Corona und die Bauern: Das Problem mit dem „Schweinestau“

  • Wegen der Corona-Infektionen in Schlachthöfen und der Afrikanischen Schweinepest waren Bauern auf ihren Schlachttieren sitzen geblieben.
  • Die Folge: Der Preis sank.
  • Immer wieder haben daher Bauern vor Lebensmittel­ketten demonstriert, um höhere Abnahmepreise zu bekommen.
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Berlin. Manche Begriffe wirken lustiger als die Wirklichkeit. „Schweinestau“ gehört dazu. Der hat in diesem Jahr in der Landwirtschaft Karriere gemacht. Weil wegen Corona-Infektionen Schlachthöfe wie der Großbetrieb Tönnies vorübergehend schließen mussten und weil dann auch noch wegen der Afrikanischen Schweinepest der Großabnehmer China den Import von Schweinefleisch stoppte, blieben Bauern auf ihren Schlachttieren sitzen.

Der Stau – das waren nicht hintereinander hertrottende Schweine wie auf einer verstopften Autobahn. Es bedeutete: Der Platz im Stall wird eng.

Die ersten großen Probleme habe es im Herbst gegeben, erzählt Florian Schulze, in dessen Stall im brandenburgischen Niemegk normalerweise 350 Sauen Platz finden – und 2500 Ferkel. Mit dem zweiten Lockdown beginne nun gerade die zweite Stauwelle. Geschlossene Restaurants, keine Würstchenbuden in Sportstadien, keine Feste mit Spanferkel – alles addiere sich da zusammen. „Es ist dann extrem schwierig, Ferkel und Mastschweine loszukriegen. Erst mal ein bisschen enger stellen“, sagt Schulze.

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Demonstrationen für höhere Abnahmepreise

Aber: Ein genau abgesteckter „Produktzyklus“ legt das optimale Schlachtgewicht fest. Die Schlachthöfe wollten „immer den gleichen Schinken“ produzieren, sagt Schulze. „Wenn die Schweine ein oder zwei Wochen weiter wachsen, sind sie schwerer. Dann gibt es weniger Geld.”

Das sei besonders spürbar, weil der China-Markt eingebrochen ist. Der hatte den Preis Anfang 2020 noch auf Rekordstand hochgetrieben – von dem am Ende des Jahres etwa ein Viertel geblieben ist: „Das ist so wenig wie lange nicht.“

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Immer wieder haben daher Bauern vor Lebensmittelketten für höhere Abnahmepreise de­mons­triert. Rewe und Lidl haben mittlerweile zugesichert, einen Mindestpreis zu garantieren. Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, fordert, dies dürfe keine PR-wirksame Eintagsfliege sein, sondern müsse nachhaltiges Prinzip werden: „Wir können uns einen Deutschland-Bonus vorstellen, gekoppelt an die hohen deutschen Erzeugungsstandards. Es sollte allen in der Lieferkette klar sein, dass der erzielte Mehrwert direkt an die Bauern weitergegeben werden muss.“

Rukwied: Vorübergehende Schließungen müssen vermieden werden

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Zudem sei ein anderer Umgang mit Schlachthöfen gefragt. „Vorübergehende komplette Schließungen von Betrieben müssen unbedingt vermieden werden“, sagt Rukwied. „Es muss alles dafür getan werden, dass die Schlachtwirtschaft auch weiterhin arbeitsfähig bleibt.“

Bei Corona-Fällen in Betrieben müssten die zwischen Einzelunternehmen und Behörden vereinbarten und nachweislich gu­­ten Konzepte umgesetzt werden. Und: „Alle arbeits- und genehmigungsrechtlichen Möglichkeiten müssen genutzt werden, damit nicht betroffene Unternehmen zeitlich begrenzte Ausfälle anderer Betriebe kompensieren können.“

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