CSU-Parteitag: Söder Is Coming

  • CSU-Chef Markus Söder präsentiert sich auf dem CSU-Onlineparteitag als besonnener Krisenmanager.
  • Demonstrativ viele Frauen melden sich dort zu Wort – Söder hat den Frauenmangel seiner Partei als Problem erkannt.
  • Und auch die ungeklärte Kanzlerkandidatenfrage spielt eine Rolle.
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Berlin. Es gibt keine große Bühne und keine riesige Leinwand zum Abspielen opulenter Werbefilme. Aber ein bisschen Deko gibt es doch: Blaue Socken hat Markus Söder angezogen und trägt eine blaue Krawatte. Er passt zu den weiß-blauen Fahnen im Hintergrund, mit CSU-Logo und bayerischen Rauten.

Der Parteichef sitzt an einem Bürotisch, eine bauchige silberne Thermoskanne verbreitet Normaloatmosphäre. Die CSU hat sich zum Parteitag versammelt, wegen Corona vor den Bildschirmen statt in einer Halle.

Vor Söder ist eine Tasse platziert: “Winter is coming” steht darauf – statt einer “Star Wars”-Tasse wie beim Parteitag im Frühjahr nun also eine Devotionale der Fantasyserie “Games of Thrones”. So etwas garantiert Aufmerksamkeit in den sozialen Medien.

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Der Winter kommt – es klingt nicht gemütlich und angenehm.

Und Söder beginnt ernst, fast düster. Es sei “keine Hurrarede, kein Schenkelklopfen, kein Jubelparteitag, wie wir das bei der CSU gewohnt sind”, kündigt er an. Einen Großteil seiner Rede widmet er dann der Corona-Krise. “Es ist nicht vorbei. Ich kann keine Entwarnung geben.” Die Politik müsse nun “Führung zeigen”. Das heiße für ihn: “Vorsicht ist besser als Risiko. Wer zu spät reagiert, riskiert eine Menge.”

Spaß ohne Alkohol

Söder plädiert für Maskentragen, weniger private Feiern und für eine “Koalition der Vernünftigen”. “Sind wir Spielverderber?”, fragt Söder und gibt die Antwort gleich selber. “Man kann Spaß haben mit weniger Alkohol.”

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Söder trinkt Wasser, er wird sich auch noch heißen Tee einschränken aus der Thermoskanne. Aber erst stellt er noch fest, dass sich Skepsis gegenüber den Corona-Maßnahmen oft in Verschwörungstheorien und “Whatsapp-Fakes” verstricke.

“Rechtsextreme versuchen, die Unsicherheit zu kapern und eine Art Corona-Pegida zu etablieren”, warnt er und kündigt an, die Reichskriegsflagge zu verbieten.

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Ein paar Zuschriften liest er dann vor, in denen ihm wegen seiner Corona-Politik seine Hinrichtung angekündigt wird. “Schon ziemlich krass”, sagt er.

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Söder zitiert aus E-Mails, die ihn persönlich angreifen
2:34 min
“Ich werde Sie erschießen, in Scheibchen schneiden und Tigern zum Fraß vorwerfen” – Söder zitiert aus E-Mails, die ihn persönlich angreifen.  © Reuters

Eine Tasse mit Botschaft

Der heiße Tee fließt in die Tasse. “Sorry, ich muss einmal durchschnaufen”, sagt Söder. Die Hitze verfärbt die Tasse: “Winter is here” steht da nun.

Söder spricht über den Wirtschaftseinbruch und präsentiert sich als Retter, mit einer Unternehmenssteuerreform und der bekannten Forderung nach einer Autokaufprämie und der Abschaffung des Solidaritätszuschlags.

Am Vortag haben wieder Zehntausende für Klimaschutz demonstriert – Söder fordert ein Enddatum für den Verbrennungsmotor.

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Mal kein Witz gegen das Gendern

Und dann schmettert die Parteispitze noch zwei Anträge ab, die sich gegen das Gendern von Personenbezeichnungen wenden – das Wettern gegen Gendern ist eigentlich ein klassischer Bierzeltbrüller der CSU. Das Zurück zur rein männlichen Bezeichnung “sollten wir uns als Partei heute nicht antun”, sagt Vizeparteichefin Dorothee Bär.

Söder hat schon vor einer Weile den Frauenmangel der Partei als Problem benannt. Mit der Durchsetzung einer Frauenquote ist er gescheitert. Bei diesem Parteitag treten nun auffällig viele Frauen auf: Sie sprechen zu Anträgen über Digitalisierung, Kindesmissbrauch, Kinderehen, Schlachtvieh und Pflegekräfte.

In der Parteizentrale allerdings haben vor allem die Männer das Sagen: Als Gäste winken aus einer Art Wartesaal Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Vizegeneralsekretär Florian Hahn, Staatskanzleichef Florian Herrmann und der Vorsitzende der Landtagsfraktion, Thomas Kreuzer.

Die einzige Frau in dieser Runde ist die Vorsitzende der CSU-Europaabgeordneten, Angelika Niebler. In einem Einspielfilm führt Generalsekretär Markus Blume durch die Parteizentrale: Eine Frau zählt die Mitglieder, zwei produzieren eine Instagram-Story. Um den Wahlkampf, die Parteireform und das neue digitale Studio kümmern sich Männer.

Die Mission 2021

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Man dürfe nicht die Nerven verlieren, sagt Söder zum Abschluss seiner Rede. Aus jeder Krise könne auch Positives erwachsen. “Ich bin überzeugt, wir können das”, sagt Söder. Er klingt schon fast wie der Satz der Kanzlerin “Wir schaffen das”.

"Wir sind auf einem guten Weg für die “Mission 2021”, so hat es der Mann des CSU-TV-Studios formuliert.

Söder sagt, Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen seien großartige Kandidaten für den CDU-Vorsitz. Mit allen könne er gut zusammenarbeiten. Das kann man so oder so lesen.

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