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Coronavirus in Frankreich: Ellbogengruß statt Wangenkuss

Touristen vor dem Pariser Louvre tragen Mundschutzmasken. Der Louvre ist am Montag den zweiten Tag in Folge geschlossen geblieben.

Paris. Der Wangenkuss, bei dem die sich Begrüßenden einander je nach Region zwei-, drei- oder gar viermal die Gesichtshälften aneinanderlegen und dabei in die Luft schmatzen, gehört quasi zum französischen Kulturgut – und könnte dem Coronavirus zum Opfer fallen. Die Behörden empfehlen den Verzicht auf “la bise”, wie die Tradition im Französischen heißt, solange das Risiko einer Infizierung groß bleibt.

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Auch der formellere Händedruck sei zu riskant, warnte Ex-Gesundheitsministerin Agnès Buzyn, die sich derzeit im Wahlkampf um das Rathaus von Paris befindet und den Körperkontakt mit Wählern vermeidet, wie sie im Fernsehen sagte: “Die Pariser werden ihre Gewohnheiten ändern und sich an den Ellbogen oder den Füßen berühren.”

Bis zum Montagabend wurden insgesamt 191 Fälle von Covid-19 in zwölf verschiedenen französischen Regionen, darunter auch jenen in der Karibik, gemeldet. Neun Erkrankte befinden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand. Vier Menschen sind inzwischen gestorben, zwölf konnten bereits geheilt werden.

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Regierung verbietet Veranstaltungen ab 5000 Besuchern

Die Regierung beschloss am Samstag, vorerst alle Veranstaltungen mit mehr als 5000 Menschen zu verbieten. So wurden unter anderem der am Sonntag geplante Halbmarathon von Paris wie auch die Buchmesse, die vom 20. bis 23. März mit Zigtausenden Autoren, Gästen und Ausstellern stattfinden sollte, abgesagt. Auch die Musik- und Theaterindustrien stellen sich auf Ausfälle ein.

Disneyland Paris ist weiterhin geöffnet

Das Erziehungsministerium kündigte an, alle Klassenfahrten abzublasen und die laufenden Schülerreisen im Ausland abzubrechen. In einigen betroffenen französischen Gemeinden fällt derzeit der Unterricht aus. Der Louvre blieb sowohl am Sonntag als auch am Montag aufgrund eines entsprechenden Votums der Mitarbeiter geschlossen. Disneyland Paris ist hingegen weiterhin geöffnet, auch Sportveranstaltungen wurden aufrechterhalten.

“Wir müssen heute nicht große Einrichtungen schließen, weil die epidemiologische Situation das nicht erfordert”, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. “Es handelt sich nicht um ein Virus, das in der Luft schwebt, sondern das sich über den Kontakt verbreitet.” Ein Fußballspiel in einem offenen Stadion anzusehen stelle kein Problem dar, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran.

ÖPNV und Zugverkehr bereiten sich auf Epidemie vor

Die Verantwortlichen für den öffentlichen Nahverkehr und die Züge bereiten sich auf eine “mögliche Epidemie” vor, hieß es. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire nannte bereits jetzt die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus “größer als zunächst angenommen”.

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Kritik an französischer Regierung

Präsident Emmanuel Macron sagte mehrere für diese Woche vorgesehene Termine ab, um sich ganz auf das Krisenmanagement zu konzentrieren.

Doch es regt sich auch Kritik an der Regierung. Gegner der umstrittenen Rentenreform bemängelten, dass sie gerade jetzt beschlossen hat, diese per Dekret und ohne Abstimmung im Parlament zu entscheiden, wo große Protestaktionen verboten sind und die Aufmerksamkeit anderswo liegt. Auch gelten die Notaufnahmen in den öffentlichen Krankenhäusern seit Jahren als überlastet – eine Ausbreitung des Virus könnte das System mehr denn je an seine Grenzen bringen, wird befürchtet.

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