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Nach Impfberatung: „Querdenker“ greift Arzt in Braunschweig an und verletzt Polizisten

  • Ein 52-Jähriger Mann, der offenbar der sogenannten „Querdenker“-Szene zuzuordnen ist, hat in Braunschweig einen Impfarzt angegriffen.
  • Dabei wollte er sich offenbar sogar impfen lassen. Am Ende entschied sich doch anders und rastete aus.
  • Bei seiner Festnahme verletzte er zudem einen Polizisten.
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Hannover. Am vergangenen Dienstag ist es zu einem tätlichen Angriff gegen einen Arzt eines mobilen Impfteams und Polizisten in der Braunschweiger Innenstadt gekommen. Bei dem 52-jährigen Angreifer handelte es sich offenbar um einen Mann, der der „Querdenker“-Szene nahesteht, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ).

Der Mann war offenbar bereits in der Schlange vor dem zu einer Impfstation umgebauten Bus aufgefallen. Er hatte demnach wartende Menschen angesprochen und dabei Parolen der Corona-Leugner sowie Verschwörungserzählungen von sich gegeben. Im Impfbus selbst kam es dann beim Beratungsgespräch über die Impfung zu einer aggressiven Diskussion mit dem Impfarzt Phillip K., der den Vorfall bei Twitter geschildert hat.

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„Er wollte sich nur unter Protest impfen lassen, weil er sich von der Regierung dazu gezwungen fühle“, sagte K. der „HAZ“. Nach dem Beratungsgespräch habe der Mann dann kurz entschlossen den Impfbus ohne erfolgte Immunisierung verlassen und dabei sein gelbes Impfheft vergessen, erzählte der Mediziner.

Der Mann kehrte zurück – und griff an

Deshalb sei der Mann kurze Zeit später zurückgekehrt. Dabei sei er noch aufgebrachter gewesen als zuvor. „Ich habe mich gerade an einem Stehtisch in der Tür des Busses unterhalten, als der Mann ankam und mich schubste“, sagte der Impfarzt. Dann habe ihn der Impfverweigerer in Richtung Kopf geschlagen. „Ich konnte den Schlag abwehren, wurde an der Brust getroffen und geriet ins Stolpern.“

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Daraufhin sei der 52-jährige Angreifer geflüchtet, der Mediziner und anwesende Kollegen haben die Verfolgung aufgenommen sowie die Polizei alarmiert. Die Polizeikräfte konnten den „Querdenker“ schlussendlich stellen. Durch seinen Widerstand bei der Festnahme sei aber ein Polizist verletzt worden, teilte die Polizei Braunschweig der „HAZ“ mit: „Der Mann sperrte sich gegen die polizeilichen Maßnahmen und konnte nur unter großer Mühe mit auf die Dienststelle genommen werden.“

Impfarzt K.: „Wir lernen draus“

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Der Angreifer sei nach der Klärung des Sachverhaltes entlassen worden. Die Polizei ermittele nun gegen ihn wegen Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Impfarzt Phillip K. wolle sich von dem Vorfall nicht einschüchtern lassen, sagte er der „HAZ“: „Sonst würde ich zeigen, dass der Mann etwas erreicht hätte. Und das lasse ich nicht zu.“ Dennoch hat er offenbar eine Schlussfolgerung aus dem Angriff gezogen: „Wir lernen draus und impfen nicht mehr ohne Sicherheitsdienst“, schrieb K. auf Twitter.

Impfgegner schrecken immer seltener vor verbaler oder körperlicher Gewalt gegen Ärzte zurück. Das Bundeskriminalamt schätzt daher „Impfgegner oder Corona-Leugner“ als „relevantes Risiko“ im Zusammenhang mit Angriffen auf Impfzentren oder Arztpraxen ein.

RND/HAZ/dpa/sic

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