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  • Corona und die Rente: Nullrunde für die Rentenversicherung im Westen - im Osten voraussichtliche Steigerung von 0,72 Prozent

Corona und die Rente: Warum viele Menschen eine Nullrunde erwartet

  • Im Westen wird es bei der Rente im kommenden Jahr wohl eine Nullrunde geben, im Osten eine minimale Steigerung.
  • Das hat unmittelbar mit dem wirtschaftlichen Einbruch durch die Corona-Pandemie zu tun.
  • Wie sehen die Finanzen der Rentenversicherung aus, wie geht es in den kommenden Jahren weiter?
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Berlin. Rentner im Westen müssen sich im kommenden Jahr auf eine Nullrunde einstellen. Im Osten werden die Renten dagegen voraussichtlich um 0,72 Prozent steigen. Das sagte der alternierende Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel, am Mittwoch in einer Videokonferenz vor Journalisten.

In den Jahren zuvor sind die Renten zehnmal in Folge erhöht worden. Im Juli 2020 waren trotz der Wirtschaftskrise im Juli die Bezüge der 21 Millionen Rentner deutlich angehoben worden: im Westen um 3,45 Prozent und im Osten um 4,2 Prozent.

Warum gab es in diesem Jahr eine Erhöhung?

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„Die Rentenanpassung zum 1. Juli 2020 mag von einigen – bei anhaltender Kurzarbeit, steigender Arbeitslosigkeit und drohendem Beschäftigungsabbau in vielen Branchen – als hoch empfunden worden sein“, sagte Gunkel. Er verwies aber darauf, dass sich die Rentenanpassung nach den geltenden Regeln jeweils an der Lohnentwicklung des Vorjahres orientiert. Und die sei vor der Corona-Pandemie eben gut gewesen.

Im kommenden Jahr allerdings schlägt die Corona-Pandemie dann auf die Renten durch. Nach jetzigem Datenstand müssten die Renten – wenn man sie anhand der Formel errechnet – sogar sinken. Das geschieht jedoch nicht, da es eine Schutzklausel, die sogenannte Rentengarantie gibt, die dies verbietet.

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Im Prinzip gibt es einen Nachholfaktor, der vorsieht, dass zum Ausgleich künftige Rentenerhöhungen geringer ausfallen sollen, wenn die Löhne dann wieder steigen. Die Idee dahinter: Die Älteren, die von einer Rentenkürzung verschont wurden, sollen dann im Nachhinein einen Beitrag zur Generationengerechtigkeit leisten.

Dieser Nachholfaktor ist allerdings 2018 bis zum Jahr 2025 ausgesetzt worden. Das heißt: Die Rentner müssen nicht befürchten, dass Rentenerhöhungen in künftigen Jahren geringer ausfallen – auch wenn jetzt, entgegen den Berechnungen, eine Kürzung vermieden wird.

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Die FDP findet das ungerecht. „Die Bundesregierung muss den Nachholfaktor wieder einführen“, sagte Johannes Vogel, rentenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, dem RND. „Ich freue mich über jeden Cent, den Rentnerinnen und Rentner mehr in der Tasche haben“, ergänzte er. Gleichzeitig sei es eine Frage der Fairness, dass sich Löhne und Renten langfristig im Gleichschritt bewegen.

Finanzen sind trotz Corona stabil

Gunkel sagte, für das Jahr 2020 würden insgesamt Einnahmen von 328,2 Milliarden Euro und Ausgaben von 332,9 Milliarden Euro geschätzt. Das würde ein Defizit von 4,7 Milliarden Euro bedeuten. Um auf wirtschaftliche Schwankungen reagieren zu können, hat die Rentenversicherung eine Nachhaltigkeitsrücklage aufgebaut.

Diese wird laut Schätzungen der Rentenversicherung am Jahresende noch 36,3 Milliarden Euro betragen. Das entspricht 1,53 Monatsausgaben der Rentenversicherung.

Aufgrund von Einnahmen der Rentenversicherung aus Beiträgen, die auch bei Kurzarbeit und Arbeitslosengeld gezahlt werden, sei die Finanzlage der Rentenversicherung stabiler, als es bei Ausbruch der Corona-Pandemie von manchen befürchtet worden sei, sagte Gunkel.

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