Das ist die Frau, die Kemmerich die Blumen vor die Füße warf

  • Susanne Hennig-Wellsow warf dem thüringischen Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich am Mittwoch einen Blumenstrauß vor die Füße – als Zeichen des Protests gegen die Unterstützung der AfD.
  • Bisher hielt sich die 42-jährige Linksfraktionschefin eher im Hintergrund.
  • Die Geste machte sie schlagartig bekannt.
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Erfurt. Bis zum Mittwoch kannten sie in Deutschland nur wenige – selbst innerhalb der politisch interessierten Kreise. Seitdem ist das anders. Da nämlich schritt die Vorsitzende der Linksfraktion im Thüringer Landtag, Susanne Hennig-Wellsow, mit einem frischen Blumenstrauß auf den frisch gewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich zu. Doch statt dem FDP-Politiker das Gebinde in die Hand zu drücken, warf Hennig-Wellsow es ihm vor die Füße. Aus ihrem Umfeld verlautet: „Man kann einem Tabubruch“ – der Wahl Kemmerichs mit AfD-Stimmen – „nur mit einem Tabubruch begegnen.“

Kein Zweifel: Dieses Bild wird in die politische Ikonografie der Bundesrepublik Deutschland eingehen – so wie Beate Karlsfelds Ohrfeige für den damaligen Kanzler Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandts Kniefall in Warschau oder Joschka Fischers Turnschuh-Vereidigung als Umweltminister in Hessen. Das ist durchaus eine Überraschung.

Arbeitsteilung mit Bodo Ramelow

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Nicht nur wegen der Geste und ihres Anlasses selbst, sondern auch, weil sich Hennig-Wellsow sonst eher im Hintergrund hält. Zwar gehört die in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) geborene Linke dem Thüringer Landtag seit 2004 an. Seit 2013 ist sie Partei- und seit 2014 auch Fraktionschefin. Damit nicht genug: Der Mann der 42-jährigen ehemaligen Eisschnellläuferin ist Geschäftsführer der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung in Thüringen. Ein Paar also, das im Land eine durchaus zentrale Rolle spielt. Beide haben einen fünfjährigen Sohn.

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FDP-Politiker Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt
0:34 min
Überraschung in Thüringen: FDP-Politiker Thomas Kemmerich ist mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden.  © Markus Decker/AFP

Allerdings hat sich Hennig-Wellsow überwiegend darauf beschränkt, dem linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der am Mittwoch sichtlich geschockt war, den Rücken freizuhalten. Er gab den überparteilichen Landesvater, sie wärmte die Seele der Partei. Das tat die drahtige, meist ziemlich cool wirkende und gern Fußball spielende Frau relativ geräuschlos, dass es außerhalb Thüringens kaum auffiel.

Bis Mittwoch, bis Susanne Hennig-Wellsow auf Thomas Kemmerich zuging und ihm die Blumen vor die Füße warf. Es war ein Moment für die Geschichtsbücher.