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  • Corona: PCR-Tests werden laut Marburger Bund knapp – Schnelltests als Alternative?

Ärzteverband warnt vor PCR-Engpässen: Genügen auch Schnelltests zum Freitesten?

  • Deutschlands größter Ärzteverband Marburger Bund hat vor Engpässen bei PCR-Tests gewarnt.
  • Wenn durch die Omikron-Welle auch in den Laboren Personal ausfällt, sei das Freitesten aus der Quarantäne nicht mehr möglich.
  • Die Vorsitzende Johna forderte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) daher Alternativen und schlägt zwei Schnelltests vor.
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Die Omikron-Welle könnte laut Fachleuten dafür sorgen, dass sich schnell viele Menschen infizieren oder als Kontaktperson in Quarantäne müssen. Das Bundesgesundheitsministerium hatte daher Pläne für eine verkürzte Quarantäne erarbeitet. Sie sehen vor, dass sich mit Corona infiziertes Klinikpersonal nach sieben Tagen und Klinikpersonal mit Omikron-Kontakten nach fünf Tagen freitesten kann – jeweils mit einem PCR-Test.

Die Vorsitzende von Deutschlands größtem Ärzteverband Marburger Bund, Susanne Johna, hat die Pläne gelobt. „Es ist wichtig, dass die Quarantäne- und Isolationsregeln für das Klinikpersonal angepasst werden und dass eine Verkürzung an einen negativen Test gebunden ist“, sagte sie im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Man müsse aber dabei berücksichtigen, dass ein PCR-Testergebnis aus dem Labor derzeit selbst in Kliniken oft erst nach etwa 48 Stunden vorliegt. „Wenn Sie Klinikpersonal nach fünf Tagen testen, kann es also erst nach sieben Tagen aus der Isolation entlassen werden und zurück zur Arbeit.“

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PCR-Engpässe wie in anderen Ländern?

Allerdings gab Johna zu bedenken, dass die Omikron-Variante auch zu mehr Infektionen bei Beschäftigten in den Laboren führen werde. „Es ist also damit zu rechnen, dass die PCR-Testkapazitäten in Deutschland bald nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen“, sagte sie dem RND. Dies sei leider schon jetzt in anderen Ländern zu sehen. Aus diesem Grund forderte Johna: „Wir brauchen einen Plan B, um die Quarantäne- und Isolationsregeln zu verkürzen. Möglich wären zwei Antigentests in Folge, mit denen man sich freitesten kann.“

In Krankenhäusern sollten idealerweise PCR-Tests verwendet werden. „Aber wenn wir das Ergebnis erst nach vier Tagen haben, ist ein PCR-Test für den Klinikalltag nicht mehr sinnvoll“, so Johna. Stattdessen müsse man dann auch in Kliniken Antigentests verwenden. Die Versorgung der Patienten stehe schließlich an erster Stelle. Bei Engpässe bei den PCR-Kapazitäten halte Johna zwei Antigentests zur Verkürzung von Isolation und Quarantäne für „sicher gerechtfertigt.“

Der Vorsitzende der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) Michael Müller erklärte gegenüber dem RND: „Richtig ist, dass alle Personen in Deutschland, so auch Mitarbeitende in den Laboren, vom Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion (aktuell mit der Omikron-Variante) betroffen sind und es auch Infektionen in den Einrichtungen gibt“.

Die Labore zählen zur kritischen Infrastruktur und seien laut Müller deshalb auch besonders schützenswert. „Im Verlaufe der kommenden Wochen wird sich zeigen, wie sich die Belastung in den Laboren entwickelt und ob und in welcher Weise dann auch weitere Priorisierungen in den Testungen vorzunehmen sind.“

Müller gab zu bedenken: „In der Debatte ist mit zu berücksichtigen, dass die Labore neben der SARS-CoV-2-Diagnostik insbesondere die Versorgung der Bevölkerung mit ärztlicher Labordiagnostik zu allen anderen akuten und chronischen Erkrankungen einschließlich der Therapiekontrolle zu bewältigen hat.“

Der Entwurf des Gesundheitsministeriums sieht für die Allgemeinbevölkerung vor, dass sich sowohl Infizierte als auch Kontaktpersonen ohne Symptome nach sieben Tagen „möglichst“ mit einem negativen PCR-Test freitesten können. Aber auch ein Antigentest mit entsprechendem Zertifikat halte das Ministerium für angemessen. Nach zehn Tagen könne man auch ohne Test die Isolation oder Quarantäne verlassen. Eine Testpflicht zum Freitesten mit einem PCR-Test sieht der Entwurf nur für Personal der kritischen Infrastruktur vor.

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