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Keine Lust mehr auf Öl und Gas: Klimaschützer wollen Costa Rica zum Vorreiter machen

Grüne Aussichten in Costa Rica. Das Land ist bereits seinen Nachbar­staaten in Sachen Natur­schutz weit voraus. Nun diskutiert das Parlament über ein mögliches Ende der Öl- und Gas­förderung.

Bogota.Die Zeitung „El Mundo“ aus San Jose jubelte in dieser Woche ein bisschen zu früh: „Costa Rica vor dem Punkt, Geschichte zu schreiben und die Förderung von Öl und Gas zu verbieten“. Ihre Schlag­zeile versah die Zeitung mit dem Bild eines grünen Frosches im Regen­wald.

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Tatsächlich ist in dem mittel­amerikanischen Land, in dem traditionell der Umwelt­schutz etwas größer geschrieben wird als in den Nachbar­staaten, die Debatte über ein generelles Verbot der Förderung von Öl- und Gas voll entbrannt. Geht es nach den Umwelt­schützern sollen die klima­feindlichen fossilen Brenn­stoffe für alle Zeiten im Boden bleiben und nicht durch die Schorn­steine von Industrie, Häusern oder dem Auspuff in die Atmosphäre gelangen.

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„Costa Rica verfügt über eine jahrzehnte­lange Erfahrung in einem auf Nach­haltigkeit, erneuerbare Energien und die Förderung menschlicher Talente ausgerichteten Entwicklungs­modell“, sagt Alvaro Cedeno Molinari, Anwalt und Sprecher der Umweltschutz­bewegung „Movimiento Costa Rica Libre de Perforacion“ – was sinngemäß übersetzt so viel heißt wie: Bewegung für ein von Bohrungen freies Costa Rica.

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„Die Augen der Welt sind auf Costa Rica gerichtet“

„Wenn diese Realität und die sich daraus ergebenden Chancen als Prioritäten erkannt und voran­getrieben werden, wird die Zukunft Costa Ricas wohl­habender und profitabler“, ist Cedeno Molinari überzeugt. „Und wenn wir bedenken, dass dies der Trend auf dem Planeten ist, sind wir eher in der Lage, auf internationaler Ebene zu führen und Vorreiter zu werden. Die Augen der Welt sind auf Costa Rica gerichtet, besonders jetzt, da wir Mitglied der OECD sind.“

Der Abschied von der Öl- und Gas­förderung also als Zukunfts­konzept für ein ganzes Land: Damit würde Costa Rica in der Tat zu einem Vorreiter­modell in Latein­amerika. Sowohl linke Regierungen wie in Argentinien oder Venezuela, das nahezu seinen gesamten Staats­haushalt aus der Förderung klima­feindlicher Brenn­stoffe bestreitet, wie auch rechts regierte Staaten wie Brasilien oder Kolumbien haben in der Region bislang keine wirklichen Fort­schritte in der Energie­politik gemacht.

Und wie schwer sich Deutsch­land mit dem Kohle­ausstieg tut und gerade erst die umstrittene fossile Gas­zukunft über die Nordstream-Pipeline aus Russland abgesegnet hat, ist hinreichend bekannt.

Erster Rück­schlag im Parlament

Costa Ricas Parlamentarierin Paola Vega glaubt, dass der Vorstoß, die klima­freundliche Politik gesetzlich zu verankern, mit dem Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung überein­stimmt: „Das ist eine Entscheidung des Volkes, dass wir nicht mehr nach Öl und Gas auf nationalem Territorium bohren.“

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Sie hofft auf eine historische Kehrt­wende: „Heute stehen wir vor einer einzigartigen und wichtigen Gelegenheit. Die gesetz­gebende Versammlung kann die Entscheidung treffen, die Exploration und Ausbeutung von Öl auf dem Staats­gebiet für immer und endgültig zu verbieten.“

Am Donnerstag gab es allerdings einen ersten Rück­schlag im Parlament, dort verfehlte der Antrag die erforderliche Mehrheit. Doch die Befür­worter legten Revision ein, für die sie die notwendige Stimmen­zahl erreichten. Mit dieser Entscheidung können sie die Debatte nun weiterführen und versuchen, die notwendigen Stimmen in der Versammlung zu erreichen. Für historische Jubel­schreie der Klima­schützer ist es also noch ein bisschen zu früh.

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