Trump ist zufrieden mit seinen Einschaltquoten in der Corona-Krise

  • US-Präsident Donald Trump freut sich: Seine Krisenbriefings erreichen Zuschauerzahlen wie Football oder Comedyserien.
  • Kritiker finden dieses Eigenlob makaber angesichts von immer mehr Not und immer mehr Todesfällen in den USA.
  • Trump indessen kommt es darauf an, live über den Sender zu gehen – statt eingeordnet oder gar kommentiert zu werden.
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Hannover. Inmitten der Corona-Krise in den USA freut sich Donald Trump über die hohen Einschaltquoten seiner Fernsehauftritte. In ausführlichen Botschaften an seine 75,5 Millionen Follower auf Twitter zitiert der US-Präsident einen Beitrag aus dem Medienressort der “New York Times”.

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“Präsident Trump ist ein Einschaltquotenhit”, heißt es in der vom amerikanischen Staatschef mit unverkennbarem Stolz weiterverbreiteten Passage. “Nachdem die täglichen Briefings im Weißen Haus wiederbelebt worden sind, zieht Trump mit seinen Coronavirus-Updates eine durchschnittliche Zuschauerzahl von 8,5 Millionen an – ungefähr so viele wie das Finale der Serie ‘The Bachelor’. Und die Zahlen wachsen weiter.”

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Um die Passage aus der “New York Times”, die ihm offenbar sehr gut gefiel, ausführlich auszubreiten, nutzte Trump insgesamt drei aufeinanderfolgende Tweets.

Im zweiten Tweet heißt es, nach Daten der Marktforschungsfirma Nielsen hätten allein am vorigen Montag fast 12,2 Millionen Menschen Trumps Briefing auf den Sendern CNN, Fox und MSNBC verfolgt – “das sind Zahlen wie bei ‘Monday Night Football’.” Ein wachsendes Millionenpublikum verfolge Trumps Auftritte zudem “auch auf ABC, CBS, NBC und auf Onlinestreamingdiensten”.

Den dritten Tweet zu dem Thema widmet der US-Präsident einem Teilaspekt: Allein bei Fox News hätten 6,2 Millionen Zuschauer sein Briefing verfolgt – “eine erstaunlich hohe Zahl für eine Sendung um 18 Uhr, die eher der Zuschauerzahl einer Comedyserie zur Hauptsendezeit ähnelt.”

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Trump verspricht 100.000 Beatmungsgeräte
1:18 min
In 100 Tagen sollen in der USA 100.000 Beatmungsgeräte hergestellt werden. Die Autohersteller General Motors und Ford sollen bei der Produktion helfen.  © Matthias Koch/Reuters

In zahlreichen Erwiderungen auf Twitter zeigen Amerikaner inzwischen ihre Abscheu über einen Präsidenten, der während einer für immer mehr Landsleute bedrohlichen oder gar tödlichen Pandemie auf seine Einschaltquoten blickt. Von “niedrigen” Erwägungen ist die Rede.

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Es sei traurig, heute einen Präsidenten zu haben, der in diesen Kategorien denke, sagte etwa Joe Lockhart, Pressesprecher des früheren US-Präsidenten Bill Clinton.

Zu den prominenten Kritikern gehört Sally Yates, die von Trump entlassene frühere Generalstaatsanwältin der USA, eine der einstmals ranghöchsten Juristinnen im Lande.

“Menschen sterben, viele haben Angst”, schrieb Yates. “Mitarbeiter des Gesundheitswesens riskieren oder verlieren gar ihr Leben. Wir haben nicht genug Beatmungsgeräte und Masken. Und unser Präsident suhlt sich in seinen Einschaltquoten?”

Kevin Kruse, ein Geschichtsprofessor der Princeton University, hielt fest, Trump habe bei seinen Quoten noch Luft nach oben: Präsident Nixon habe einst sogar 110 Millionen Zuschauer gehabt – als er seinen Rücktritt erklärte.

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Besonders verstörend aber wird es, wenn man zum Originaltext der “New York Times” vorstößt – der in Wahrheit eine ganz andere Stoßrichtung hat, als Trump es durch seine Zitate insinuiert. Schon im – von Trump unvollständig zitierten – ersten Satz des Artikels von Medienredakteur Michael M. Grynbaum wird klar, worum es eigentlich geht: “Präsident Trump ist ein Einschaltquotenhit, und manche Journalisten und Gesundheitsexperten sagen, dies könne sich zu einer gefährlichen Sache entwickeln.”

In dem Beitrag geht es dann um die Risiken und Nebenwirkungen der bloßen Ausstrahlung von Liveauftritten, zu denen kein Sender verpflichtet sei, wie Ted Koppel, der langjährige ABC-Moderator, hervorhebt. “Die ‘New York Times’ kann auch nicht verpflichtet werden, täglich den Wortlaut einer Regierungserklärung zu drucken.”

Genau diesen Konflikt aber hat Trump längst messerscharf vor Augen. In weiteren Tweets zum Thema Medien zitiert er eine Umfrage von CBS News, wonach nur 13 Prozent der Republikaner den klassischen Nachrichtenmedien glauben, wenn es um Informationen zum Virus gehe. Sein Gegenkonzept ist klar: Er will lieber live über die Sender gehen, als ihnen irgendeine Einordnung und Bewertung zu überlassen.

Ein “Verrückter” aus dem Kreis der “Lamestream-Medien” (Trumps Verballhornung für Mainstream-Medien) habe bereits gewarnt: “Trump erreicht zu viele Leute, wir müssen ihn stoppen.” Die “Lamestream-Medien” wollten, dass seine Regierung scheitere. Mit einem Kampfruf, dies werde nie geschehen, schließt Trump seine sechsteilige Philippika: “That will NEVER happen.”

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