Corona-Tests in den USA: Pleiten, Pech und Pandemie

  • Erst waren die Ergebnisse fehlerhaft, dann das Labor verunreinigt, dann taugte das Prüfgerät nichts: Seit Wochen kommen die Corona-Tests in den USA nicht voran.
  • Präsident Donald Trump lobt trozdem seine Arbeit und versucht, die Gouverneure für das Chaos verantwortlich zu machen.
  • Doch es gibt nicht genügend Abstrichstäbchen und Reagenzgläser im Land.
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Washington. Die Liste wirkte eindrucksvoll. Auf Wunsch des Präsidenten hatten dessen Mitarbeiter penibel alle 5000 Labors aufgelistet, die in den USA auf das Coronavirus testen. “Wir haben einen tollen Job gemacht”, lobte sich Donald Trump und wedelte vor laufenden Kameras stolz mit dem Papierstapel.

Das sehen viele Amerikaner anders, die trotz eindeutiger Symptome von den Notaufnahmen immer noch ohne Test nach Hause geschickt werden. Trump habe “Wahnvorstellungen”, konterte Ralph Northam, der demokratische Gouverneur von Virginia. Selbst im Umfeld des Präsidenten wird das Problem inzwischen eingestanden: Die fehlenden Tests könnten zum “Sargnagel” werden, zitiert die Nachrichtenseite “Politico” einen namentlich nicht genannten republikanischen Spitzenpolitiker.

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Tatsächlich sind die Zahlen ernüchternd. Etwa 500.000 bis 700.000 Tests müssten nach einer Studie der renommierten Harvard-Universität täglich in den USA durchgeführt werden, um die Mehrheit der Infizierten identifizieren und isolieren zu können. Tatsächlich sind es täglich gerade einmal 150.000 – und die Zahl stagniert seit zwei Wochen.

Anderthalb Monate nach dem Lockdown sind in Amerika nach den Zahlen der Johns-Hopkins-Universität rund vier Millionen Menschen überprüft worden. Das ist gut ein Prozent der Bevölkerung. In Deutschland ist die Rate doppelt so hoch.

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In einer bemerkenswerten Titelgeschichte stellte das konservative “Wall Street Journal” der Trump-Regierung jetzt ein verheerendes Zeugnis aus: “Ein Dickicht aus Lieferengpässen, weit verbreiteten Rückstaus, unerwarteten Pannen und unzuverlässigen Ergebnissen vergrößert die nationale Krise”, schreibt das Blatt.

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RND-Videoschalte: Die dramatischen Folgen der Corona-Krise in den USA
9:05 min
US-Korrespondent Karl Doemens schildert im Gespräch mit RND-Hauptstadtkorrespondentin Marina Kormbaki die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Amerikaner.

Tatsächlich herrscht bei den Coronavirus-Tests ein regelrechtes Chaos. Erst lehnten die USA die von der Weltgesundheitsorganisation angebotenen Komponenten ab, weil ihre Seuchenbekämpfungsbehörde Center for Disease Control ein eigenes Verfahren entwickelt hatte. Diese Tests erwiesen sich im Februar dann aber als fehlerhaft. Zudem war das Labor, in dem sie entwickelt wurden, verunreinigt.

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Es mangelt an Abstrichstäbchen und Reagenzgläsern

Nach wochenlangem Zögern erlaubte die Trump-Regierung Ende Februar dann auch privaten Labors, in das Geschäft einzusteigen. Diese nutzen jedoch ganz unterschiedliche Materialien und Methoden, die nicht kompatibel sind. Am 6. März behauptete Trump wahrheitswidrig: “Jeder, der es will, kann getestet werden.”

Ende März präsentierte er bei einer Pressekonferenz ein angebliches Wunder-Testgerät des Herstellers Abbott. Doch dieser Apparat war nie für den Masseneinsatz geplant, und die erforderlichen Kartuschen sind nicht ausreichend verfügbar. Lieferengpässe bei Abstrichstäbchen, Reagenzgläsern und Chemikalien bremsen allerorten die Untersuchungen. “Ich habe 300 Labors in meinem Bundesstaat”, klagt Andrew Cuomo, der Gouverneur von New York: “Aber wir können die Tests nicht bekommen.”

Über die Parteigrenzen hinweg wehren sich die Gouverneure daher gegen Trumps Versuch, ihnen die Verantwortung für das Debakel zuzuschieben. "Das ist eine lokale Angelegenheit", behauptet der Präsident bei jeder Gelegenheit. Schließlich gebe es genügend Labors, die Verantwortlichen müssten sie nur nutzen. Doch ohne Abstrichstäbchen oder Reagenzgläser helfen die Einrichtungen gar nichts. Und bei deren Herstellern konkurrieren derzeit 50 Bundesstaaten miteinander um die begehrte Ware. "Ich kann das Problem nicht lösen", sagt Cuomo.

"Jeder Gouverneur in Amerika drängt und kämpft", widerspricht auch Larry Hogan, der republikanische Gouverneur von Maryland, der Darstellung seines Parteifreundes Trump. Mit Hilfe seiner aus Südkorea eingewanderten Ehefrau hat Hogan das Problem nun selbst in die Hand genommen und in Südkorea 500.000 Test-Kits organisiert, die mit einer Korea-Air-Maschine in Baltimore landeten.

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Das ärgerte den America-First-Apologeten im 50 Kilometer entfernten Weißen Haus mächtig: “Der Gouverneur von Maryland hätte sich das Geld sparen können”, giftete Trump. “Er hätte sich nur schlau machen müssen, wo in seinem Staat Labors sind.”

Hogan bedankte sich vorgeblich höflich für den Tipp: Genau dort würden seine Tests nun nämlich eingesetzt.

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