Corona-Krise im Iran: Experten befürchten 3,5 Millionen Todesopfer

  • Der Iran ist eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder der Welt.
  • Dennoch bekämpft seine Regierung die Ausbreitung des Virus nur sehr zaghaft - und gerät dafür in die Kritik.
  • Nun liefern Experten aus Teheran erschreckende Zahlen.

Teheran. Irans Präsident Hassan Ruhani hat sich gegen Kritik am Umgang mit der Corona-Krise verteidigt. Seine Regierung sei ehrlich und habe den Ausbruch des Virus Sars-CoV-2 sofort nach Bekanntwerden am 19. Februar mitgeteilt, sagte er am Mittwoch bei einer Rede vor dem Kabinett. “Wir haben mit den Menschen auf ehrliche Weise gesprochen. Wir hatten keine Verzögerung”, fügte er hinzu.

Kritiker werfen der Regierung vor, langsam und nicht angemessen reagiert zu haben. Behördenmitarbeiter hatten zunächst mehrere Wochen versucht, Geistliche zu überzeugen, religiöse Stätten zu schließen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Diese Woche wurde deren Schließung offiziell veranlasst. "Es war natürlich schwer, Moscheen und heilige Stätten zu sperren, aber wir haben es gemacht", sagte Ruhani. Es sei eine religiöse Pflicht gewesen.

Zahl der Toten steigt weiter an

Trotz der Schließungen steigt die Zahl der Corona-Toten im Iran weiter an. Mindestens 147 weitere Menschen sind an den Folgen des Virus Sars-CoV-2 gestorben, wie der Vize-Gesundheitsminister Aliresa Raissi am Mittwoch bei einer Fernseh-Pressekonferenz mitteilte. Demnach handelt es sich um einen Anstieg um nahezu 15 Prozent. Insgesamt gibt es den Angaben zufolge im Iran 1135 Todesopfer und 17.361 Infizierte.

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Experten: Bei realistischer Prognose 3,5 Millionen Tote

Iranische Experten warnen davor, dass die Maßnahmen der Regierung nicht ausreichend seien: Das Land könnte wegen seiner langen Untätigkeit 3,5 Millionen Corona-Tote zu verzeichnen haben.

Wie der Rundfunk “Deutsche Welle” berichtet, haben Wissenschaftler der Scharif-Universität in Computermodellen den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie im Iran simuliert. Sollte die Regierung demnach mit sofortiger Wirkung alle Risikogebiete unter Quarantäne stellen und die medizinischen Versorgung ununterbrochen gewährleistet sein, so würde das Land in etwa einer Woche den Höhepunkt der Pandemie mit geschätzten 12.000 Todesopfern verzeichnen.

Dieses Szenario sei jedoch unrealistisch, da die Regierung keine Quarantäne verhängen könne. Der Grund: Die Bevölkerung im Iran ignoriert die Anweisungen der Behörden schon jetzt weitestgehend und die medizinische Versorgung könne aufgrund der US-Sanktionen nicht gewährleistet werden.

Die in den Augen der Experten realistische Prognose hingegen zeichnet ein wesentlich düsteres Bild ab: So soll das Land erst Ende Mai den Höhepunkt der Pandemie erreichen und hätte dann um die 3,5 Millionen Todesopfer zu beklagen.

Wegen Neujahrsfest Nowrus: Irans Bürger ignorieren Quarantäne

Die Pandemie wirft auch einen Schatten auf das am Freitag beginnende persische Neujahrsfest Nowrus. Mitarbeiter im Gesundheitswesen forderten die Iraner auf, Reisen und überfüllte Plätze zu meiden. Dennoch waren die Supermärkte in Teheran am Mittwoch voll. Auch die Straßen waren voll, weil Familien zu Angehörigen in andere Städte reisten.

Der Iran ist das am stärksten von dem Virus betroffene Land im Nahen Osten. Millionen Menschen in der Islamischen Republik könnten sterben, wenn die Menschen weiterhin reisten und Gesundheitsrichtlinien ignorierten, sagte die Regierung am Dienstag.

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RND/AP/ms

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