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  • Coronavirus in Großbritannien außer Kontrolle: Fast 59.000 Neuinfektionen am Montag - dritter Lockdown seit Dienstag

In Großbritannien ist das Coronavirus völlig außer Kontrolle

  • In Großbritannien werden täglich neue Rekorde bei den Neuinfektionen gemeldet, am Montag waren es fast 59.000.
  • Auch die Zahl der Toten steigt alarmierend an.
  • Seit Dienstag gilt deshalb erneut ein harter Lockdown mit strikten Ausgangsbeschränkungen.
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London. Die Zahlen stiegen schlussendlich zu stark an, als dass der britische Premierminister Boris Johnson dem Druck aus der Öffentlichkeit und der Wissenschaft noch standhalten konnte. Seit Dienstag herrscht in England Lockdown Nummer drei. Das gab der Regierungschef am Montagabend bekannt.

Obwohl in großen Teilen des Landes bereits seit Wochen strikte Maßnahmen galten, wurden diese nun noch verschärft. Die Menschen dürfen das Haus lediglich für notwendige Aktivitäten wie Arztbesuche oder die Arbeit verlassen. Schulen sind geschlossen, Freizeitsport ist nicht mehr erlaubt. Auch für Schottland ordnete die Erste Ministerin Nicola Sturgeon einen landesweiten Lockdown an.

Die Maßnahmen in England sollen laut Downing Street mindestens bis zum 22. Februar gelten, Minister deuteten gestern an, dass die Restriktionen gar bis März andauern könnten. Die in Großbritannien entdeckte Corona-Variante, die laut Johnson 50 bis 70 Prozent ansteckender ist als die bisher bekannte, verbreite sich in „frustrierender und alarmierender Weise“.

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Johnson schickt England in harten Lockdown
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Der britische Premierminister Boris Johnson verschärft den Lockdown angesichts der Virusmutation. Die Regelungen sollen zunächst bis Mitte Februar gelten.  © Reuters

Johnson stimmt auf „schwierigste Wochen“ ein

Der Premier stimmte die ernüchterte Bevölkerung auf harte Wochen ein. Sie würden „die schwierigsten werden“, sagte er und appellierte an seine Landsleute: „Bleiben Sie zu Hause, schützen Sie den (Gesundheitsdienst) NHS, retten Sie Leben.“

Der Konservative steht in der Kritik, weil er nach Ansicht von Experten abermals zu spät reagiert habe. So schickte er Englands Schüler etwa trotz lautstarken Protests der Lehrergewerkschaften noch am Montag zur Schule, weil diese „sichere Orte“ seien, wie Johnson am Sonntag betonte – um nur 24 Stunden später die Bildungseinrichtungen schließen zu lassen.

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Es handelte sich abermals um eine Kehrtwende, wie er sie schon so häufig seit Beginn der Pandemie vollzogen hat. Dabei forderten medizinische und wissenschaftliche Regierungsberater angesichts des beunruhigenden Trends und der drohenden Überlastung der Kliniken seit Wochen, wenn nicht seit Monaten einen weiteren harten Lockdown statt des bislang eingesetzten Stufensystems, nach dem je nach Region unterschiedliche Maßnahmen vorherrschen.

Mehr als 76.000 Tote

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Tatsächlich ist eingetreten, was die Fachleute prophezeiten. Großbritannien hat völlig die Kontrolle verloren. Täglich werden neue Rekorde bei den Zahlen an Neuinfektionen gemeldet, am Montag waren es beinahe 59.000. Derweil leiden die Krankenhäuser unter der Masse von Covid-19-Patienten. Deren Zahl sei laut Regierung um 40 Prozent höher im Vergleich zum Höchststand im Frühling.

Und auch die Zahl der Toten steigt seit Oktober wieder kontinuierlich. Seit Beginn der Pandemie sind im Königreich mehr als 76.000 Menschen gestorben, die in den letzten 28 Tagen vor ihrem Tod positiv getestet wurden.

Immerhin gab es auch gute Nachrichten. So begann Großbritannien diese Woche mit der Verabreichung des Impfstoffs der Universität Oxford und des Pharmakonzerns AstraZeneca. Das Königreich hatte dem Präparat vergangene Woche eine Notfallzulassung erteilt. Es ist damit nach dem Biontech/Pfizer-Impfstoff das zweite Corona-Vakzin, das auf der Insel zum Einsatz kommt.

Mehr als eine Million Menschen geimpft

Seit Beginn der Impfkampagne am 8. Dezember wurden bereits mehr als eine Million Menschen geimpft. Die Regierung hat es sich jedoch zum Ziel gemacht, bis Mitte Februar alle Über-70-Jährigen, aufgrund von Vorerkrankungen besonders gefährdete Menschen wie auch Mitarbeiter von Pflegeheimen und medizinisches Personal zu impfen, um dann die Restriktionen lockern zu können.

Das würde aber erfordern, dass rund 13 Millionen Menschen bis dahin das Vakzin verabreicht bekommen. Immerhin, anders als beim Biontech-Pfizer-Mittel, kann der Impfstoff aus Oxford bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden, was die Logistik deutlich vereinfacht.

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