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Impftempo zum Verzweifeln: Jetzt hilft nur noch eine Zermürbungstaktik

  • Nach wie vor ist die Impfquote zu niedrig.
  • Doch mit immer neuen Werbekampagnen oder Appellen wird es nicht gelingen, der Impfkampagne neuen Schwung zu geben.
  • Dagegen ist Geld ein gutes Druckmittel, weshalb das Ende des Verdienstersatzes bei Quarantäne sinnvoll ist, kommentiert Tim Szent-Ivanyi.
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Berlin. Für Menschen, die sich nicht gegen Corona impfen lassen, obwohl sie es könnten, werden die Zeiten immer ungemütlicher. Ihr Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, ist verglichen mit Geimpften extrem hoch, sie müssen bald die Tests selbst bezahlen, und von immer mehr Veranstaltungen werden sie durch die Anwendung der 2G-Regel ausgeschlossen.

Nun wird bald auch noch die Entschädigung bei Verdienstausfall gestrichen für den Fall, dass die Behörden eine Quarantäne anordnen. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Krankenkassen bei (gewollt) Ungeimpften höhere Beiträge verlangen, um die exorbitanten Kosten für die Behandlung von schweren Covid-19-Erkrankungen abzudecken. Aber selbst das wird bereits diskutiert – zumindest in der privaten Krankenversicherung.

Auf die Frage, ob das alles gerecht und angemessen ist, gibt es eine klare Antwort: Ja.

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Blick auf Impfzahlen lässt einen verzweifeln

Denn der Blick auf die aktuellen Impfzahlen kann einen verzweifeln lassen. Am Montag wurden gerade einmal 223.000 Impfdosen verabreicht. Davon waren lediglich 75.000 Erstimpfungen. Zur Erinnerung: In Deutschland könnten mindestens 1,5 Millionen Dosen täglich gespritzt werden.

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Geht man davon aus, dass eine Impfquote von 85 Prozent der Gesamtbevölkerung erreicht werden sollte, um insbesondere die Kinder unter zwölf Jahren, für die es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt, zu schützen, dann müssen sich noch gut zehn Millionen Menschen impfen lassen.

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Impftempo dümpelt weiter

Dümpelt das Impftempo auf diesem Niveau weiter vor sich hin, dann wird das Ziel erst zum Jahresende erreicht – wenn überhaupt. Lange wurde die Hoffnung gehegt, nach den Sommerferien gebe es noch einmal einen Schub, weil sich dann auch noch die impfen lassen würden, denen die Urlaubsreise erst einmal wichtiger war als ein Impftermin.

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Doch offensichtlich stößt die Impfkampagne mittlerweile an Grenzen: Es verbleiben diejenigen, die sich grundsätzlich verweigern, weil sie irren Verschwörungserzählungen glauben oder Impfungen generell skeptisch gegenüberstehen. Diese Menschen wird man mit Werbe- und Aufklärungskampagnen nicht mehr erreichen können. Auch Appelle an die Solidarität und die Mitmenschlichkeit werden verpuffen. Hier hilft nur eine Art Zermürbungstaktik, die insbesondere beim eigenen Geldbeutel ansetzt.

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Gerecht ist das allemal: Wer sich nicht impfen lässt, gefährdet sich und andere und verursacht im Fall der Erkrankung hohe Kosten. Und dass sich Ungeimpfte über kurz oder lang anstecken werden, ist sicher.

Deshalb zieht auch das Argument von Karl Lauterbach nicht, der meint, das Ende der Lohnersatzleistung für Ungeimpfte werde in diesen Gruppen zu einer (verdeckten) Infektionswelle führen. Schließlich werde sich niemand auf eigene Kosten testen lassen, um dann auch noch ohne Verdienstersatz in Quarantäne zu gehen.

„Pandemie der Ungeimpften“ ist längst da

Nur: Diese Infektionswelle, eine „Pandemie der Ungeimpften“, ist längst da und sie ist sichtbar. Die Infektionsquote ist bei Menschen, die keinen Impfschutz haben, bis zu zehnmal höher als bei Geimpften. Über 90 Prozent der Intensivpatienten sind ungeimpft. Deshalb macht es keinen Sinn, hier geduldig weiter auf mögliche Verhaltensweisen von Ungeimpften Rücksicht zu nehmen. Der Druck muss erhöht werden, so stark und so schnell wie möglich.

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Es ist nach wie vor richtig, nicht auf eine Impfpflicht zu setzen, weil das schlichtweg nicht durchsetzbar erscheint. Das darf aber kein Freibrief dafür sein, sich seine Freiheit rücksichtslos zu Lasten und auf Kosten anderer zu sichern. Denn genau das tun diejenigen, die sich nicht impfen lassen. Da ist es nur legitim, wenn sich die Mehrheit der Vernünftigen dagegen wehrt.

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