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Coronavirus: Hilft die Erfahrung mit Infektionskrankheiten in Afrika?

  • Infektionserkrankungen wie Malaria, Cholera und Tuberkulose gehören in afrikanischen Ländern zum Alltag.
  • Die Erfahrung damit könnten den Menschen im Umgang mit dem Coronavirus helfen.
  • Vielleicht macht dieses Leben mit den Krankheiten aber auch sorglos.
Wolfgang Drechsler
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Afrika steht in seinem Kampf gegen die Corona-Pandemie an einem entscheidenden Punkt: Lange Zeit war der nur lose mit der Welt(wirtschaft) verzahnte Kontinent vergleichsweise glimpflich davongekommen – jetzt haben sich die bestätigten Fälle innerhalb von zwei Wochen von knapp 1000 auf mehr als 8000 erhöht. In fast jedem der 54 afrikanischen Staaten gibt es Corona-Infektionen, die meisten davon mit 1320 Fällen in Süd­afrika. Die Dunkelziffer aber dürfte schon wegen der geringen Testmöglichkeiten sehr groß sein.

Einer von drei Afrikanern stirbt an Infektionskrankheiten

Immerhin hat die bittere Erfahrung mit anderen Epidemien wie Ebola oder dem hoch ansteckenden Kongo-Fieber dazu geführt, dass einige Staaten sofort Tracker-Teams zur Verfolgung der Ausbreitung eingerichtet haben, um früh handeln zu können. Die Grenzen wurden fast überall früh dichtgemacht. Auch könnten sich die Erfahrungen mit anderen Infektionskrankheiten wie Malaria, Cholera und Tuberkulose als nützlich bei der Bekämpfung erweisen. Während in Afrika etwa einer von drei Todesfällen von einer Infektionskrankheit verursacht wird, ist dies in Europa nur bei einem von 50 Toten der Fall.

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Vielleicht ist es aber auch diese Erfahrung, warum viele Afrikaner dem neuen Virus relativ unbesorgt begegnen. Wenn das ganze Leben ein Existenzkampf ist, fällt es schwer, sich über etwas zu sorgen, das man nicht einmal sieht. Das Durchschnittsalter der 1,2 Milliarden Afrikaner liegt bei nur 19,5 Jahren, was zu weniger Opfern führen könnte, weil Corona vor allem die Älteren bedroht. Die Millionen, die mangelernährt sind, etwa in Somalia, werden dem Virus jedoch auch nichts entgegenzusetzen haben. Oder die, die in riesigen Armutsvierteln dicht an dicht leben – mit Wasserstellen und Toiletten, die sich Hunderte teilen.

Ein heftiger Corona-Ausbruch würde die extrem fragilen Gesundheitssysteme hoffnungslos überfordern und könnte im schlimmsten Fall bis zu 10 Millionen Menschen das Leben kosten.

Mehr noch als die gesundheitliche Bedrohung schreckt jedoch viele der Stillstand der Weltwirtschaft. Es gibt nirgendwo einen Wohlfahrtsstaat. Vor allem die vielen Kleinhändler im dominanten informellen Sektor sind auf tägliche Einnahmen angewiesen und geraten schnell in Existenznot. So gut wie kein afrikanischer Staat hat die Mittel, seiner Bevölkerung oder seinen jungen Unternehmen irgendwie durch die Krise zu helfen.


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