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PCR-Tests: Lehrer fordern Priorisierung – „Es ist ein schreiender Widerspruch“

Lehrerverbände fordern, dass auch Lehrkräfte bei PCR-Tests priorisiert werden sollen.

Berlin.Lehrkräfte und Erziehende reagieren mit großer Empörung und Unverständnis auf die neue Regelung zur PCR-Testung, die Bund und Länder am Montag beschlossen haben. So kritisierten der Deutsche Lehrer­verband, der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den Beschluss gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) einstimmig.

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„Es ist natürlich ein schreiender Widerspruch, wenn die Politik unisono beteuert, dass das Offenhalten von Schulen oberste Priorität hat, sich aber wie schon so oft zuvor wegduckt, wenn es ganz konkret darum geht, Schüler und Lehrkräfte bei Gesundheitsschutzmaßnahmen zu priorisieren“, sagte Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.

Laut Meidinger geben die Regierung und die Gesundheitsbehörden „den Schwarzen Peter und die Verantwortung für den Gesundheitsschutz an die Schulleitungen vor Ort weiter“. Auch der VBE-Bundes­vorsitzende Udo Beckmann kann die Regel nicht nachvollziehen. „Lehrkräfte tun alles, um unter den gegebenen Umständen bestmögliche Bildung und Erziehung für die Kinder sicherzustellen. Daher erwarten wir von der Politik, dass sie ebenfalls alles tut, um die Gesundheit der Lehrkräfte zu schützen“, sagte Beckmann dem RND.

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Infektionszahlen in den Schulen steigen deutlich

Maike Finnern, GEW-Vorsitzende, erwähnt zudem, dass viele Kolleginnen und Kollegen sich im Stich gelassen fühlen. „Die Lehrkräfte sowie die Erzieherinnen und Erzieher, das berichten die Kolleginnen und Kollegen aus den GEW-Landesverbänden, sind hochgradig belastet, es gibt viel Unsicherheit und unendlichen Frust über das schlechte Krisenmanagement von Politik und Kultusverwaltung“, sagte Finnern zum RND.

Die Vertreter und die Vertreterin der Verbände sind sich einig: Lehrerinnen und Lehrer müssen ebenfalls zur kritischen Infrastruktur zählen und bei der PCR-Testung priorisiert werden. „Lehrkräfte sind einem besonderen Risiko ausgesetzt, da sie tagtäglich im Kontakt zu Menschen stehen, deren Inzidenz deutlich über der der übrigen Gesellschaft liegt“, begründete der VBE-Vorsitzende seine Forderung. Die GEW plädiert außerdem dafür, auch Kinder und Jugendliche bei der Priorisierung zu berücksichtigen, sagte Finnern.

Die Infektionszahlen bei Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern steigen derweil deutlich. „Wir beobachten in vielen Regionen eine Verdopplung der Infektionszahlen im Wochenrhythmus“, sagte Meidinger. „Es gibt bereits eine Reihe von Schulen, wo der kritische Wert von mehr als 20 Prozent Krankheitsausfall in einem Lehrerkollegium überschritten ist.“

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Laut Meidinger kann in diesen Regionen vollständiger Präsenzunterricht nicht mehr gewährleistet werden und es drohe „massiver Unterrichtsausfall“. Angesichts der Omikron-Welle prognostiziert er vorsichtig, dass es in Bezug auf die Personalsituation noch einmal zu „einer dramatischen Verschlechterung“ kommen könnte.

Meidinger zur Durchseuchung: „Dort ist sie bereits da“

Er sieht die Durchseuchung in den Schulen bereits im vollen Gange: „Bei altersspezifischen Inzidenzen von über 5000 in manchen Regionen Deutschlands brauchen wir über die Frage, ob eine Durchseuchung droht, nicht mehr zu diskutieren. Dort ist sie bereits da.“

Finnern findet dieses Verhalten fahrlässig: „Es macht den Eindruck, dass in Kauf genommen wird, das Infektionen durchlaufen – mit allen entsprechenden Wirkungen und gesundheitlichen Risiken.“ Unter diesen Umständen gab Beckmann zu bedenken, inwiefern es sinnvoll ist, am Präsenzunterricht festzuhalten. „Im Vordergrund steht die Gesundheit der Schülerschaft und der Lehrkräfte. Präsenzunterricht um jeden Preis ist keine Option“, so Beckmann.

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Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist die Inzidenz bei den 15- bis 19-Jährigen aktuell mit einem Wert von 1183,3 in allen Altersgruppen am höchsten (Stand: 24. Januar). Darauf folgen die Zehn- bis 14-Jährigen mit einer Inzidenz von 1137,7 und die Fünf- bis Neunjährigen mit 1095,7.

Bund und Länder sind am Montag erneut zu einer Ministerpräsidentenkonferenz zusammengekommen, um über die Corona-Maßnahmen zu beraten. Aufgrund der massiven Engpässe in den Laboren haben sich die Vertreterinnen und Vertreter auf eine Priorisierung für PCR-Tests geeinigt. Damit werden Menschen bevorzugt, die zur Risikogruppe zählen oder im Gesundheits- und Pflegewesen arbeiten. Bei alle anderen Bürgerinnen und Bürgern soll ein positiver Antigenschnelltest mit einem weiteren Schnelltest bestätigt werden.

Derweil hat die Berliner Bildungsverwaltung am Montag auf die prekäre Lage reagiert und setzt die Pflicht für den Präsenzunterricht zeitweise bis Ende Februar aus. Ab Dienstag, 25. Januar, dürfen Eltern selbst darüber entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schicken oder zu Hause lassen.

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