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Corona zwingt Länderchefs in die Knie: Bodo Ramelow geht aufrecht nach Canossa

  • Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat lange für eine eher liberale Corona-Politik geworben.
  • Unter dem Druck der Pandemie schlägt der Linken-Politiker jetzt einen entgegengesetzten Kurs ein.
  • Das wirkt widersprüchlich, passt aber zu seinem Naturell.
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Berlin. Dass Bodo Ramelow für Furore sorgt, ist nichts Neues. Anfang Dezember 2014 war das so, als sich der Linken-Politiker zum ersten Ministerpräsidenten seiner Partei wählen ließ. Oder Mitte Juli 2020, als er dem AfD-Abgeordneten Stefan Möller im Landtag den Mittelfinger zeigte und ihn einen „widerlichen Drecksack“ nannte.

Ein paar Monate zuvor hatte derselbe Ramelow noch eingeräumt, einen AfD-Vertreter zum Vizepräsidenten des Landtages mit gewählt zu haben. Der 64-Jährige verdutzt gern Freund und Feind.

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Was er in der bald zwölf Monate währenden Corona-Krise tut, geht darüber noch hinaus. So kündigte Ramelow im Mai als einer der Ersten an, die damaligen Corona-Beschränkungen komplett aufheben zu wollen. Als Angela Merkel die Ministerpräsidenten Ende Oktober zu neuen Verschärfungen drängen wollte, sagte Ramelow: „Ich bin keine nachgeordnete Behörde des Kanzleramtes.“ Bald darauf war dessen Chefin in der Leitung.

Keine halben Sachen

Nun geht Ramelow aufrecht nach Canossa. Nach Weihnachten erklärte er, die aktuellen Beschränkungen würden wohl bis März dauern. Neuerdings regt er an, wegen der grassierenden Pandemie die Wirtschaft herunterzufahren, und focht für einen Bewegungsradius von maximal 15 Kilometern.

Ja, der Ministerpräsident scheut sich nicht mehr zu sagen, dass er auf dem falschen Dampfer war. Merkel habe „recht gehabt, und ich habe unrecht gehabt“, sagte er im ZDF. Auch das folgt der Devise: keine halben Sachen.

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Zwar regt sich Widerstand in der rot-rot-grünen Minderheitsregierung. Jenseits des Rennsteigs wird dem Wahl-Thüringer aber Lob, ja Bewunderung zuteil für so viel Freimut. In jedem Fall hat sein Vorgehen Gründe.

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Da ist zunächst Ramelows Charakter. Der langjährige Gewerkschaftssekretär ist sehr emotional – und entsprechend impulsiv. Politisches Kalkül kommt hinzu. Seit seiner Wahl zum Regierungschef legt Ramelow Wert darauf, nicht als Linker wahrgenommen zu werden, sondern pflegt einen präsidentiellen Stil – so wie sein grüner Amtskollege Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg. Seine Rhetorik ist entsprechend wuchtig. Die Zuwächse für die Linke bei der Landtagswahl 2019 belohnten das.

Kretschmer rudert zurück

Dabei bricht sich in Ramelow auch das Bedürfnis nach Anerkennung bahn; er kommt aus armen Verhältnissen, musste sich hochboxen. Der Aufstieg war dem Mann nicht in die Wiege gelegt. Das merkt man.

Schließlich hat der Ministerpräsident das Virus gegen sich. Das hat er mit benachbarten Ministerpräsidenten gemein. Es sah ja auch lange so aus, als mache die Pandemie um den Osten einen Bogen. Jetzt liegen Sachsen und Thüringen bei den Infektionen vorn – woraufhin Ramelows sächsischer Leidensgenosse Michael Kretschmer (CDU) am Samstag mit dem Satz reagierte: „Ich hätte mir gewünscht, dass ich früher gewarnt worden wäre.“

Covid-19 zwingt die Regenten in die Knie. Aber nur Bodo Ramelow gesteht es unumwunden ein.

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