Die Corona-Verschwörung: Stunde der Panikmacher

  • In Zeiten extremer gesellschaftlicher Herausforderungen hatten stets auch die Gerüchtemacher Konjunktur.
  • Soziale Netzwerke befeuern diesen Trend angesichts der Corona-Pandemie: Da werden Verschwörungstheorien verbreitet.
  • Ganz vorn dabei: Extremisten, die ihr politisches Süppchen kochen.
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Berlin. Man könnte darüber lachen, wären die Folgen nicht so verheerend. Angesichts der Corona-Pandemie werden in den sozialen Netzwerken Gerüchte gestreut, die jenen aus den mittelalterlichen Pestzeiten in nichts nachstehen.

„Die Bill-Gates-Stiftung soll Wochen vor dem aktuellen Coronavirus-Ausbruch 65 Millionen Tote prognostiziert haben“, wird da verbreitet.

Eine weniger abenteuerlich klingende Textnachricht warnt etwa vor dem Wirkstoff Ibuprofen. Die Einnahme würde die Vermehrung des Virus beschleunigen. Beide Gerüchte haben keinerlei Wahrheitsgehalt.

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Ein angeblich drohender „Shutdown“ des gesamten öffentlichen Lebens führte am Freitag und Sonnabend zu Hamsterkäufen – und zu vorübergehenden Engpässen bei haltbaren Lebensmitteln und Toilettenpapier.

Am Sonnabend sah sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) genötigt, dem Gerücht entgegenzutreten: Nach Angaben des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) ist das jedoch eine Falschinformation.

„Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit oder die Bundesregierung würden bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt nicht! Diese und ähnliche Falschinformationen verunsichern gerade viele Bürgerinnen und Bürger. Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen und sie richtig zu stellen. Lassen Sie uns gerade jetzt besonnen bleiben und einander auch unter Stress vertrauen“, verbreitete Spahn per Twitter.

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Die Flut an Gerüchten wird er damit kaum aufhalten. Politische Hasardeure mischen dabei kräftig mit. Irans Revolutionsführer Ali Chamenei verbreitete jetzt via Twitter ein Statement, in dem er davon sprach, dass es Hinweise darauf gebe, dass das Virus eine „biologische Attacke“ sei.

Damit griff er Gerüchte auf, dass Corona in Wirklichkeit ein künstlich erzeugter Erreger sei, mit dem die USA Gegnern wie China und Iran schaden wollten. Gerade Iran hat in der Corona-Krise bisher komplett versagt, die Islamische Republik hat erschreckend viele Todesopfer zu beklagen.

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In einer seiner absurden Ansprachen an die Nation sprach US-Präsident Donald Trump zuletzt von einem „ausländischen Virus“, als besäßen Krankheiten eine Staatsbürgerschaft.

In eine ähnliche Kerbe schlagen auch deutsche Rechtsextremisten. Während in der Krise Regierung und Opposition zusammenstehen warf die AfD der Bundesregierung vor, „unverantwortlich und fahrlässig“, den Schutz „aller Menschen in unserem Land“ „bewusst vernachlässigt“ zu haben (Alice Weidel). Im gleichen Atemzug warnen andere Parteimitglieder von der staatlichen Hysterie, die unangemessen sei.

Und Alexander Mitsch von der CDU-Splittergruppe “Werteunion” steht dem nicht nach: Er fragte auf Twitter, warum weiter Migranten einreisen dürften, während die Kanzlerin die Bevölkerung dazu aufruft, soziale Kontakte zu meiden.

Die Populisten wissen, wie sehr sie im Trend liegen: Nur wenige Stunden später wurde bekannt, dass Deutschland ab Montagmorgen seine Grenzen zu Österreich, der Schweiz und Frankreich schließt.

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