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„Nach den Herbstferien deutlich mehr Ausbrüche“ – Lauterbach warnt vor neuer Corona-Welle

  • Nicht nur ein- oder zweimal, sondern dreimal pro Woche sollen Schülerinnen und Schüler getestet werden – und zwar bundesweit einheitlich.
  • Das fordert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegenüber dem RND.
  • Die Bildungsgewerkschaft GEW drängt darauf, nach den Herbstferien endlich Luftfilter anzuschaffen.
Paul Gross
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Berlin/Köln. Die Corona-Inzidenz in Deutschland ist erstmals seit Mai wieder klar dreistellig. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Sonntag mit 106,3 an. Am Montag enden in fünf Bundesländern die Herbstferien. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnt daher vor weiter steigenden Infektionszahlen. „Wir werden nach den Herbstferien deutlich mehr Ausbrüche in den Schulen erleben, weil die Kinder nicht mehr lange lüften können“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Auch in den Betrieben wird es Ansteckungsketten geben. Dasselbe gilt für Bars und Restaurants. Wir haben einen kontinuierlichen Anstieg zu erwarten.“

Lauterbach fordert eine bundesweit einheitliche Teststrategie an Schulen: „Dreimal in der Woche testen, das wäre mein Vorschlag, morgens mit Antigen-Tests, weil diese die vorherrschende Delta-Variante sehr zuverlässig erfassen. Dazu fünf Testtage hintereinander für Kontaktpersonen von Infizierten. So könnten wir die unkontrollierte Pandemie an den Schulen praktisch beenden.“ Kinder, die Kontakt mit Infizierten hatten, müssten so nicht in Quarantäne.

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Kritiker befürchten „Flickenteppich“ an Maßnahmen und Regelungen

Lauterbach forderte einen Bund-Länder-Beschluss zum einheitlichen Vorgehen. „Mir tun die Kinder leid, die jetzt dem Long-Covid-Risiko ausgesetzt sind“, sagte er dem RND. „Dass wir jetzt, bei steigenden Zahlen, an vielen Stellen aufhören zu testen ist vollkommen unvertretbar. Wenn man in einer Schule jetzt aufhört zu testen, ist das ein Beschluss zur Durchseuchung.“

Der Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Beendigung der durch den Bundestag festgestellten Corona-Notlage sorgte auch angesichts der steigenden Zahlen weiter für Diskussionen. Kritiker befürchten einen „Flickenteppich“ an Maßnahmen und Regelungen. Lauterbach etwa forderte gegenüber dem RND „dringend eine Rechtsgrundlage, die uns ermöglicht, die Schutzmaßnahmen zu erhalten und wahrscheinlich sogar zu verschärfen – zumindest für Ungeimpfte“.

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GEW-Chefin Finnern sieht Schulen für zweiten Corona-Herbst vorbereitet

Für die über 70-Jährigen sollte eine Kampagne für Booster-Impfungen beginnen, „da fühlt sich aktuell niemand zuständig“, sagte Lauterbach. „Dabei sind sie entscheidend, denn sie schützen auch die Ungeimpften, weil es dann weniger Infektionsketten gibt.“ Derzeit seien diese Impfungen sehr unübersichtlich und unstrukturiert.

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RKI warnt: Exponentieller Anstieg der Corona-Fallzahlen
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Die Corona-Fallzahlen in Deutschland könnten nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts in der kommenden Zeit dynamisch anwachsen.  © dpa

Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sieht die Schulen für einen zweiten Corona-Herbst vorbereitet. „Mit Blick auf die wieder steigenden Inzidenzwerte, insbesondere in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen, sind die Schulen wachsam. Weiterhin gilt: Den bestmöglichen Gesundheitsschutz für Schülerinnen und Schüler, deren Eltern und die Lehrkräfte bietet das Zusammenspiel eines Maßnahmenbündels“ wie Abstandsregeln, Händewaschen und Maskentragen, sagte sie dem RND. „Bundesweit betrachtet sind die Schulen in diesem Herbst in Sachen Gesundheitsprävention besser aufgestellt als vor einem Jahr, die Impfquote unter den Beschäftigten in den Schulen ist außerordentlich hoch. Wird der Präventionsweg weiter konsequent beschritten, können die Schulen geöffnet bleiben.“

Finnern kritisierte, dass viele Schulen immer noch nicht mit Luftfiltern ausgestattet seien. „Hier herrscht dringender Handlungsbedarf“, sagte die GEW-Vorsitzende.

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