Das Chaos von Cleveland und der Prozess des Tages

  • In der Nacht haben sich Donald Trump und Joe Biden zum ersten Mal im TV duelliert.
  • Am Tag könnte es für den früheren Audi-Chef vor Gericht ungemütlich werden.
  • Was sonst noch wichtig ist, steht im RND-Newsletter “Der Tag”.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

haben diese 90 Minuten den US-Wahlkampf verändert? Wohl kaum. Für die Länge eines Fußballspiels haben sich Donald Trump und Joe Biden in der vergangenen Nacht gegenübergestanden - und gestritten. Analysten in den USA waren sich schnell einig: Diese Debatte war eigentlich keine. Das TV-Duell war chaotisch und unwürdig. Bei all den persönlichen Angriffen blieb für Inhalte kaum Zeit.

Im Gegenteil: Moderator Chris Wallace hatte ordentlich zu tun, den persönlichen Schlagabtausch der beiden Kandidaten in geordneten Bahnen zu halten. Doch er scheiterte. Ein sichtlich aufgekratzter Trump nutzte jede Gelegenheit, seinen Gegner lautstark zu unterbrechen, zu beleidigen und mit wilden Einwürfen zu übertönen. Biden hingegen lachte Trump mehrmals süffisant aus. Dann sprachen wieder beide gleichzeitig. Es war ein Chaos.

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Irgendwann raunzte Biden entnervt: “Würden Sie die Klappe halten, Mann!” Ein Zitat, das bezeichnend für das erste direkte Aufeinandertreffen der beiden steht.

“Diese Debatte war peinlich für die Vereinigten Staaten von Amerika”, kommentierte etwa der renommierte Journalist Wolf Blitzer von CNN.

Cleveland: Donald Trump (links), Präsident der USA, und Joe Biden (rrechts), Präsidentschaftskandidat der Demokraten, sowie Moderator Chris Wallace von Fox News während der ersten Präsidentschaftsdebatte. © Quelle: Patrick Semansky/AP/dpa

Die US-Zeitung “Politico” titelt in ihrer Onlineausgabe: “Der Trump-Wahnsinn überschattet die erste Debatte.” Unser Korrespondent in Washington, Karl Doemens, versucht in seiner Analyse, die inhaltliche Essenz des wüsten Aufeinandertreffens herauszuarbeiten. Viele Argumente lieferten die Kandidaten allerdings nicht.

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Gewonnen hat in dieser Nacht nur eines: die politische Unkultur.

Manager vor Gericht

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Einem Duell mit dem Rechtsstaat muss sich von heute an der frühere Audi-Chef Rupert Stadler stellen. Er ist der erste Topmanager aus dem Volkswagen-Konzern, der sich für die Manipulationen an Dieselmotoren vor Gericht verantworten muss. Wer hat wann was gewusst und nichts getan? Das ist die große Frage, die auch fünf Jahre nach Beginn des Skandals noch nicht beantwortet ist.

Mehr als 30 Milliarden Euro an Strafen, Nachrüstkosten und Schadensersatz hat der Konzern mittlerweile gezahlt, nun nimmt auch die strafrechtliche Aufarbeitung Fahrt auf. Angeklagt sind außer dem einstigen Chef drei weitere frühere Audi-Mitarbeiter. “Die vier Männer auf der Anklagebank können viel erzählen vom Innenleben eines Weltkonzerns, von Hierarchie, von Wissen, Nichtwissen und Nichtwissenwollen“, schreibt RND-Wirtschaftsredakteur Stefan Winter. Die Öffentlichkeit wünscht sich, dass sie es auch wirklich tun werden.

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Zitat des Tages

Nicht jeder gibt in Kneipen und Restaurants seinen richtigen Namen an, wenn er danach gefragt wird. Deshalb haben sich Bund und Länder unter anderem auf ein Bußgeld für Datenverweiger geeinigt, die zum Beispiel “Donald Duck” in die Listen zur Kontaktverfolgung eintragen. Welche neuen Corona-Regeln sonst noch gelten, sehen Sie in unserem Überlick.

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Leseempfehlungen

Faktencheck: Aktuell verbreitet sich im Internet die Erzählung, zwei Kinder seien wegen des Tragens einer Maske gestorben. Vor allem Corona-Leugner sehen sich durch die angeblichen Fälle bestätigt. Das Problem: Es gibt dafür überhaupt keine Belege.

Kreuzfahrt: Wie gehen Kreuzfahrten in der Pandemie? Michael Thamm, Chef von Costa und Aida, spricht im RND-Interview über PCR-Tests auf Schiffen, den Reiz abgeschotteter Landgänge – und die Frage, wann die Branche wieder an die glorreichen Vor-Pandemie-Zeiten anknüpfen kann.

Ernährungsberatung: Der Schweizer Agrarwissenschaftler und Biolandwirtschafts-Papst Urs Niggli erklärt im RND-Gespräch, wie die Welt mit biologischer Landwirtschaft ernährt werden könnte, warum Eier und Schweinefleisch im Moment dafür nicht geeignet sind und wie Insektenlarven zur Versorgung der Menschheit beitragen könnten.

Die Termine des Tages

8.30 Uhr: Joshua Wong muss sich vor einem Gericht verantworten. Der Hongkonger Aktivist war vergangene Woche vorübergehend festgenommen worden. Er wird beschuldigt, im Oktober des vergangenen Jahres an einem unerlaubten Protest teilgenommen und gegen ein damals geltendes Vermummungsverbot verstoßen zu haben.

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9 Uhr: Im Bundestag steht die Generaldebatte zum Bundeshaushalt an. Bundeskanzlerin Angela Merkel darf als Erste reden.

20.30 Uhr: Bayern München und Borussia Dortmund treffen im Supercup aufeinander. Das Spiel findet ohne Zuschauer im Stadion statt.

Wer heute wichtig wird

Armin Laschet (links) und Markus Söder gelten als Kandidaten um die Nachfolge von Angela Merkel als Bundeskanzlerin. Heute nun stellt ausgerechnet Söder eine neue Biografie über den NRW-Landeschef Laschet vor. © Quelle: Guido Kirchner/dpa

Jede Stunde neu: News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

aus dem RND-Newsroom, Ihr Christian Palm

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