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Das Netz brodelt nach Boykott der Produkte eines AfD-Funktionärs

  • Die Leipziger Ökokette "BioMare" hat das Hirseprodukt eines Lausitzer AfD-Funktionärs aus dem Sortiment genommen.
  • Daraufhin entbrannte eine hitzige Debatte im Netz.
  • Wie weit geht die Meinungsfreiheit, war dabei das strittigste Thema. So waren die Reaktionen:
Fabian Boerger
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Berlin. Richtig zu brodeln begann die Debatte um den von der Ökokette "Biomare" umgesetzten Boykott der Produkte eines AfD-Funktionärs, nachdem der Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Christian Lüth, am Montagabend einen Tweet absetzte. Über seinen Kanal stellte er ein Bild der Warnung ins Netz und spottete über die Auslistung ironisch: „Ökos! Wehrt euch! Kauft nicht bei AfDlern!“ Damit kippte er Öl ins Feuer der Populisten in den sozialen Netzwerken – Vergleiche zum Dritten Reich inklusive. „Früher hieß es: Kauft nicht bei den Juden“, erklärte ein AfD-Anhänger den anderen die Anspielung des AfD-Sprechers. Auch der AfD-Politiker Götz Frömming beteiligte sich an der Debatte und bezeichnete "BioMare" als "faschistoiden Bioladen".

Lesen Sie hier: Biomärkte boykottieren Produkte eines AfD-Funktionärs

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Wenige Stunden später reagierte „BioMare“ auf seinem Facebook-Kanal. „Wir sehen die aktuelle Empörungswelle sehr gelassen, denn es ist nicht das erste Mal, dass uns aufgrund einer klaren Positionierung Anfeindungen entgegenschlagen.“ Mehr als 150-mal wurde der Beitrag geteilt und fast 2000-mal kommentiert. Das Spektrum der Reaktionen war breit gefächert: Von „Richtig so! Meinungsfreiheit ist keine Einbahnstraße!“ bis hin zu jenen, die künftig nicht mehr bei „BioMare“ einkaufen würden.

Unterschiedliche Auffassung der Meinungsfreiheit

Über Twitter wurde vor allem das Recht der Meinungsfreiheit heiß diskutiert. Der Ausgangspunkt war, dass der betroffene Geschäftsführer der Spreewälder Hirsemühle dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte, dass er sich durch die Auslistung in seiner Meinungsfreiheit in „totalitärer Manier“ unterdrückt fühle. Sein Produkt habe nichts mit seinem politischen Engagement für die AfD zu tun. Beides wolle er voneinander getrennt wissen.

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Während Plessows Befürworter den Artikel 3 des Grundgesetzes unaufhörlich hochhielten, hatte die Mehrheit ein anderes Verständnis von Meinungsfreiheit. „Die Meinungsfreiheit gilt für alle, also darf der Hersteller AfD-Mitglied sein genauso wie der Biomarkt dessen Produkte boykottieren darf“, sagt ein User. Er findet mit dieser Meinung zahlreiche Gleichgesinnte.

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Vertragsfreiheit statt Meinungsfreiheit

„In der AfD scheint man nicht zu wissen, was Meinungsfreiheit ist“, twitterte eine andere Userin. Denn die Gleichberechtigung beziehe sich vielmehr auf das Verhältnis zwischen Staat und Bürger. Das Verhältnis zwischen Geschäftspartnern sei davon nicht betroffen, denn dort herrsche die Vertragsfreiheit. Demnach können Vertragspartner frei ausgewählt werden.

Auch der "BioMare"-Inhaber Malte Reupert findet klare Worte auf seiner Facebook-Seite. Unterstützung erhält er durch die Berliner Biosupermarktkette Bio Company sowie den Bio-Lebensmittel-Konzern Alnatura. In einem Post sagt Reupert: „Es ist eine Grundlage der Demokratie, Entscheidungen nach den eigenen Werten zu treffen. So handeln im Übrigen auch diejenigen, die sich jetzt darüber beschweren."

Wie auch Plessow ist der 39-Jährige Reupert neben seiner beruflichen Tätigkeit Mitglied in einer Partei, denn er ist Vorstandssprecher der Grünen im Kreisverband Nordsachsen.