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  • Coronavirus: So kommentiert die Presse in Deutschland und Europa

Presse zum Virus: “Die Coronakrise verdrängt Greta Thunberg”

  • Schwarzer Montag, Crash an der Öl-Börse und schnelle Ausbreitung des Coronavirus.
  • Die Presse warnt vor unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie.
  • Viele Kommentatoren fordern Hilfen für Unternehmen.
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Tours. Ein von den USA in Aussicht gestelltes Hilfspaket gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise hat am Dienstag auch dem deutschen Aktienmarkt zu einer kleinen Erholung verholfen. Nach dem Schwarzen Montag ging es für den Dax kurz nach Handelsstart um 1,14 Prozent auf 10.746,38 Punkte nach oben.

Am Montag hatte der Dax einen der schwärzesten Tage seiner mehr als 30 Jahre alten Geschichte erlebt. Wegen wachsender, durch das Virus ausgelöster Rezessionssorgen und der zusätzlichen Gefahr eines Ölpreiskrieges stießen Anleger panikartig Aktien ab. Der deutsche Leitindex sackte am Ende des Tages um fast 8 Prozent ab und erlitt den größten prozentualen Tagesverlust seit den Terroranschlägen am 11. September 2001.

Das beschäftigt die Medien in Deutschland und weltweit.

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FAZ: “Das Virus ist schlimmer als gedacht”

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung meint, die Märkte hätten sich lange dagegen gewehrt, das Coronavirus als ein ernst zu nehmendes Problem für die Weltwirtschaft und damit auch für die Kapitalmärkte anzusehen. “Noch vor wenigen Wochen nahm der Dax die 14.000-Punkte-Marke in den Blick. Die Diskussionen um Übertreibungen auf dem Aktienmarkt hatten längst schon begonnen. Vorbei. Der Verfall des Ölpreises, vor allem aber die verschärfte Situation in Italien offenbart das Unausweichliche: Das Virus ist schlimmer als gedacht. Es lähmt die Unternehmen zusehends und dabei ist die schlechte Nachricht: Keiner weiß, wie lange das alles noch dauert und ob wir das Schlimmste schon hinter uns, oder noch vor uns haben. Letzteres ist zu befürchten.”

La Nouvelle République aus Frankreich: “Die Welt ist zu einem Dorf geworden”

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Zu den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise schreibt die französische Zeitung La Nouvelle République: “Finanzanalysten sprechen bereits von einem Schwarzen Montag, einem historischen Tag an den Weltbörsen. Inmitten der Coronavirus-Pandemie und des folgenschweren Ölpreiskrieges zwischen Saudi-Arabien und Russland sind die Aktienindizes weltweit abgestürzt. Die Ausbreitung des Virus hat aufs Neue bewiesen, dass die Globalisierung die Welt zu einem Dorf hat werden lassen, in welchem alles schneller in Umlauf gerät. Der Absturz der Märkte bestätigt ihre gegenseitige Verflechtung. Alle Länder, zumindest fast alle, sind betroffen.”

Latvijas Avize aus Lettland: “Wir müssen erkennen, dass wir verletzlich sind”

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Das beschäftigt auch in Riga die lettische national-konservative Tageszeitung Latvijas Avize: “Nun stellt sich heraus, dass die schöne Geschichte der globalen und für alle vorteilhaften Arbeitsteilung unermessliche Gefahren birgt. Dass die die Freizügigkeit symbolisierenden und manchmal lächerlich billigen Flüge nicht nur Touristen bringen können, sondern auch die Keime ausländischer Krankheiten. Und wir müssen erkennen, dass wir tatsächlich verletzlich sind. In dem Moment, in der Gesundheit und Leben auf dem Spiel stehen, werden postmoderne Werte, die in letzter Zeit so wichtig waren, plötzlich vergessen. Oder wo sind Greta Thunberg und die von ihr gepredigte Klima-Apokalypse, die bis vor Kurzem die Schlagzeilen beherrschte?”

The Times aus England: “Impfstoff wäre Bazooka”

The Times aus London vergleicht die Situation mit der Finanzkrise: “Bei all den düsteren Unsicherheiten war in der Finanzkrise – als die Weltwirtschaft zeitweise am Rande des Abgrunds zu stehen schien – das Gegenmittel klar genug. Ökonomen sahen die Antwort darin, die Zinssätze zu senken, die Märkte mit Liquidität zu überschwemmen und einen ausreichend großen Topf mit Geld einzurichten, um die Märkte zu überzeugen, dass jegliche Verluste ausgeglichen werden. Folglich war damals überall die Rede von der Notwendigkeit einer “großen Bazooka”, und die Ausschlaggebendste bestand in dem Versprechen des damaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, alles zu tun, was erforderlich ist, um die Euro-Zone zu retten. Die einzige Bazooka, die heute die Ungewissheit definitiv beenden könnte, wäre die Entdeckung eines Coronavirus-Impfstoffs, von der Wissenschaftler jedoch sagen, dass sie noch mindestens zwölf bis 18 Monate entfernt ist.”

Dagbladet aus Norwegen: “Schlechte Nachrichten für Präsidenten, die sich zur Wiederwahl stellen”

Die norwegische sozialliberale Boulevardzeitung Dagbladet kommentiert die möglichen Folgen des Coronavirus-Ausbruchs für die Präsidentschaft von US-Präsident Donald Trump: “Die Wall Street wurde am Montag nach einem kräftigen Kurseinbruch vorübergehend geschlossen. Die Verbreitung der Corona-Epidemie trifft aber mittlerweile nicht nur nervöse Finanzmärkte, sondern auch die Wirtschaft ist bedroht - und das sind schlechte Neuigkeiten für Präsidenten, die sich zur Wiederwahl stellen. Die Wirtschaft ist Trumps Trumpfkarte gewesen. Das kann ein Virusausbruch in China jetzt ändern. Kein Handelskrieg konnte die Ausbreitung verhindern. Und das Coronavirus lässt sich nicht stoppen, indem man bei den Zahlen trickst. Deshalb ist das hier der größte Test für Donald Trump als Präsident. Die Corona-Epidemie lässt sich nicht verheimlichen. Das ist eine Wirklichkeit, die er nicht wegtwittern kann.”

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Badische Zeitung: “Nicht übers Ziel hinausschießen”

Die Badische Zeitung lobt die Besonnenheit der Großen Koalition in Deutschland: “Die Gefahr, die durch Liquiditätsengpässe droht, hat auch die Große Koalition erkannt. Die Vertreter von Union und SPD haben zu den richtigen Mitteln gegriffen. So kann man das staatliche Kurzarbeitergeld als Liquiditätshilfe verstehen. Es versetzt Unternehmen in die Lage, auf vorübergehende Auftragsrückgänge zu reagieren, ohne gleich massenweise Beschäftigte vor die Tür zu setzen, um die Lohnkosten zu senken. (…) Die Koalition hat gut daran getan, nicht über das Ziel hinaus zu schießen. Ein massives Konjunkturprogramm, zum Beispiel mit einer erneuten Abwrackprämie für Altautos oder mehr Geld für Straße und Schiene, wäre unangebracht.”

Neue Osnabrücker Zeitung: “Keiner spricht mehr von Brexit oder Klima-Auslagen”

Die Neue Osnabrücker Zeitung erinnert daran, dass bis vor Kurzem der Brexit, Klima-Auslagen oder hohe Tarifabschlüsse als veritable Risiken für die Geschäfte galten. “Davon spricht keiner mehr. Stattdessen gesellt sich zur Coronakrise ein Streit um den Ölpreis, wie es ihn lange nicht gab. Zum Glück, muss man sogar sagen: Die niedrigen Preise für den Rohstoff wirken dämpfend auf den Abschwung. Was aber, wenn sie wieder steigen? Wie er es auch medizinisch tut, ist also jeder gut beraten, sich wirtschaftlich auf eine Krise beträchtlicher Schärfe einzustellen. Für den Bürger heißt das, seine Planungen, Anschaffungen und Anlagen auf Sicherheit hin zu überprüfen.”

El País aus Spanien: “Staaten mit Finanzausgleichen helfen”

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Zu den Folgen der Coronavirus-Epidemie auf die Wirtschaft schreibt die spanische Zeitung El País: “Es wäre angebracht, dass Europa den Staaten noch direkter mit Finanzausgleichen hilft. Die Regierungen sollten ihrerseits spezifische Schockprogramme vorbereiten, um die katastrophalen Schäden in jedem einzelnen Land zu kompensieren. Um das Vertrauen zurückzugewinnen, muss man so bald wie möglich zwei Fragen beantworten: Wie wird man der Schließung von Unternehmen begegnen und welche Hilfen werden die Arbeitnehmer erhalten, die ihre Jobs verlieren.”

Stuttgarter Zeitung: “Zeitpunkt für milliardenschwere Konjunkturprogramme noch nicht gekommen”

Die Stuttgarter Zeitung mahn zu Gelassenheit. “Falls sich die ökonomischen Probleme verfestigen und zu einer richtigen Rezession auszuwachsen drohen, muss die Bundesregierung in der Lage sein, gemeinsam mit den internationalen Partnern nachzulegen – bis hin zu milliardenschweren Konjunkturprogrammen. Noch ist der Zeitpunkt dafür aber nicht gekommen.”

Süddeutsche Zeitung: “Abkehr vom alten Kurs”

Die Süddeutsche Zeitung meint, für die Politik komme es darauf an, der drohenden Rezession entgegenzutreten und, sollte sie unabweisbar sein, die Schäden so gering wie möglich zu halten. Vier Dinge sind nötig. Erstens Transparenz, sodass harte Entscheidungen nachvollziehbar sind. Zweitens muss Unternehmen geholfen werden, die durch die Epidemie in die Krise geraten. Die Beschlüsse des Koalitionsausschusses sind richtig, reichen aber nicht. Denn drittens muss die Bundesregierung klarmachen, dass sie bereit ist, sehr viel Geld zu investieren, um dem Schock zu begegnen. Die Koalition hatte bisher recht, als sie an der “schwarzen Null” festhielt. Jetzt aber könnte die Coronakrise sehr bald eine Abkehr vom alten Kurs nötig machen. Die vierte Aufgabe ist längerfristiger Natur. Die Krise zeigt, welche Gefahren es birgt, dass die Wirtschaft vieler Länder so abhängig von China geworden ist. Die Konsequenz kann nur heißen: Die internationale Arbeitsteilung muss neu justiert werden.

De Telegraaf aus den Niederlanden: “Panik an Börsen ist schlimmes Vorzeichen”

Die niederländische Zeitung De Telegraaf kommentiert ebenfalls in diese Richtung: “Der Ausbruch des Coronavirus ist in erster Linie ein Problem der öffentlichen Gesundheit. Doch es wird immer deutlicher, dass er auch große wirtschaftliche Folgen hat. Und diese könnten sehr viel schwerwiegender sein als bisher angenommen. Die gestrige Panik an den Börsen ist in dieser Hinsicht ein schlimmes Vorzeichen.”

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RND/dpa


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