RKI kritisiert geplante Corona-Tests für Bundesliga-Profis scharf

  • Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will Spieler und Funktions-Teams alle drei Tage auf Corona testen lassen, wenn die Bundesliga-Saison wieder aufgenommen wird.
  • RKI-Vizepräsident Lars Schaade hält davon nichts.
  • Auch aus der Politik hagelt es Kritik.
Tobias Dinkelborg
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Berlin. Das Robert-Koch-Institut hat die Pläne der Deutschen Fußball Liga (DFL) scharf kritisiert, Spieler, Trainer und Mitglieder der Funktions-Teams alle drei Tage mit einem Schnelltest auf Corona testen lassen zu wollen - wenn die Bundesliga tatsächlich am 9. Mai mit Geisterspielen wieder ihren Betrieb aufnehmen sollte. Bis zum Saisonende würden so wohl etwa 20.000 Tests anfallen.

“Ich denke, man sollte die Tests dort anwenden, wo es medizinisch sinnvoll ist. Mehr ins Detail kann ich bei dieser Frage nicht gehen”, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade im Rahmen des regelmäßigen Corona-Briefings des Instituts am Dienstag in Berlin.

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Schon um alle Personen mit Symptomen einer Atemwegserkrankung testen zu können, müssten die Kapazitäten erheblich erhöht werden: auf mehr als eine Million pro Woche. Das sei allerdings aufgrund fehlender Ressourcen und anderer praktischer Gründe “nicht ohne Weiteres möglich”, sagte Schaade.

Kein Sonderrecht für Sportler

Erst recht könne er deshalb nicht verstehen, “warum bestimmte Bevölkerungsgruppen - ob Sportler oder andere - routinemäßig gescreent werden sollten”, ergänzte der RKI-Vize, zumal wenn sie gesund seien.

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Auch in der Politik regt sich Widerstand gegen die Pläne. Monika Lazar, die sportpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), es dürfe “auf keinen Fall zu der Situation kommen, dass Schnelltests, die anderswo medizinisch notwendig sind, Profifußballern vorbehalten werden, um das Produkt Bundesliga am Leben zu halten”. Das wäre unverantwortlich.

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Tönnies will Corona-Tests in seinem Labor durchführen

Unterdessen signalisierte Clemens Tönnies, Aufsichtsratschef des FC Schalke 04, schon vor einigen Tagen, das Vorhaben der DFL unterstützen zu wollen. Der Fleischfabrikant möchte Corona-Tests in seinem Firmenlabor durchführen lassen und damit sowohl der DFL als auch medizinischen Fachlaboren helfen.

Mit der DFL habe es “einen Austausch” gegeben, sagte Tönnies der Deutschen Presse-Agentur: “Die Entscheidung liegt nun bei der DFL. Wenn sie genug Test-Kapazitäten haben, stellen wir unsere anderen zur Verfügung.”

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