Großbritanniens neidvoller Blick auf Deutschland

  • Wenn es um den Kampf gegen das Coronavirus geht, wird in Großbritannien häufig nach Deutschland geblickt.
  • Kommentatoren äußern den Wunsch nach einer starken Führungsfigur – einer wie Kanzlerin Angela Merkel.
  • Auch im Hinblick auf Corona-Tests und die Lockerung der Beschränkungen schaut das Königreich neidisch auf die Bundesrepublik.
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London. Wenn sich täglich ein Regierungsvertreter in der Downing Street an die Nation wendet, um diese in der Coronavirus-Krise auf den neuesten Stand zu bringen, dann hagelt es anschließend in der Regel Kritik. Besonders unter Druck geraten Minister sowie beratende Wissenschaftler stets dann, wenn auf Deutschland verwiesen wird. Und das passiert häufig.

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Warum sterben in der Bundesrepublik deutlich weniger mit Covid-19 Infizierte als auf der Insel? Warum schaffen es die Deutschen, so viel mehr zu testen? Was können wir von Deutschland lernen? Mittlerweile rollen bei der Erwähnung der europäischen Vorbildnation etliche Briten schon mit den Augen.

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London-Korrespondentin Katrin Pribyl berichtet im Gespräch mit RND-Reporterin Marina Kormbaki vom Umgang der Briten mit der Corona-Pandemie.  © Katrin Pribyl/RND

Mehr als 19.000 Corona-Tote in Großbritannien

“Wie es Deutschland richtig machte, während Großbritannien falsch lag”, titelte der „Telegraph“ und damit ausgerechnet jene europaskeptische Zeitung, die gern gegen den Kontinent stänkert und dafür den Patriotismus im Königreich beschwört. Doch Experten befürchten, dass Großbritannien mit Blick auf die Sterberate das am schlimmsten betroffene Land in Europa werden könnte. Oder es gar schon ist?

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Der Ausgangspunkt des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan (China). In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © Katrin Pribyl/RND
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Bis Freitag wurden allein in den Krankenhäusern mehr als 19.000 Tote gezählt. Jene Menschen, die zu Hause oder in Pflegeheimen gestorben sind, werden in der Statistik nicht erfasst, Schätzungen gehen von rund 8000 zusätzlichen Opfern aus. In Großbritannien vergleichen Kommentatoren das dortige Krisenmanagement eher mit jenem von US-Präsident Donald Trump – und äußern den Wunsch nach einer starken Führungsfigur wie Kanzlerin Angela Merkel, deren “Fachgebiet” Krisen seien, wie ein Reporter meinte.

Der anfängliche Zickzackkurs des Boris Johnson

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Premier Boris Johnson dagegen wird von vielen Seiten Inkompetenz vorgeworfen. Anders als Merkel fuhr er zunächst einen Zickzackkurs, zögerte mit Maßnahmen und sandte unklare, Verwirrung stiftende Botschaften aus. Bis heute herrscht Chaos. Auch wenn Gesundheitsminister Matt Hancock versprochen hat, dass bis Ende April pro Tag 100.000 Tests durchgeführt werden sollen, finden derzeit nicht einmal 20.000 täglich statt.

Selbst Ärzte, Schwestern und Pfleger, die weiterhin über den Mangel an Schutzausrüstung wie Masken und Kitteln klagen, werden lediglich getestet, wenn sie oder Familienmitglieder Symptome zeigen, ganz zu schweigen von der restlichen Bevölkerung.

Lockdown in Großbritannien bis mindestens 7. Mai

Das dezentral organisierte Deutschland dagegen, so werden die Briten nicht müde zu betonen, führe seit Beginn der Pandemie deutlich mehr Tests durch – der Schlüssel zum Erfolg in der Pandemie. Damit nicht genug.

Mit Neid blickt das mit dem Lockdown strauchelnde Land auf den Kontinent, wo die ohnehin weniger strikten Ausgangsbeschränkungen nun weiter gelockert wurden. Die Maßnahmen im Königreich gelten bis zum 7. Mai – “mindestens”.

RND

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