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Corona-Clips „#besondereHelden“: Das ist nicht lustig

Anton und Luise Lehmann sitzen in einer fiktiven Zukunft auf dem Sofa und erinnern sich an das Jahr 2020. Eine Firma von Joko Winterscheid und Klaas Heufer-Umlauf hat im Auftrag der Bundesregierung scherzhafte Propagandavideos für das Zuhausebleiben in der Corona-Krise gedreht. Nichtstuer auf der Couch werden zu Helden erklärt.

Anton und Luise Lehmann sitzen in einer fiktiven Zukunft auf dem Sofa und erinnern sich an das Jahr 2020. Eine Firma von Joko Winterscheid und Klaas Heufer-Umlauf hat im Auftrag der Bundesregierung scherzhafte Propagandavideos für das Zuhausebleiben in der Corona-Krise gedreht. Nichtstuer auf der Couch werden zu Helden erklärt.

Lachen hilft nicht gegen das Virus, allein schon wegen der Aerosole. Aber Humor könnte helfen, schließlich wird die Lage Tag für Tag weniger witzig. „Treffen Sie niemanden“, sagt Sebastian Kurz in Wien und schickt seine Republik in die Vollbremsung. Die Kanzlerin sucht vermutlich schon nach einem ähnlichen Satz, den sie am Montag nach der Schalte mit den Länderchefs sagen kann.

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Warum nicht mal was Witziges, aber mit Moral von der Geschicht, also so Joko-und-Klaas-mäßig? Ein bisschen Slowdownhumor, davon gab es im Frühjahr irgendwie mehr als jetzt in der dräuenden Depressionsjahreszeit.

So dachten sie höchstwahrscheinlich im Bundespresseamt, so saßen auch die Jungs (es können nur Jungs gewesen sein) in der Werbeagentur zusammen. Dann beauftragten sie – logisch – Joko und Klaas für Werbespots. Corona-Regierungspropaganda mit „Augenzwinkern“.

Es gewann, logisch: der älteste Witz aus den Slowdownchats des Frühjahrs. „Ich liege auf dem Sofa und bekämpfe das Virus. Ich bin ein Held.“ Umgesetzt wurde er im Duktus einer Historydoku, nur einer aus der Zukunft. „50 Jahre Corona“ dürfte sie heißen, ausgestrahlt 2070, mit den unvermeidlichen Zeitzeugen. Da sitzen also Veteranen bei dröhnender „Opa erzählt vom Krieg“-Musik und erinnern sich an den Winter, in dem sie Helden waren. „Wir taten, was von uns erwartet wurde.“ Kunstpause. „Wir taten –“, noch eine Kunstpause, „– nichts. Absolut nichts.“

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Dann sieht man in der ersten Folge einen Studenten, in der zweiten Folge denselben Jungen mit Freundin, beim gepflegten Gammeln. Dienstbare Geister liefern Fast Food. Aufgaben und Arbeit scheint es nicht zu geben, die Wohnung ist groß, ruhig und beheizt. Partys sind egal, man hat ja Netflix, Pizza und sich.

Ja, ist ganz witzig, es mögen Menschen. Laut Twitter lieben sogar Briten die Spots, aber die haben ja schon länger nichts mehr zu lachen, das senkt vielleicht die Ansprüche. Aber mal abgesehen von der entgleisten Kriegsrhetorik: Wir schauen zwei Menschen ohne Pflichten und Sorgen beim Gammeln zu.

Wie sollen das Eltern finden, die seit März im Homeschooling-/Homeoffice-/Hotspot-Unterricht-Stress sind? Wie sollen das die wahren Helden finden, für die schon lange keiner mehr klatscht – also Krankenschwestern und Pfleger? Wie diejenigen, die zu Hause nicht Langeweile und Hähnchenschenkel finden, sondern Stress und Gewalt?

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Was ist witzig daran, dass über den Sommer alles versäumt wurde, das diesen Winter erträglicher gemacht hätte, von der Digitalisierung der Gesundheitsämter bis zur Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer? Wieso soll eigentlich die Zielgruppe jetzt mit der Bundesregierung lachen, nachdem alle Politiker die ach so unverantwortliche Partyjugend als Hauptproblem für die zweite Welle beschimpft haben?

Andererseits: Der Winter wird hart genug. Je ernster die Lage, desto mehr Humor ist nötig. Aber denkt euch noch mal neue Witze aus. Zeit genug dafür ist bald.

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