Corona-Krise: Das Beherbergungsverbot ist Unsinn

  • Ein Mittel, mit dem Bund und Länder jetzt gegen die Corona-Pandemie kämpfen, ist das Beherbergungsverbot.
  • Wer in Deutschland in einem Gebiet mit sehr vielen Corona-Fällen wohnt, kann kein Hotelzimmer woanders bekommen.
  • Das Vorgehen klingt auf den ersten Schritt logisch, es funktioniert aber nicht, kommentiert Tobias Peter.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die stark gestiegenen Corona-Infektionszahlen, gerade in Ballungsräumen, sind ohne jeden Zweifel ein Warnsignal. Bund und Länder müssen gegensteuern – und dabei kann es immer wieder zu Entscheidungen kommen, die für viele Menschen lästig oder wirtschaftlich bedrohlich sind.

Umso wichtiger ist es, dass der Politik eines gelingt: Die Akzeptanz für Einschnitte ins öffentliche Leben, so sie im Kampf gegen die Pandemie notwendig sind, muss hoch bleiben. Dafür müssen die einzelnen Maßnahmen nachvollziehbar sein.

Beherbergungsverbot bietet viele praktische Probleme

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Beim Beherbergungsverbot für Reisende aus Gebieten in Deutschland, in denen die Infektionszahlen hoch sind, ist das nicht der Fall. Beim ersten Hören klingt es vielleicht logisch: Wenn jemand aus einem Gebiet mit erhöhtem Risiko innerhalb Deutschlands kommt, muss er ja nicht unbedingt woanders im Hotel übernachten – es sei denn, er hat einen negativen Corona-Test.

Doch genau da fangen die Probleme schon an: Es ist mehr als fragwürdig, wenn für Ferienreisende hier Testkapazitäten in Anspruch genommen werden, die an anderer Stelle besser eingesetzt werden könnten. Blanker Unsinn ist es, wenn der Berliner nicht in Brandenburg im Hotel übernachten darf, aber bei seinem Kollegen auf der Couch nächtigen könnte. Und das alles, während Menschen aus beiden Bundesländern ohnehin jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit massenweise gemeinsam in S-Bahnen sitzen.

Wer dann wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das Beherbergungsverbot für Menschen aus Risikogebieten in anderen Bundesländern in Kraft setzt, aber nicht für solche Menschen aus dem eigenen Land, verspielt zusätzlich Glaubwürdigkeit. Das ist verantwortungslos.

Anzeige

Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten sollten das unsinnige Beherbergungsverbot kippen. Viel wichtiger ist es, in Corona-Hotspots konsequent Partys zu unterbinden, die zu unkontrollierbaren Infektionsketten führen.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen