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Trump-Berater bestätigt: US-Regierung hat Warnungen ignoriert

  • Donald Trumps Krisenmanagement der vergangenen Monate wirft Fragen auf.
  • Wann wusste der US-Präsident von den Gefahren einer Epidemie in den Vereinigten Staaten?
  • Gesundheitsexperten werfen Trump vor, aus wirtschaftlichen Gründen spät reagiert zu haben.
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Washington. US-Präsident Donald Trump schlägt weiter um sich und weist jede politische Verantwortung für die ausgeprägte Corona-Krise in den USA von sich. Trump hat sich erneut gegen Vorwürfe von Opposition und Medien gewehrt, frühe Warnungen vor dem Coronavirus ignoriert zu haben. Er verstehe nicht, warum die Medien und die US-Demokraten ihn dann so heftig für die Einführung eines Einreiseverbots aus China kritisiert hätten, schrieb Trump am Sonntagabend (Ortszeit) auf Twitter und fügte hinzu: “Korrupte Medien!”

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Ranghohe Berater des Präsidenten hatten Medienberichten zufolge bereits Ende Januar vor einer Coronavirus-Pandemie gewarnt, in deren Folge Hunderttausende Amerikaner ums Leben kommen könnten. Trump selbst beteuerte noch bis Anfang März öffentlich, das Virus sei für die USA kein Grund zur Sorge. Die “New York Times” hatte zuletzt am Samstag über Trumps Vorgehen in der Anfangsphase der Corona-Krise berichtet und kritisiert, der Präsident habe “das Ausmaß des Risikos nur langsam zur Kenntnis genommen” und nicht rechtzeitig reagiert.

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Stattdessen habe sich der US-Präsident aber darauf konzentriert, die Wirtschaft zu schützen und Warnungen zurückzuweisen.

Trump-Berater Fauci bestätigt zögerliches Vorgehen

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Anthony Fauci, mittlerweile führender Corona-Experte in den USA und Teil von Trumps Beratungsteam, bestätigte gegenüber dem TV-Sender CNN ein anfängliches Zögern. Von Moderator Jake Tapper gefragt, warum Trump trotz der internen Warnung erst Mitte März aktiv geworden war, sagte Fauci: “Wissen Sie, wir konzentrieren uns nur auf Gesundheitsfragen. Dann geben wir eine Empfehlung. Oft wird diese Empfehlung angenommen, manchmal nicht. Aber es ist, wie es ist. Wir stehen dort, wo wir nun einmal stehen.”

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Fauci fügte hinzu: “Klar, wenn wir direkt am Anfang alles runtergefahren hätten, hätten wir heute eine andere Situation. Aber es gab damals eine Menge Widerstand gegen einen solchen Schritt.” Ein namentlich nicht genannter Offizieller der Trump-Administration bestätigte CNN zudem, dass führende Gesundheitsexperten der US-Regierung bereits in der dritten Februarwoche dringend zu Social-Distancing-Maßnahmen geraten hatten. Erst am 16. März empfahl das Weiße Haus den Amerikanern, auf Abstand zu gehen.

US-Präsident Trump pocht jedoch schon wieder auf das Hochfahren der Wirtschaft. Voraussichtlich am Dienstag möchte er ein Expertengremium vorstellen, das darüber beraten soll. Fauci hält eine Rückkehr zur Normalität in den USA angesichts der Coronavirus-Krise allenfalls schrittweise und mit regionalen Abstufungen für möglich.

Fauci fürchtet weitere Corona-Welle

Es gebe keinen einheitlichen Ansatz für alle Bundesstaaten, sondern die Lage sei je nach Region und Ausbreitung des Virus sehr unterschiedlich, so der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Möglicherweise könnte dieser Prozess bestimmter Lockerungen „zumindest auf gewisse Weise“ im kommenden Monat beginnen. Vorhersagen dieser Art seien aber schwierig, und man dürfe nicht vorschnell handeln, mahnte der Immunologe. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass später im Jahr eine weitere Welle der Epidemie folgen könnte.

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RND-Videoschalte: „New York ist verängstigt und verschreckt“
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Sebastian Moll, freier Journalist in New York, erzählt im Gespräch mit RND-Korrespondentin Marina Kormbaki vom Schrecken, den Corona über die Stadt bringt.  © RND
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Der Gouverneur von New Jersey, der Demokrat Phil Murphy, sagte CNN, er wäre froh, wenn eine baldige Lockerung der Schutzvorkehrungen möglich wäre. Er warnte aber: „Ich fürchte, wenn wir zu früh wieder öffnen, könnten wir damit Öl ins Feuer gießen.“ Es müsse sichergestellt werden, dass es keine zweite Runde der Krise dieses Ausmaßes gebe. Wichtig sei auch, die nächsten Schritte regional abzustimmen und nicht als einzelner Bundesstaat zu handeln.

Die Universität Johns Hopkins in Baltimore verzeichnete bis zum Sonntagabend 22.073 Todesfälle durch Folgen des Coronavirus in den USA. Damit haben die Vereinigten Staaten weiter die höchste absolute Zahl von Todesopfern infolge der Corona-Pandemie weltweit.

Die Zahl der Todesfälle innerhalb eines Tages in den USA sank mit 1557 unterdessen auf den niedrigsten Stand seit vergangenem Montag. In den 24 Stunden zwischen Donnerstag- und Freitagabend (Ortszeit) hatte die Zahl der Todesfälle bisher einmalig die 2000er-Marke überstiegen. Knapp 560.000 Infektionen mit dem Coronavirus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, wurden der Universität zufolge bisher in den Vereinigten Staaten nachgewiesen.

mit AP und dpa

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