Coronaverdacht in Regierungsjet: Luftwaffe stellt Abläufe klar

  • Beim Rückflug von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) aus Indien gab es am vergangenen Freitag einen Coronaverdacht im Regierungsflieger.
  • Das sei ein Fehlalarm gewesen, hieß es am Wochenende.
  • Trotzdem sieht sich das Verteidigungsministerium nun genötigt, einige Abläufe klarzustellen.
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Berlin. Noch am Sonntag hatte es so ausgesehen, als würde sich alles in Wohlgefallen auflösen. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) persönlich gab Entwarnung: Der Coronaverdacht, den es am Freitag bei seinem Rückflug von einer Dienstreise aus Indien und Bangladesch gegeben habe, sei auf eine Falschinformation zurückzuführen, ließ der Minister via “Bild am Sonntag” wissen. Den zuerst vermuteten Kontakt der Crew seines Regierungsflugzeugs zu einem infizierten Piloten habe es nicht gegeben, zitierte das Boulevardblatt den CSU-Politiker. Einen von Müller selbst angebotenen Test auf das Virus hätten Ärzte der Bundeswehr und der bayerischen Landesbehörden als nicht notwendig eingeschätzt.

Zuvor hatte die ARD eine haarsträubende Kommunikationspanne im Bundesverteidigungsministerium gemeldet. Ein Hörfunkjournalist, der Müller bei dessen Reise nach Indien und Bangladesch begleitet hatte, berichtete über einen Anruf von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bei ihrem Kabinettskollegen Müller, der diesen in der Luft eine halbe Stunde vor der avisierten Landung der Bombardier Global 6000 in München entgegengenommen habe. Kramp-Karrenbauer, so der Bericht weiter, habe Müller mitgeteilt, dass der Pilot, der seine Maschine nach Bangladesch geflogen und dort das Kommando übergeben habe, nach seiner Rückkehr positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Die Bundeskanzlerin sei bereits informiert worden, möglicherweise sei häusliche Quarantäne nötig.

Allerdings hatte ein Crewwechsel nie stattgefunden, Müller war mit denselben Soldaten nach Bangladesch und Indien gereist und zurückgeflogen. Das “Missverständnis” habe sich erst aufgeklärt, nachdem die Regierungsmaschine in München gelandet sei und Amtsärzte der Bundeswehr und der bayerischen Landesregierung an Bord gegangen seien, so der Reporter weiter. Weil sich auch eine andere Meldung nicht bestätigt habe, wonach der Co-Pilot der Müller-Maschine über eine weitere Person mittelbar Kontakt zu einem tatsächlich infizierten Flugbegleiter der Bundeswehr Kontakt gehabt haben soll, hätten die Amtsärzte am Ende Entwarnung gegeben, so der ARD-Bericht.

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Die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen, um sich gegen das Coronavirus zu schützen.  © Andreas Niesmann/RND

Flugzeugcrew ließ sich vorsorglich testen

Am Montag stellte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums die Situation anders dar. Demnach habe es sehr wohl einen Kontakt zwischen dem Co-Piloten des Indien-Flugs und dem positiv auf das Coronavirus getesteten Soldaten aus dem Verwaltungsbereich der Flugbereitschaft in Köln-Wahn gegeben, und zwar nicht nur mittelbar, sondern persönlich. Es habe einen “sehr kurzen und oberflächlichen Kontakt” zwischen den beiden Männern gegeben, so der Sprecher. Der Co-Pilot sei als Kontaktperson der “Kategorie zwei” (geringeres Infektionsrisiko) klassifiziert worden. Laut Robert-Koch-Institut seien bei solchen Personen keinerlei Maßnahmen erforderlich, da die Expositionszeit zu gering sei. Deshalb hätten sich nach der Landung des Flugzeuges die Amtsärzte Bayerns und der Bundeswehr einvernehmlich gegen einen Schnelltest oder häusliche Quarantäne entschieden.

Gleichwohl habe sich die Bundeswehr-Crew nach ihrer Rückkehr nach Köln dann doch testen lassen – “vorsorglich”, wie der Sprecher betonte. Alle Tests seien negativ ausgefallen. Eine Ansteckung der Insassen des Regierungsflugzeugs durch den Co-Piloten könne damit “definitiv" ausgeschlossen werden, so der Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Zu den Vorwürfen, dass es eine Kommunikationspanne gegeben habe, wollte sich das Verteidigungsministerium auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) nicht äußern.

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