• Startseite
  • Politik
  • CSU-Parteitag: Gegner gratulieren der CSU – “Die Kunst, als Regionalpartei die Welt mitzugestalten”

Gegner gratulieren der CSU: “Die Kunst, als Regionalpartei die Welt mitzugestalten”

  • Der CSU-Parteitag, auf dem die Christsozialen ihren 75. Jahrestag groß gefeiert hätten, kann wegen Corona ausschließlich als Onlineveranstaltung stattfinden.
  • Grußworte vor jubelnden Delegierten gibt es deshalb nicht. Zum Trost hat das RND Vertreter der politischen Konkurrenz um ein paar Glückwünsche für die Jubilarin gebeten.
  • Die CSU wird gewürdigt von Claudia Roth, Lars Klingbeil, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Daniel Günther und Dietmar Bartsch.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Vor dem CSU-Parteitag, der an diesem Samstag ausschließlich als Onlineveranstaltung stattfindet und ohne große Geburtstagswünsche auskommen muss, hat das RND Vertreter der politischen Konkurrenz um ihre Würdigungen zum 75. Jahrestag der CSU gebeten.

“Eines muss man der CSU lassen: In den 75 Jahren ihres Bestehens hat sie es immer wieder geschafft, dass ganz Deutschland über ihre Ideen diskutiert”, sagt etwa SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) – und hat dann auch noch ein paar kritische Anmerkungen. Auch Ex-Grünen-Chefin Claudia Roth, die aus Bayern stammt, und Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die jahrelang mit der CSU in einer Koalition mitregierte, loben an den Christsozialen vor allem, dass man sich gut mit ihnen streiten konnte.

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch erinnert die jahrzehntelange Regierungszeit der CSU sogar an seine DDR-Biografie: “Parteien, die zu lange in Regierungsverantwortung sind, werden komisch.” Ob sich die Christsozialen über diesen Vergleich freuen? Oder zumindest über die des weit entfernten Ministerpräsidenten von der Schwesterpartei CDU, Daniel Günther aus Kiel?

Der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. © Quelle: imago images/serienlicht

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil: “Selbstbewusster Aufschlag”

“Eines muss man der CSU lassen: In den 75 Jahren ihres Bestehens hat sie es immer wieder geschafft, dass ganz Deutschland über ihre Ideen diskutiert. Leider verläuft das häufig nach dem gleichen Muster: Ein lauter, selbstbewusster Aufschlag und dann werden die Themen in einer Mischung aus persönlichem Fehlverhalten, Unwissenheit und Verstößen gegen bestehendes Recht versemmelt. Das ganze Land regt sich erst furchtbar auf, tatsächlich umgesetzt werden die CSU-Symbolthemen dann aber zum Glück nicht. Die jüngsten Beispiele sind die Obergrenze, die Maut und das Betreuungsgeld. Geburtstage sind ja immer auch Momente, an denen man sich selbst hinterfragt. Ich wünsche der CSU, dass sie die Kraft findet, künftig auch mal Politik zu machen, die gut für das Land und nicht nur für die Selbstprofilierung im bayerischen Bierzelt ist.”

Anzeige
Daniel Günter, CDU, ist Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. © Quelle: Christian Charisius/dpa

Daniel Günter, CDU, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein: “Unverkennbarer Kommunikationsstil”

Anzeige

“Die CSU hat in den vergangenen 75 Jahren bewiesen, wie Tradition und Moderne erfolgreich verbunden werden kann. Ihr ist es zu verdanken, dass Bayern wirtschaftlich erfolgreich ist, enorm in Bildung und Infrastruktur investiert und so die beste Ausgangssituation für die Zukunft kommender Generationen geschaffen hat. Mit ihrem unverkennbaren Kommunikationsstil hat die CSU auch sichergestellt, dass ihr Erfolg niemandem in Deutschland verborgen geblieben ist.”

Die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, Grüne. © Quelle: imago images/ZUMA Press

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, Grüne: “Danke, Franz Josef Strauß!”

"Ich bin der CSU dankbar, weil sie einen ganz wesentlichen Anteil am Entstehen und am großen Wachstum der Grünen hat. Sie ist eine ideale Projektionsfläche, ein wunderbarer politischer Gegner, mit dem es sich immer trefflich und leidenschaftlich streiten ließ und lässt – um das weibliche Bayern, das vielfältige, bunte Bayern, um Moral und Humanität in der Politik, um die Bewahrung der Schöpfung. Letztlich habe ich, haben wir Franz Josef Strauß zu verdanken, dass wir Grüne so sind, wie wir sind: weltoffen, antirassistisch, feministisch, ökologisch und friedensbewegt. Und deshalb freue ich mich auf weitere intensive Auseinandersetzungen unter Demokratinnen und Demokraten über eine gute und gerechte Zukunft, nicht nur für Bayern.”

Dietmar Bartsch ist der Fraktionschef der Linken im Bundestag. © Quelle: imago images/Christian Thiel

Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im Bundestag: “Mit wenig Stimmen viel durchgesetzt”

Anzeige

“Von der CSU lernen heißt, mit vergleichsweise wenig Stimmen extrem viel durchzusetzen – für Bayern. Aber Parteien, die zu lange in Regierungsverantwortung sind, werden komisch. Ich weiß, wovon ich rede. Die CSU müsste deshalb dringend mal in die Opposition, damit sie auch ihren 150. Geburtstag feiern kann.”

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger von der FDP ist Bundesjustizministerin a. D.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, FDP, Bundesjustizministerin a. D.: “Leidenschaftliches Streiten”

“Der CSU bin ich dankbar für viele Chancen der liberalen Profilierung und des leidenschaftlichen Streitens in den letzten 75 Jahren – in der Flüchtlingspolitik, bei der inneren Sicherheit, in den Sechzigern über die Zukunft der Bekenntnisschulen. Dank ausreichender Flexibilität und programmatischer Offenheit ist die CSU für vernünftige Kompromisse immer zu haben. Und sie hat das Kunststück vollbracht, als regionale Partei die Welt mitzugestalten.”

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen