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  • CureVac: Wollte Trump deutsche Firma wegen Corona-Impfstoff abwerben?

Trump-Offerte für Impfstoffhersteller? Einer sagt die Unwahrheit

  • Angeblich hat US-Präsident Donald Trump eine deutsche Pharmafirma ins Visier genommen.
  • Das Unternehmen dementiert, Mehrheitseigner Dietmar Hopp jedoch bestätigt die Vorgänge.
  • Die Bundesregierung hingegen macht widersprüchliche Angaben. Was steckt dahinter?
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Berlin. Hat er oder hat er nicht? Die Frage bewegt derzeit die Gemüter. US-Präsident Donald Trump soll seine Finger nach einem deutschen Pharmaunternehmen ausgestreckt haben, so meldete es die Welt am Sonntag. Trump habe es auf die Tübinger Firma CureVac abgesehen, ein forschungsstarkes Unternehmen, das derzeit an einem Impfstoff gegen das Coronavirus arbeitet. Mit hohen finanziellen Zuwendungen versuche die US-Administration, deutsche Wissenschaftler in die USA zu locken oder gleich das Medikament exklusiv für US-Patienten zu sichern, so die Zeitung unter Berufung auf Kreise der Bundesregierung.

Der Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem in den sozialen Medien machten viele Menschen ihrer Empörung Luft. Dass US-Botschafter Richard Grenell die “Welt”-Geschichte hart dementierte, ging weitgehend unter. Auch, weil mehrere deutsche Minister die Debatte befeuerten.

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“Deutschland ist nicht zu verkaufen”

Am weitesten aus dem Fenster lehnte sich dabei Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der die Übernahmeversuche der Amerikaner ausdrücklich bestätigte. “Ich habe heute mehrfach von Regierungsmitgliedern gehört, dass das zutrifft”, sagte Seehofer am Rand einer Pressekonferenz zur Schließung deutscher Grenzübergänge am Sonntagabend. Bei der Sitzung des Krisenstabes am Montag werde man über das Problem reden.

“Deutschland ist nicht zu verkaufen” verkündete Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Bericht aus Berlin. Die zwischenzeitliche Äußerungen der CureVac-Verantwortlichen, wonach das Unternehmen für eine auf einzelne Länder beschränkte Vermarktung eines Impfstoffs nicht zur Verfügung stehe, bezeichnete Altmaier als “großartige Entscheidung”. Außenminister Heiko Maas (SPD) teilte mit, das Thema im Kreise seiner G7-Kollegen zur Sprache bringen zu wollen.

Lediglich Vizekanzler Olaf Scholz kommentierte den Vorgang defensiver. Nach seiner Kenntnis beruhe die Berichterstattung auf einem überholten Sachstand, ließ der SPD-Politiker wissen. “Das Problem ist längst gelöst”.

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CureVac kennt kein Angebot

Die Kommunikation der Bundesregierung in der Sache ist mindestens bemerkenswert, denn das Unternehmen selbst will von einer unmoralischen Offerte der Amerikaner gar nichts wissen. „Ein Angebot liegt uns nicht vor“, sagte ein CureVac-Sprecher am Montag.

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Auch die Sprecher der Bundesministerien ruderten bei ihrer turnusgemäßen Pressekonferenz am Montagmittag kräftig zurück. Sie könne nicht sagen, ob es Übernahmeversuche seitens Amerikaner gegeben habe, teilte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums mit. “Ich habe keine ausreichenden Informationen, um das beantworten zu können.” Seehofers Sprecher hielt sich ebenfalls bedeckt. Angesprochen auf die Quellen aus der Bundesregierung, von denen sein Chef am Vortrag berichtet hatte, sagte er lediglich: “Dazu kann ich keine näheren Angaben machen.”

Abwerbung von Wissenschaftlern akut

Also viel Lärm um nichts? Ganz so einfach ist die Sache auch wieder nicht. Richtig ist nach Informationen des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dass die Amerikaner deutliches Interesse an dem Know-how der Tübinger Firma gezeigt haben. Auch die Versuche der Abwerbung einiger Wissenschaftler seien ernstzunehmend gewesen, sagt ein Insider. Zum Teil seien sie auch noch akut, und die Bundesregierung habe wenig in der Hand, das zu verhindern.

Ein Kauf der Firma als Ganzes hingegen sei schnell vom Tisch gewesen – auch weil deutsche Regierungsvertreter die Instrumente auf den Tisch gelegt hätten, die das Außenwirtschaftsgesetz in solchen Fällen vorsieht. Wenn die Bundesregierung zu dem Schluss kommt, dass eine Firmenübernahme die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Deutschland betrifft, kann sie diese verbieten. Auf diese Möglichkeit habe man Unternehmen und Amerikaner hinweisen müssen, heißt es.

Hopp widerspricht eigener Firma

In Berlin verweist man in diesem Zusammenhang auch darauf, dass SAP-Gründer Dietmar Hopp, der über eine Holding 80 Prozent der CureVac-Anteile hält, die Vorgänge anders darstellt das Unternehmen. In einem Interview mit dem Sender Sport 1 bestätigte Hopp einen direkten Kontakt zwischen Trump und den CureVac-Verantwortlichen. “Ich persönlich habe nicht mit Herrn Trump gesprochen. Er hat mit der Firma gesprochen und man hat mir das dann sofort gesagt und gefragt, was ich davon halte und ich wusste sofort, dass das nicht infrage kommt”, zitiert der Sender den Milliardär. Zu den zeitlichen Abläufen machte Hopp keine Angaben.

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Impfstoff frühestens im Herbst?

Anfang März hatte der damalige CureVac-Chef Daniel Menichella mit weiteren Pharma- und Biotech-Unternehmern auf Einladung des Weißen Hauses mit Donald Trump über die Impfstoffentwicklung gesprochen. In der vergangenen Woche dann hatte CureVac-Gründer Ingmar Hoerr den Amerikaner Menichella überraschend als Vorstandsvorsitzenden abgelöst. Ob Trump sein Angebot in diesem Zusammenhang unterbreitet hat? Die Firma sagt nein. Weder davor, noch danach und schon gar nicht während des Meetings habe es eine Offerte der US-Regierung gegeben.

Mehrheitseigner Hopp und seine eigene Firma widersprechen sich in diesem Punkt deutlich. Beides kann nicht stimmen. Ob es einen Zusammenhang mit dem kurz nach dem Treffen im Weißen Haus erfolgten Führungswechsel bei CureVac gibt? Möglich, aber unklar.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Montagabend, aus ihrer Sicht sei das Problem gelöst. Auch weil die Bundesregierung frühzeitig aktiv geworden sei.

Wenigsten auf die entscheidende Frage, wie weit das Unternehmen mit seinem Impfstoff ist, gab es am Montag eine Antwort. “Es müssen ja erstmal Tests gemacht werden an Tieren und dann an Menschen", sagte Hopp im Interview mit Sport1. “Ich denke aber zum Herbst müsste das verfügbar sein und dann käme möglicherweise die nächste Welle erneuter Infektionen.”

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Es wäre schön, wen wenigstens das stimmen würde.

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