Das Chef-Duell der SPD: Die fünf wichtigsten Aha-Erkenntnisse

  • Die Stichwahl um den SPD-Vorsitz hat begonnen.
  • Der parteiinterne Wahlkampf hat einige Aha-Momente mit sich gebracht.
  • Der wohl wichtigste: Die Chancen auf einen Fortbestand der GroKo haben sich inzwischen leicht verbessert.
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Berlin. Olaf Scholz und Klara Geywitz oder Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken? Wer soll die SPD künftig führen? Darüber entscheiden bis zum 29. November die SPD-Mitglieder, der Parteitag Anfang Dezember wird das siegreiche Duo dann wählen. Der Wahlkampf hat einige Aha-Momente über die SPD mit sich gebracht. Ein Überblick.

1. Die Chancen für einen GroKo-Fortbestand haben sich leicht verbessert

Bei Scholz/Geywitz ist die Sache sowieso eindeutig. Sie wollen die SPD in der Regierung halten. Esken hatte noch zu Beginn des Bewerbungsprozesses klar gemacht, dass sie die GroKo auf jeden Fall verlassen will. Inzwischen ist sie eher auf die Linie ihres Partners Walter-Borjans eingeschwenkt: Nun fordert sie zunächst einmal Nachverhandlungen von der Union, beispielsweise beim Klima oder der Neuverschuldung. Aber auch die äußeren Umstände haben sich geändert. Schließlich würde ein sofortiger Koalitionsbruch auch SPD-Erfolge wie die Grundrente gefährden, die erst nächstes Jahr vom Bundestag verabschiedet wird. Allerdings: CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat Nachverhandlungen bereits abgelehnt.

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2. Scholz/Geywitz können auch emotional

Lange wurde der Vize-Kanzler wegen seiner floskelhaften Sprache und seines nüchternen Auftretens als "Scholzomat" verspottet. Im Wahlkampf-Endspurt hat er bewiesen, dass er auch emotional werden kann. Dann zitiert er alte SPD-Lieder ("Mit uns zieht die neue Zeit") oder wettert leidenschaftlich gegen "Ideologen, die die gesetzliche Rente schlecht reden". Ohne Leidenschaft bräuchte er als Kanzlerkandidat wohl gar nicht erst antreten. Auch Geywitz hat inzwischen gezeigt, dass sie notfalls energisch werden kann: "Du machst es dir zu einfach. Das lasse ich Dir nicht durchgehen", fauchte sie beim "Berliner Salon" des RedaktionsNetzwerks Deutschland Walter-Borjans an, als dieser einen personellen Neuanfang forderte und damit Scholz frontal angriff.

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Backstage: Ein Blick hinter die Kulissen des Berliner Salons
2:34 min
Einige Eindrücke und Momentaufnahmen des RND Berliner Salons rund um das Thema „SPD-Parteivorsitz“, der am Montagabend live übertragen wurde.  © Christian Burmeister/RND

3. Es gibt mindestens zwei Zukunftsvisionen für die SPD

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"Ich will zurück zur Partei von Willy Brandt. Wenn das ein Linksruck ist, dann bin ich ein Linksruck", sagt Walter-Borjans. Die Partei müsse Anwalt derjenigen sein, die keine Lobby haben, sowie dem Satz "du kannst was aus deinem Leben machen, wenn du dich anstrengst" wieder Glaubhaftigkeit in der Bildungspolitik verleihen, sagt Esken. Einen SPD-Kanzlerkandidaten wollen beide nicht. Scholz gibt hingegen das Motto aus: "Die SPD muss wieder die Partei der Zuversicht werden." Geywitz will mit der SPD in einem Bündnis jenseits der Union wieder den Kanzler stellen und ein "Jahrzehnt der Gleichberechtigung" ausrufen.

4. Es wird knapp

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In der ersten Runde der Mitgliederbefragung lagen beide Duos gerade einmal 3500 Stimmen auseinander. Im Zuge der Stichwahl konnte sich kein Paar eindeutig absetzen. Viele im "Partei-Establishment" unterstützen Scholz/Geywitz, Walter-Borjans/Esken können vor allem auf den mächtigen Landesverband NRW und die Jungen in der Partei zählen.

5. Die Einigung der Partei - eine Mammutaufgabe

"Von uns ist keiner so drauf wie Friedrich Merz", sagt Geywitz mit Blick auf die Zeit nach der SPD-Stichwahl. Und Walter-Borjans beteuert: "Alle werden das Ergebnis akzeptieren - egal wie knapp es ausfällt." Blickt man auf die giftige Auseinandersetzung der Anhänger beider Duos, die meistens den Untergang der Partei die Wand malen, sollte die jeweils andere Seite gewinnen, darf man daran aber durchaus zweifeln. Keiner der Kandidaten-Duos hat dem anderen bisher angeboten, als Partei-Vizes zu kandidieren, sollten sie gewinnen. Dass nun auch der sendungsbewusste Juso-Chef und GroKo-Gegner Kevin Kühnert in den SPD-Vorstand drängt und auch einen Vize-Posten im Visier hat, macht die Situation nicht leichter.