Lauterbach warnt vor Corona-Mutationen – „ein Teufelskreis“

  • Auf der britischen Insel grassiert eine Mutation des Coronavirus.
  • Es soll ansteckender sein als das bislang bekannte.
  • SPD-Gesundheits­experte Karl Lauterbach warnt vor weiteren möglichen Mutationen.
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Berlin. SPD-Gesundheits­experte Karl Lauterbach hat vor der Mutation des Coronavirus, das jetzt in Großbritannien grassiert, und weiteren möglichen Mutationen gewarnt.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass Mutationen die Ansteckungs­gefahr erhöhen“, sagte er dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

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Drosten: Neue Corona-Variante vermutlich auch in Deutschland
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Die neue Variante des Coronavirus soll bis zu 70 Prozent ansteckender sein.  © dpa
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„Das ist ein weiterer Grund dafür, dass die zweite Welle nicht so stark werden darf. Je mehr Ansteckungen man zulässt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass noch gefährlichere Mutationen folgen“, so Lauterbach.

Lauterbach: „Schwachsinn“ Herdenimmunität über Ansteckungen zu erreichen

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„Das ist quasi ein Teufelskreis: Mehr Ansteckungen führen zu mehr Mutations­gelegenheiten und damit zu mehr Mutationen. Diese wiederum führen zu mehr Ansteckungen. So geht es dann immer weiter.“

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Neue Mutation: Bundesregierung verhängt Verbot von Flügen aus Großbritannien
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In Großbritannien verbreitet sich derzeit eine Mutation des Coronavirus. Die Bundesregierung und andere europäische Länder reagierten mit einem Flugverbot.  © Reuters
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Darum sei es auch „Schwachsinn“, über Ansteckungen Herdenimmunität herstellen zu wollen, so der SPD-Politiker.

Corona-Mutation: 70 Prozent ansteckender als bisher bekannte Virus-Variante

Wegen einer neuen Variante des Coronavirus in Großbritannien hatte die Regierung zuvor einen neuen Shutdown für die Hauptstadt London verhängt.

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Die kürzlich entdeckte Variante sei um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form, sagte Premierminister Boris Johnson am Samstag vor Journalisten in London. Allerdings gebe es keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe schlechter dagegen wirkten.

Wegen der besonders ansteckenden neuen Variante des Coronavirus verbieten immer mehr Länder die Einreise aus Großbritannien. Zahlreiche EU-Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, kündigten an, ab Montag vorübergehend keine Passagierflüge mehr aus Großbritannien landen zu lassen. Auch der Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien wurde geschlossen.

Corona-Mutation: EU trifft sich

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft berief ein Krisentreffen für Montag ein, um sich in der Reaktion auf die neue Variante abzustimmen. Diese ist nach bisherigen Erkenntnissen um 70 Prozent ansteckender als bekannte Varianten des Coronavirus.

Der britische Premier Boris Johnson hatte am Samstag mit Blick auf die rasante Ausbreitung des Coronavirus in London und im Süden Englands einen neuen Lockdown für die Region verkündet. Johnson sagte dabei, die schnelle Verbreitung des Virus sei offenbar auf die neue Variante zurückzuführen. Es gebe aber keine Hinweise, dass diese auch öfter zum Tod oder zu schweren Krankheiten führe.

Die neue Variante des Coronavirus wurde im September im Südosten Englands identifiziert und zirkuliert seitdem dort, wie Maria Van Kerkhove von der Weltgesundheitsorganisation WHO am Sonntag der BBC sagte. Die Mutation sei auch schon in Dänemark, den Niederlanden und Australien aufgetaucht. In Australien habe es sich aber nur um einen einzelnen Fall gehandelt, der sich nicht weiter verbreitet habe. Auch in Südafrika wurde die neue Variante festgestellt. Deshalb kündigten unter anderem Deutschland und Israel an, Flüge auch von dort nicht mehr landen zu lassen.

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Neue Virusvariante: Deutschland prüft Flugeinschränkungen
1:03 min
Angesichts einer in Großbritannien aufgetretenen neuen Variante des Coronavirus prüft auch Deutschland Schutzvorkehrungen im Luftverkehr.  © dpa

Susan Hopkins von der englischen Gesundheitsbehörde PHE sagte, die neue Virusvariante sei zwar schon seit September bekannt, aber erst diese Woche habe man ausreichend Beweise dafür gehabt, dass sie sich auch wirklich so viel rascher ausbreite. Patrick Vallance, wissenschaftlicher Berater der britischen Regierung, erklärte, dass die neue Variante im Dezember bereits für mehr als 60 Prozent der Ansteckungen in London verantwortlich gewesen sei.

Dass Viren mutieren ist an sich nichts Ungewöhnliches. Beim Coronavirus sind Tausende verschiedene Mutationen bekannt. Die meisten haben aber keine Auswirkungen darauf, wie schnell sich das Virus verbreitet oder wie schwer die Symptome der Erkrankten sind. Bei dieser neuen Virus-Variante sei besorgniserregend, dass es darin 23 Veränderungen gebe, die Einfluss darauf hätten, wie das Virus sich an Zellen bindet und in sie eindringt, sagte Vallance.

Um zu verhindern, dass die Variante auch auf dem europäischen Festland Fuß fasst, brachten zahlreiche EU-Staaten den Verkehr von und nach Großbritannien weitgehend zum Erliegen. Neben Deutschland und Frankreich gaben bis Sonntagabend Italien, die Niederlande, Belgien, Österreich, Irland und Bulgarien Einschränkungen des Reiseverkehrs mit dem Vereinigten Königreich bekannt.

Zudem lässt Kanada Flüge aus Großbritannien nicht mehr ins Land. Premierminister Justin Trudeau teilte am Sonntagabend mit, ab Mitternacht sei allen Flügen aus Großbritannien für 72 Stunden die Landung verboten. Reisende, die noch am Sonntag eingetroffen seien, würden gründlich untersucht. Frachtflüge sind nach einer weiteren Mitteilung der Regierung nicht von der Sperre betroffen. Später verkündete auch das zentralamerikanische Land El Salvador Beschränkungen: Wer innerhalb der zurückliegenden 30 Tage in Großbritannien war, werde nicht ins Land gelassen.

Der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza sagte, die Einreise aus Großbritannien und für alle, die in den vergangenen 14 Tagen in dem Land waren, sei bis zum 6. Januar verboten. Die Niederlande verboten Flüge mindestens bis zum Jahreswechsel, Belgien kündigte zunächst einen 24-stündigen Stopp sowie eine Unterbrechung des Zugverkehrs mit der Insel an. Die Anordnung gelte ab Mitternacht für 24 Stunden, sagte der belgische Ministerpräsident Alexander De Croo. „Es gibt sehr viel Fragen zu dieser neuen Mutation“, sagte De Croo. Frankreichs Reisestopp gilt vorerst für 48 Stunden, wie die Regierung mitteilte.

Mit Material von AP


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