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Schwedische Regierung fühlt sich von Bürgern nicht richtig verstanden

  • Lockerleicht durch die Corona-Zeit? Von wegen.
  • „Es ist ein Ammenmärchen, dass sich das Leben in Schweden nicht geändert hat", sagt die schwedische Außenministerin Ann Linde.
  • Ihre Regierung fühlt sich von den Bürgern des Landes nicht ganz richtig verstanden.
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Berlin. Teenager sitzen im Park beisammen, Paare genießen ein Bier in der Frühlingssonne, Frisöre schneiden Haare: Die Bilder aus Schweden muten dieser Tage an wie Grüße aus einer heiteren Parallelwelt. Während in weiten Teilen Europas Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung des Corona-Virus herrschen und das öffentliche Leben zum Erliegen bringen, bleiben die Schweden selbst in der Pandemie ihrem liberalen Lebensstil treu.

Oder etwa nicht?

„Es ist ein Ammenmärchen, dass sich das Leben in Schweden nicht geändert hat. Das stimmt einfach nicht“, sagt Schwedens Außenministerin Ann Linde am Freitagvormittag. Die Sozialdemokratin hat zuvor mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) per Videoschalte gesprochen, nun halten Sie per Livestream eine gemeinsame Pressekonferenz ab.

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Schweden setzt auf Freiwilligkeit - noch

Linde zufolge ist ein Zerrbild von Schwedens vermeintlich lockerem und dennoch erfolgreichem Umgang mit der Pandemie im Umlauf. Dieses Zerrbild will die schwedische Regierung nun korrigieren.

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Die Außenministerin betont, dass es wie im Rest der Welt auch in Schweden darum gehe, das Virus an der Ausbreitung zu hindern und die wirtschaftlichen Folgeschäden einzudämmen. Ein jedes Land gehe dabei entsprechend der Erfordernisse vor Ort vor. Doch Linde widerspricht dem Eindruck, wonach Deutschland und Schweden gegensätzliche Strategien verfolgen.

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„Wir haben rechtlich verbindliche Maßnahmen und Empfehlungen. Diese Empfehlungen werden aber als etwas wahrgenommen, was man beachten sollte“, sagt die Außenministerin. Der Unterschied zwischen den Anti-Corona-Strategien liegt demnach nicht so sehr in den Maßnahmen als solchen begründet – sondern in der Frage, ob die Bürger diese freiwillig befolgen oder weil die Politik sie dazu verpflichtet.

Auffällige Todesrate

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So haben in Schweden Cafés und Restaurants zwar geöffnet. Wirte sind jedoch dazu aufgerufen, hohe Abstands- und Hygienestandards zu ermöglichen. Und Gäste sollen von sich aus auf den Gastrobesuch verzichten. Doch diese Philosophie der Freiwilligkeit steht unter wachsendem Druck. Denn die Zahlen widersprechen dem Eindruck vom schwedischen Erfolgsmodell.

Am Freitagmittag wies die Johns-Hopkins-Universität für Schweden 2021 Todesopfer auf – bei einer Gesamtbevölkerung von 10,3 Millionen. Zum Vergleich: Für Deutschland wurden 5.575 Todesopfer gemeldet – bei achtmal so vielen Einwohnern wie in Schweden. Nun steht die nationale schwedische Gesundheitsbehörde im Verdacht, die Wucht des Virus unterschätzt zu haben, berichteten schwedische Medien am Freitag.

Menschen sitzen vor einem Restaurant am Bürgerplatz in Stockholm. Die Schweden gehen bisher noch mit freizügigeren Maßnahmen als andere europäische Länder gegen die Corona-Pandemie vor, verfolgen aber ebenso das Ziel, die Ausbreitung des Virus möglichst zu verlangsamen. © Quelle: Andres Kudacki/AP/dpa

Innenminister droht Wirten

Die Ausbreitung des Virus befördert jetzt offenbar ein Umdenken der rot-grünen Minderheitsregierung von Ministerpräsident Stefan Löfven. Innenminister Mikael Damberg drohte am Freitag mit der Schließung von Bars und Gaststätten. Es gebe besorgniserregende Berichte über überfüllte Restaurants und überbordende Bewirtung im Freien. „Lassen Sie mich ganz klar sein: Ich will kein überfülltes Außenrestaurant sehen“, sagte der Minister. Die 290 Kommunen des Landes sind nun aufgefordert, an Stockholm zu berichten, ob und wie gastronomische Betriebe die Auflagen der Gesundheitsbehörden erfüllen.

Viele Schweden scheinen den Ernst der Lage zu verkennen. „Zehntausende mehr fuhren am Wochenende nach Stockholm hinein als zwei Wochen zuvor, auch in Malmö gibt es Anzeichen dafür, dass der Respekt vor dem Coronavirus abnimmt“, schrieb die „Dagens Nyheter“ in ihrer Freitagausgabe. Trotz beunruhigender Statistiken scheine den Schweden die Kraft zur physischen Distanz auszugehen. „Es wird deutlich, dass die Empfehlungen der Gesundheitsbehörde und der führenden Politiker vielerorts nicht korrekt aufgefasst worden sind“, hieß es in der Zeitung.

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Urlaub am Fjord fällt aus

Und so war Außenministerin Linde am Freitag darum bemüht, den faktisch verbindlichen Charakter des formell unverbindlichen Abstandsgebotes zu unterstreichen. Die Maßnahmen würden für eine relativ lange Zeit gelten, kündigte sie in der Pressekonferenz mit Maas an.

Die Mahnung ging an ihre Landsleute, aber auch an Deutsche, die die Hoffnung auf einen Sommerurlaub in Schweden noch nicht aufgegeben haben. „Diesen Sommer wird es sehr schwierig sein mit dem Reisen, egal um welches Land es geht“, sagt die Ministerin. Er hoffe ja, dass Deutsche und Schweden sich so schnell wie möglich wieder in die Arme fallen können, sagte Maas. Den gewohnten Sommerurlaub aber werde es in diesem Jahr nicht geben.

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