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Corona-Proteste: Falscher Ex-Soldat ruft zu Vorgehen gegen Polizei auf

  • Er sei ehemaliger Oberleutnant, habe das Kommando Spezialkräfte mit aufgebaut und wolle künftig mit bis zu 700 Veteranen Corona-Demonstranten vor der Polizei schützen.
  • Das behauptet ein angeblicher Ex-Soldat in einem seit Mittwoch hunderttausendfach angesehenen Schreiben.
  • Die Geschichte hat jedoch einen Haken: Nach RND-Informationen ist der „Oberleutnant a. D.“ frei erfunden.
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Berlin. Erneut verbreitet sich in den Onlinekreisen radikaler Impfgegner und Verschwörungsgläubiger ein Brief eines angeblichen Soldaten, der Drohungen an die Polizei enthält. Darin kündigt ein vermeintlicher „Oberleutnant a. D. Schneider“ an, seine zahlreichen militärischen Auszeichnungen aus Protest gegen die Corona-Politik der Bundesregierung und die Impfpflicht für Soldaten zurückgeben zu wollen. Außerdem droht er mit einem Einschreiten Hunderter Veteranen gegen Polizisten, die gegen Teilnehmer von Corona-Protesten vorgehen.

Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) aus Bundeswehrkreisen ist die Geschichte des angeblichen Soldaten jedoch frei erfunden. In dem an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzler Olaf Scholz, Verteidigungsministerin Christine Lambrecht und die Abgeordneten des Bundestags gerichteten Brief behauptet der vermeintliche Oberleutnant außer Dienst, er habe 1996 zu den ersten Soldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) gehört, ihm seien insgesamt 68 Auszeichnungen verliehen worden und er sei mit „201 Verwendungen einer der überhaupt erfahrensten Soldaten“.

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Hunderttausende sehen den Fake-Brief bei Telegram

Auch eine angebliche Personenkennziffer und Personalnummer werden genannt. Den angeblichen Oberleutnant hat es nach RND-Informationen jedoch nie gegeben.

Schon in dem Schreiben finden sich mehrere Unstimmigkeiten, die dessen Echtheit als nahezu unmöglich erscheinen lassen. Unter demselben Namen war im vergangenen Jahr bereits ein mittlerweile gesperrtes Twitter-Konto in Impfgegnerkreisen aktiv.

Mehr als 310.000-mal wurde dieser Beitrag bei Telegram allein bis Donnerstagmittag angesehen. Der angebliche Oberleutnant ist jedoch nach RND-Informationen frei erfunden. © Quelle: Screenshot: Telegram
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Impfgegner, Verschwörungsgläubige und Rechtsextreme verbreiten das Schreiben seit Mittwoch besonders auf Telegram. Mehr als 310.000-mal wurde eine in zahlreichen Gruppen und Kanälen in dem sozialen Netzwerk verbreitete Nachricht mit dem Brief allein bis zum Donnerstagmittag angesehen.

In der Szene gilt das Schreiben als weiterer Beweis, dass große Teile der Bundeswehr sie im „Kampf“ gegen die Politik von Bund und Ländern unterstützen würden. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte ein bayerischer Soldat öffentlich schwere Drohungen gegen die Bundesregierung ausgesprochen. Gegen den Mann ermittelt nun die Generalstaatsanwaltschaft in München wegen des Verdachts der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten.

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Auch echte Soldaten unter „Querdenkern“ und radikalen Impfgegnern

Der Oberfeldwebel, gegen den schon vor einiger Zeit disziplinarische Maßnahmen durch die Bundeswehr verhängt worden waren, trat öffentlich zusammen mit Maximilian Eder auf. Der Oberst a. D. ist tatsächlich ein ehemaliger Soldat und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des KSK. Größere Bekanntheit erlangte Eder, als er nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Sommer als „Querdenker-Kommandeur“ auftrat und sich anmaßte, schriftliche „Befehle“ zur Katastrophenhilfe zu erteilen.

Immer wieder versuchten Teile der radikalen Corona-Maßnahmen- und Impfgegner in den vergangenen Monaten den Eindruck einer breiten Unterstützung durch aktive und ehemalige Soldaten zu erwecken. Bei Demonstrationen traten tatsächliche und vermeintliche Veteranen in Uniformteilen auf.

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Der Erfolg solcher Versuche ist jedoch mäßig. In einem jüngst veröffentlichten Interview eines rechtsextremen Medienaktivisten mit einem Impfgegner und ehemaligen Soldaten beklagt dieser sich: „Bisher haben wir tatsächlich von anderen Soldaten noch nicht so viel Reaktion bekommen.“

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