluss mit Russland und der Regierung in Damaskus.

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Kurden rufen Assads Soldaten zur Hilfe
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Nach dem Einmarsch Ankaras in den Norden Syriens haben die dortigen Kurden eine Vereinbarung mit der Regierung in Damaskus geschlossen.  © AFP

Die Türkei

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnet das autonome Kurdengebiet in Nordsyrien als „Terrorstaat“. Erklärtes Ziel der türkischen Militäroffensive: einen 20 Kilometer tiefen „Sicherheitsstreifen“ entlang der türkisch-syrischen Grenze zu errichten. Sollte dies gelingen, würde die Türkei dort ein Gebiet von der Größe Schleswig-Holsteins kontrollieren. Die Türkei ist schon seit Jahren aktiver Akteur im syrischen Bürgerkrieg und unterstützt bis heute vor allem islamistische Gruppen, die gegen die Regierung in Damaskus kämpfen. Islamistische Kämpfer dienen der Türkei beim Einmarsch in Nordsyrien nun auch als Hilfstruppen. Erdogan will syrische Flüchtlinge in der Türkei in den neu eroberten Gebieten ansiedeln.

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Türkei startet neue Offensive gegen syrische Kurdenmiliz
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Inmitten scharfer Kritik hat die Türkei eine neue Offensive gegen kurdische Kräfte in Nordsyrien begonnen.  © AFP
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Das Assad-Regime

Die syrische Zentralregierung in Damaskus unter Baschar al-Assad hält sich seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast neun Jahren an der Macht. Mithilfe Russlands ist es Assad inzwischen gelungen, wieder zwei Drittel des Landes zu kontrollieren. Assad hat Teile seines Militärs nun nach Nordsyrien geschickt, um die Kurden zu unterstützen. Man werde „keinen Quadratmeter syrischer Erde“ Aggressoren überlassen, hieß es dazu aus Damaskus. Der Anspruch Assads ist es also weiterhin, das gesamte syrische Staatsgebiet zu kontrollieren.

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Der „Islamische Staat“

Offiziell ist der „Islamische Staat“ (IS) zwar besiegt. Die Terrororganisation mit einem geschätzten Vermögen von 300 Millionen Euro kontrolliert inzwischen keine Gebiete mehr in Syrien – aber im Untergrund lauern noch Tausende Kämpfer des IS. Etwa 11.000 IS-Kämpfer sitzen bisher vor allem in kurdischen Gefängnissen.

Die USA

Eines der wichtigsten Ziele der USA im syrischen Bürgerkrieg war die Bekämpfung des „Islamischen Staats“. Nicht zuletzt mit der Hilfe der Kurden war es gelungen, das vom IS kontrollierte Gebiet komplett zu besetzen. US-Präsident Donald Trump hat nun den weitgehenden Rückzug der US-Truppen aus Nordsyrien angeordnet. Er erfüllt damit eines seiner Wahlversprechen, US-Truppen aus „sinnlosen Kriegen“ zurückzuziehen. Allerdings hat der Schritt selbst unter vielen Republikanern heftige Kritik ausgelöst. Sie fürchten unter anderem, die USA werden es durch den „Verrat“ an den Kurden in Zukunft erheblich schwerer haben, in Konflikten Verbündete zu finden.

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Trump bringt Republikaner gegen sich auf
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Überraschend hat Donald Trump den Abzug amerikanischer Soldaten aus dem syrischen Grenzgebiet verkündet. Die Reaktionen darauf waren alles andere als positiv.  © dpa

Russland

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Russland steht im syrischen Bürgerkrieg wie der Iran klar auf der Seite Assads. Beobachter gehen davon aus, dass es zwischen Moskau und Ankara vor der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien Absprachen gegeben hat. Der Angriff des Nato-Landes Türkei treibt die Kurden nun in die Arme Assads. Und alles, was Assad stärkt, liegt letztlich im Interesse von Wladimir Putin. Den Rückzug der US-Truppen aus Nordsyrien hat der russische Präsident ausdrücklich begrüßt.

Die arabischen Länder

Die Arabische Liga hat die Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien scharf verurteilt. Dem Votum schloss sich sogar Katar an, das von der Türkei in dessen Auseinandersetzung mit Saudi-Arabien unterstützt wird. Die arabischen Länder fürchten vor allem ein Wiedererstarken des „Islamischen Staats“, der auch die arabischen Herrscherhäuser bedroht.

Die Europäische Union

Auch wenn EU-Mitgliedsländer an den Militäroperationen gegen den „Islamischen Staat“ beteiligt waren – eine entscheidende Rolle spielt die EU in dem Konflikt nicht. Aber die Sicherheitsinteressen Europas sind massiv betroffen: Zum einen droht durch den Konflikt ein neuer Flüchtlingsstrom. Zum anderen sind seit Beginn der türkischen Offensive bereits Hunderte IS-Anhänger aus kurdischen Lagern geflohen. Viele werden womöglich den Weg nach Europa suchen. Damit könnte die Anschlagsgefahr weiter steigen. Außerdem wird eine Verschärfung des Konflikts zwischen den in Europa lebenden Türken und Kurden befürchtet.

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Der Westen verurteilt das Vorgehen Ankaras in Nordsyrien, doch können sich die EU-Außenminister auch auf Sanktionen einigen?  © dpa
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