Corona: Weihnachten 2020 wird ein Fest der Improvisation

  • Die leichte Entspannung bei den Corona-Infektionszahlen ist leider noch keine wirklich gute Nachricht.
  • In den Staatskanzleien macht sich längst die Gewissheit breit, dass es nicht reichen wird, bis Ende November noch einmal die Luft anzuhalten.
  • So oder so – Weihnachten 2020 wird ein Fest der Improvisation werden, kommentiert Eva Quadbeck.
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Berlin. Die leichte Entspannung bei den Corona-Infektionszahlen ist leider noch keine wirklich gute Nachricht. Die Infektionszahlen steigen an. Das Problem wächst also weiter – nur langsamer. Von der eigenen Zielsetzung, die Zahl der Ansteckungen unter 50 pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen zu halten, sind Bund und Länder inzwischen Lichtjahre entfernt.

Auch wenn die aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens beibehalten werden, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die meisten Regionen in Deutschland bis Ende des Monats zu dieser Größenordnung zurückkehren. Wenn sich die Ministerpräsidenten am kommenden Montag erneut mit der Kanzlerin treffen, werden sie also keine Lockerungen beschließen können. Im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass noch weitere Einschränkungen folgen.

In diesen Tagen flüchten sich die verantwortlichen Politiker in die Dauerfloskel, dass die Lage ernst sei. Diese Umschreibung ist immer auch ein Ausdruck der Ratlosigkeit. In den Staatskanzleien der Bundesländer macht sich längst die Gewissheit breit, dass es nicht reichen wird, bis Ende November noch einmal die Luft anzuhalten und sich dann auf Weihnachten zu freuen.

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Es wird nicht leicht, der Vernunft den Vorzug zu geben

So oder so – Weihnachten 2020 wird ein Fest der Improvisation werden. Viele Menschen stehen vor moralisch schwierigen Fragen: Was ist für Eltern und Großeltern schlimmer – die Gefahr der Ansteckung durch Kinder und Enkel oder das Alleinsein an den Feiertagen?

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21.866 neue Corona-Infektionen in Deutschland
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Am Donnerstag, den 12.11. sind die Corona-Neuinfektionen wieder leicht angestiegen, jedoch lässt sich eine allgemeine Abflachung abzeichnen.  © dpa

Selbst wenn die Politik auch für den Dezember noch zahlreiche Schutzmaßnahmen verhängen sollte, werden Familien und Freunde im kleinen Kreis ausloten müssen, welche Risiken sie beim Reisen und für ihre traditionellen Treffen eingehen. Es wird nicht leicht, der Vernunft den Vorzug zu geben – und dann kommt auch noch Silvester.

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Die Gefahr ist groß, dass in den nächsten Monaten zwischen Lockdown und Lockerung immer wieder hin- und hergeschaltet wird. Doch mit jeder Kehrtwende wird die Moral in der Bevölkerung sinken, sich an die Maßnahmen zu halten. Das kann man beispielsweise an einer Auswertung der aktuellen Bewegungsdaten von Mobiltelefonen ablesen.

Die Mobilität der Bürger ist in diesem zweiten weniger harten Lockdown nur leicht gesunken. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Bund und Länder planvoll, einig und mit Augenmaß vorgehen. Das war allerdings noch nie die Stärke der Ministerpräsidentenkonferenz. Zu groß sind die Unterschiede in der Vorstellung, was gut und richtig ist.

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Im Osten sind die Infektionszahlen immer noch deutlich geringer als im Süden und im Westen. In NRW denkt der Regierungschef seine Ambitionen auf den CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur mit. Im Nordosten denkt die gerade von einer Krebserkrankung geheilte Ministerpräsidentin vor allem an den Schutz ihrer Bürger.

Es war die richtige Entscheidung, den Präsenzunterricht fortzusetzen

Derweil geht im Schulbetrieb längst alles drunter und drüber. Bei mehrstündigen Klausuren herrscht Maskenpflicht. Im Sportunterricht danach kommt man sich wieder ohne Schutz schwer atmend nahe. Welche Konsequenzen gezogen werden, wenn ein Schüler positiv getestet wurde, dafür gibt es noch nicht einmal grobe Vorgaben. Jede Schule, jeder Bezirk und jedes Bundesland wurstelt vor sich hin.

Es war die richtige Entscheidung, den Präsenzunterricht fortzusetzen. Es muss dafür aber einen Plan geben. Es muss ein Rahmen geschaffen werden, unter welchen Bedingungen einzelne Schüler und Lehrer, wann ganze Klassen, Stufen oder Schulen in Quarantäne müssen.

Ansonsten müssen sich die Länder keinerlei Gedanken über vorgezogene Weihnachtsferien machen, dann werden ohnehin wieder alle im Lockdown sitzen.

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