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  • Corona-Risiken für Schüler und Lehrer: Quarantäne, Maskenpflicht und geteilte Klassen in der Schule – wie geht es weiter?

Die GEW warnt: „Die Gesundheitsrisiken für Schüler und Lehrer sind zu hoch“

  • Kann es in der Corona-Krise an unseren Schulen so weitergehen wie bislang?
  • Die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, sagt: „Die Infektionszahlen sind in großen Teilen Deutschlands längst so, dass in den Klassenzimmern Abstände eingehalten werden müssen.“
  • Werden jetzt die Klassen wieder geteilt, sodass ein Teil der Schule zu Hause bleiben muss?
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Berlin. Wie viele Schüler befinden sich deutschlandweit bereits in Quarantäne? Sollen die Kinder notfalls auch in Grundschulen im Unterricht Maske tragen? Der Umgang mit den Schulen rückt in der Corona-Pandemie immer stärker in den Fokus der Debatte.

Eltern und Lehrergewerkschaften gehen mit der Politik hart ins Gericht. Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, hat den Kultusministern Versagen vorgeworfen. „Mir scheint die Schätzung des Deutschen Lehrerverbandes, dass 300.000 Schüler in Quarantäne sind, nicht unrealistisch“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Wassmuth forderte von den Kultusministern eine eindeutige Linie in der Corona-Politik ein. „Das, was wir von den Ländern erwarten: Es muss – wie im Rest der Gesellschaft – verlässliche Kriterien geben, ab welchem Punkt beim Infektionsgeschehen man die Sicherheitsmaßnahmen verschärft und etwa mit der ganze Schule in geteilte Klassen wechselt“, sagte er.

„Daran muss man sich dann auch tatsächlich halten. Es ist ein Versagen der Kultusminister, dass es hier an einer klaren Linie fehlt“, kritisierte der Vorsitzende des Bundeselternrats. Er schloss sich zudem einem Vorstoß von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek an, dass notfalls auch im Grundschulunterricht Masken getragen werden sollten.

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Wechsel ins Homeschooling?

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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betonte, die Minister müssten jetzt Konsequenzen ziehen. „Für uns ist klar: Die Infektionszahlen sind in großen Teilen Deutschlands längst so, dass in den Klassenzimmern Abstände eingehalten werden müssen“, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe dem RND. Das bedeute: „Die Klassen müssen geteilt werden.“ Je eine Gruppe wäre dann in der Schule, eine zu Hause, erklärte Tepe. „So wie im Moment unterrichtet wird, sind die Gesundheitsrisiken für Schüler und Lehrer zu hoch.“

Die GEW-Chefin betonte: „Für die Schüler ist es besser, rechtzeitig Klassen zu teilen und so im Unterricht Abstände einzuhalten, als zu riskieren, dass immer mehr Klassen komplett in Quarantäne müssen.“ Wenn Schüler den einen Tag zu Hause arbeiten und den anderen in die Schule kommen könnten, führe das auch dazu, dass sie besser Nachfragen stellen können. „Alles ist besser, als komplett ins Homeschooling wechseln zu müssen“, sagte Tepe.

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Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, verwies darauf, „dass die Bestimmungen der Gesundheitsbehörden sehr unterschiedlich sind“. Beckmann sagte: „Wird in dem einen Landkreis die ganze Klasse in Quarantäne gesetzt, sind es in dem anderen nur die direkten Banknachbarn – wenn überhaupt, weil ja gelüftet wurde.“

Das sei nicht nachvollziehbar und führe zu Unmut und Verunsicherung, sagte der Lehrergewerkschafter. Deshalb brauche es klare und transparente Regelungen, wann wer in Quarantäne gehen müsse. „Und übrigens auch, wie das dann für Familienmitglieder gehandhabt wird“, sagte Beckmann. „Wenn der kleine Bruder oder die große Schwester weiter in die Schule geht, können Sie sich jede Quarantäneanordnung sparen.“

Die umstrittene Schätzung

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Über die Schätzung des Lehrerverbandpräsidenten Heinz-Peter Meidinger, 300.000 Schüler seien in Quarantäne, gibt es unterschiedliche Auffassungen. GEW-Chefin Tepe sagte: „Es gibt keine verlässlichen Angaben darüber, wie viele Schüler in Quarantäne sind. Die Zahl von 300.000 ist aus der Luft gegriffen.“ Auch Beckmann sagte, man wisse nicht, wie viele Schüler und Lehrer in Quarantäne seien.

Elternvertreter Wassmuth sagte: „Am Ende ist es ein Skandal, dass die Länder nicht längst dafür gesorgt haben, dass es eine verlässliche Statistik gibt.“ Wassmuth sagte: „Eigentlich sind wir in Deutschland doch Statistik-Weltmeister – nur in dieser Frage spielen wir offenbar absichtlich Kreisklasse.“

Laut einem Bericht des „Tagesspiegel” geht aus einer internen Einschätzung der Corona-Lage der Bundesregierung hervor, dass Schulen eine stärkere Rolle bei der Ausbreitung der Pandemie spielen könnten als bislang angenommen. Insgesamt werde da zwar von einem „diffusen Geschehen“ ausgegangen. Dennoch würden bei sieben der 15 Stadt- und Landkreise mit den höchsten Infektionsraten explizit auch Ausbrüche an Schulen in Zusammenhang mit den steigenden Zahlen genannt.

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