Das Ende von „Darth Vader“

Der Vergleich gefiel ihm: Als „Darth Vader“, dem Bösen aus den Star-Wars-Filmen, bezeichnete sich Stephen Bannon gern. Das Angsteinflößende, das Undurchsichtige war eine Rolle, in der sich der Politikmanager zu gern sah. Nun aber kommt sein Karriereende weit schneller als erwartet.

Anzeige
Anzeige

Washington. In den dünnen Zeilen, die das Medienunternehmen am Dienstagabend herausgab, findet sich kein Wort über die Hintergründe des Bruchs. Bannon selbst betont, man sei stolz auf das Erreichte. Fest steht: Nach dem Erscheinen des Buches „Fire and Fury“ (Feuer und Zorn) war das Tischtuch zwischen dem nationalistischen Vordenker und dem Staatsoberhaupt vollends zerrissen.

Bannon hatte am Wochenende noch einige Rettungsversuche unternommen und seine Loyalität gegenüber dem Präsidenten und explizit zu dessen Sohn Donald Junior betont. Doch seine Einschätzungen, dass es im Weißen Haus nach der Amtsübernahme zunächst chaotisch zuging und sich Trumps Familie „verräterisch“ verhalte habe, sind längst in aller Welt. Tatsächlich bestreitet Bannon nicht, die Hauptquelle von Autor Michael Wolff zu sein, der mit seinem Buch ein politisches Erdbeben in Washington auslöste. Diverse Passagen in „Fire and Fury“ lassen sich offenbar nicht sauber belegen oder sind stark überzeichnet. Zumindest aber die Zitate des einstigen Vordenkers sollen - im großen und ganzen - korrekt wiedergegeben worden sein. Für Trump kommt das Buch einem enormen Imageschaden gleich, und für Bannon ist es gleichbedeutend mit seinem politischen Aus.

Trump könnte wieder auf moderate Republikaner zugehen

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Er, der im Sommer 2016 wesentlich dazu beigetragen hatte, den Wahlkampf von Trump nach einer Schwächephase wieder auf die Erfolgsspur zu setzen, hatte sich zum schärfsten Kritiker des eigenen Teams entwickelt. Der Mann, der sich im Gegensatz zum Präsidenten seit Jahrzehnten mit politischen Theorien auseinandersetzt, kommt damit zu einem erstaunlich schnellen Ende. Seine Entlassung aus dem Weißen Haus und sein Abgang von der Plattform „Breitbart“ dürften den gesamten Rechtsaußenflügel schwächen und die gemäßigten Republikaner wieder stärken.

Die Folgen sind weitreichend, zumal Bannon in den vergangenen Wochen und Monaten für radikale Kandidaten kräftig die Werbetrommel rührte, die im November zu den Zwischenwahlen antreten wollten. Für Trump wiederum bietet sich die Gelegenheit, sich den traditionellen Republikanern anzunähern. Dank der boomenden Volkswirtschaft, den historisch niedrigen Arbeitslosenzahlen und den Höhenflügen an den Aktienmärkten hellt sich ohnehin die Stimmung unter Amerikas Konservativen auf. Viele republikanische Abgeordnete und Senatoren bleiben zwar weiterhin auf Distanz zu dem schwer berechenbaren Chef des Weißen Hauses. Doch die guten Rahmendaten wirken allem Anschein nach besänftigend auf die parteiinternen Auseinandersetzungen. Ganz gleich, ob der Aufschwung Trump zu verdanken ist oder nicht. Das lässt sich insbesondere bei Mitch McConnell beobachten. Der Fraktionschef im Senat stellte sich vergangene Woche demonstrativ hinter Trump, als die ersten Passagen des Buches „Fire and Fury“ hohe Wellen schlugen.

Zunächst hält sich Bannon aus der Tagespolitik heraus

Eine neue Tonlage herrscht auch bei der Neuregelung der Einwanderungsgesetze: Trump bemüht sich in diesen Tagen um eine überparteiliche Lösung - wohl auch, weil die Scharfmacher in den eigenen Reihen durch Bannons Rückzug spürbar geschwächt sind.

Anzeige

Wie lange der innerparteiliche Frieden hält, lässt sich allerdings nur schwer abschätzen. So ist zurzeit noch offen, ob sich Bannon vollends aus der US-Politik zurückzieht - oder ob sich der radikale Querdenker nur eine Verschnaufpause gönnt und sich anschließend eine neue Plattform sucht.

Vor weiteren Drehungen und Wendungen hat der 64-Jährige sicherlich keine Scheu. Als früherem Berufssoldaten, früherem Finanzmanager und Filmproduzenten sind dem Multimillionär sicherlich auch ganz neue Rolle zuzutrauen.

Von Stefan Koch/RND

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen