Corona: Das ist Merkels Strategie gegen Hotspots und Donald Ducks

  • Wegen steigender Infektionszahlen beschließen Bund und Länder Beschränkungen für Feste in Corona-Hotspots und Bußgelder für falsche Gästelisten.
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet vor, wie dramatisch sich die Infektionskurve entwickeln könnte.
  • Ein erneuter landesweiter Shutdown müsse “unbedingt verhindert werden”.
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Berlin. Das Coronavirus bringt es mit sich, dass die Kanzlerin sich als Mathematiklehrerin betätigt. Sie hat sich mit den Ministerpräsidenten getroffen, um über die Krisenlage zu sprechen. Und sie findet, es gebe “Grund zur Beunruhigung”.

Die Infektionszahlen steigen seit einer Weile an. An Weihnachten könne es täglich 19.200 Neuinfektionen geben, hat sie am Vortag gewarnt, eine seltsam präzise und krumme Zahl.

“Ich habe einfach eine Modellrechnung gemacht”, sagt Merkel nach dem Treffen mit den Länderregierungschefs. Im Juni habe es im Schnitt 300 Neuinfektionen am Tag gegeben, jetzt würden zuweilen bis zu 2400 gezählt. Also habe sich die Zahl in drei Monaten dreimal verdoppelt. “600, 1200, 2400”, rechnet Merkel vor.

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Und dann verdoppelt sie sich weitere dreimal – bis Weihnachten sind es noch drei Monate. “4800, 9600, 19.200”, sagt die Kanzlerin. Verdopplung könne sehr schnell zu großen Fallzahlen führen. “Das wollte ich nur zeigen.”

Aber, das sagt sie auch: “Wir wissen, dass wir uns dem entgegenstellen können.” Infektionsketten möglichst schnell unterbrechen, das sei das Wichtigste.

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Merkel: “Wir stehen vor einer schwierigen Phase”
2:20 min
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Mittwoch im Bundestag die Corona-Politik der Bundesregierung verteidigt.  © Reuters

Donald Duck beim Friseur

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In ihrer Videokonferenz haben Kanzlerin und Ministerpräsidenten daher zwei zentrale Beschlüsse gefasst: Für falsche Personenangaben auf den Gäste- oder Kundenlisten, die etwa für Gaststätten oder Friseure verpflichtend sind, wird künftig ein Bußgeld erhoben.

Auf mindestens 50 Euro einigt sich die Runde, höhere Beträge sind möglich. Schleswig-Holstein etwa kündigt ein Bußgeld von 1000 Euro an. Zahlen müssen den Betrag die Gäste, nicht die Wirte, wie ein Regierungssprecher am Dienstagabend klarstellte. “Bei Donald Duck ist es ja nicht schwierig, dass die Sache unwahrscheinlich ist”, sagt Merkel. Notfalls müsse sich der Gastwirt eben den Ausweis zeigen lassen.

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In Hamburg sei nach einem Corona-Fall in einer Bar festgestellt worden, dass nur die Hälfte von 600 Gastangaben korrekt gewesen seien, berichtet der Erste Bürgermeister der Stadt, Peter Tschentscher.

“Es geht nicht, dass man da irgendwelche Spaßgeschichten aufschreibt wie Darth Vader oder Prinzessin Leia”, findet auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

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Bund und Länder verschärfen Corona-Auflagen
1:56 min
Wegen steigender Infektionszahlen beschließen Bund und Länder Beschränkungen. Merkel: ”Wir wollen regional, spezifisch, zielgenau agieren.”  © Reuters

Partys in Corona-Hotspots

Der zweite Beschluss trägt nicht den Namen Corona-Ampel, den Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vorgeschlagen hatte. Von “Hotspotstrategie” ist nun stattdessen die Rede. Im Fokus stehen dabei Feste. Neben den Reiserückkehrern seien sie “eine der großen Ursachen von Infektionsausbrüchen”.

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Ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sollen also künftig in öffentlichen oder gemieteten Räumen nur noch maximal 50 Personen feiern dürfen. Gibt es 50 oder mehr Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner reduziert sich die Zahl auf 25 Personen.

Für Feste in Privaträumen gibt es lediglich eine Empfehlung für die beiden Stufen: Höchstens 25 in der ersten und maximal zehn Partygäste in der zweiten Stufe. Ausnahmen kann es laut Beschluss geben, wenn ein Hygieneplan vorliegt und das Gesundheitsamt zugestimmt hat. “Jeder kann in seinem Bundesland weitergehende Regeln erlassen”, sagt Merkel. Und Söder merkt an, irgendwie habe man ja nun doch eine Ampel.

Streit um Quarantänezeiten

“Lüften sehr ernst nehmen”, empfiehlt die Kanzlerin noch. “Da wird darüber gelächelt, aber es könnte eine der billigsten Maßnahmen sein.”

Sehr einig sei man sich dieses Mal in der Runde der Ministerpräsidenten gewesen, beteuern Merkel, Söder und Tschentscher. So sei das ja nicht immer gewesen.

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Ein Streitpunkt ist geblieben. Über die Dauer der Quarantäne für Personen, die aus Risikogebieten zurückkehren oder Kontakt mit Infizierten hatten, sei man noch nicht einig, räumt Merkel ein. Es müsse hier noch abgewogen werden zwischen der Sicherheit für die Gemeinschaft und dem, was Betroffenen zuzumuten sei.

Zentral sei, dass es keinen erneuten Shutdown für das ganze Land gebe, sagt Merkel. “Das muss unbedingt verhindert werden.” Die Wirtschaft müsse weiterlaufen und Schulen und Kitas geöffnet bleiben. Man wolle “regional, spezifisch und zielgenau agieren”.

Es sei eine der Lehren der vergangenen Monate gewesen, sagt Merkel: “Dass wir nicht für alle das Gleiche machen müssen.” Sie schiebt noch einen Satz hinterher: “Das ist eine gute Nachricht.” Auch die soll es geben an diesem Tag.

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