Coronavirus: Schutzlose Favelas in Brasilien

  • Südamerikas Armenviertel sind auf das Coronavirus nicht vorbereitet.
  • Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro spricht immer noch von einem “Grippchen”.
  • Angekündigte Investitionen kommen für Menschen, die jetzt erkranken, zu spät.
Ramona Samuel
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Einige nennen sie das Monster: Rio de Janeiros wohl spektakulärste Favela ist die Rocinha. Hier in dem steil nach oben ragenden Meer aus Mauern, Dächern und Hütten ist das alltägliche Leben auf engstem Raum zusammengepfercht. In den engen Straßen tobt das Leben, es unter Quarantäne zu stellen ist eine riesige Herausforderung. “Meine größte Sorge ist, dass die Ärmsten der Armen gar keine Chance haben, sich an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zu halten”, sagt Fernando Luiz (37), Kulturproduzent aus Rio de Janeiro, dieser Zeitung.

Für Bolsonaro geht es ums politische Überleben

Die Regierung des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro gibt derzeit ein klägliches Bild ab. Bolsonaro selbst spricht immer noch von einem “Grippchen” und ruft die Bevölkerung auf, den Empfehlungen seines eigenen Gesundheitsministeriums nicht Folge zu leisten. “Ich werde mein Volk nicht in die Armut schicken, nur um das Lob der Medien zu erhaschen”, sagte Bolsonaro noch vor wenigen Tagen. Für Bolsonaro geht es inzwischen ums politische Überleben. Abends kann er mit eigenen Ohren die Wut seiner Landsleute hören, wenn sie auf den Balkonen und aus offenen Fenstern mit Kochlöffeln auf Kochtöpfe schlagen. Und bislang ist der Virus mit knapp 7000 Fällen und 244 Toten noch gar nicht so richtig in Brasilien angekommen.

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Die Probleme in den Favelas sind struktureller Art, sagt Rita Montezuma, die an der Universität Federal Fluminense Geografie unterrichtet: “In den Armenvierteln gibt es praktisch keine Urbanisierung. Es fehlt an allem: sauberem Trinkwasser, Infrastruktur und gut ausgestatteten Krankenhäusern.” Ähnlich sieht es auf dem Land aus. Weil sich die von Bolsonaro verachteten indigenen Völker nicht auf die Regierung verlassen können, beginnen sie, sich in die Selbstisolation zurückzuziehen.

Vor der Fußball-WM 2014 gingen die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straße, um gegen die kata­strophalen Bedingungen im Gesundheitswesen zu demonstrieren. Doch die damalige Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff investierte lieber in sündhaft teure Stadien als in Krankenhäuser. Seitdem hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: Bolsonaro kürzte sogar die Ausgaben, kündigte nun aber unter dem Druck der Krise Investitionen an. Selbst wenn diese kommen sollten, kämen sie aber für die Patienten, die jetzt schwer erkranken, zu spät.

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